Alle Texte auf dieser Homepage: © Christa Schyboll - Das Urheberrecht ist zu beachten

 

 

Textproben aus meinen lyrischen Gedanken:

 

 

 

 

 

 

 

Regenwald
 
Regenwälder
Atmen ihr Grün in die Nacht
Die Feuchte der Blätter
Sammelt sich im wilden Fluss
Hineintropfend
In die leisen Gebete
Der Pflanzen und Tiere
 
Wie Wolken
Des kleinen alltäglichen Glücks
Wabern Nebel hindurch
Durchwebt von den Strahlen der Sonne
Die Lichtpunkte
Zwischen dem Tausendgrün tanzen lässt

 

Alles ringt nach der
Ausdehnung im Raum
Erkämpft sich den Platz
Mit den mächtigen Wurzeln
Des eigenen Seins
 
Äste ergreifen sich
Ungestüm und wild
Als wollten sie sich in Ekstase lieben
Oder ringen miteinander
Um Leben und Tod
 
Doch der neue Keim
Atmet sich kraftvoll
In zartes Hellgrün

 

 

 

 

 

 

Ich bin im freien Fall
Nicht himmelan, wie sonst
Der Gravitas zum Trotz nun quer
Mitten hinein in das Wesen der Dinge
Punktgenau in die Geburt der Idee
Die mich schuf, obschon ich jetzt
Aus Fleisch, mit Blut
Und doch Idee
Und Werden, ewig Werden

 

 

 

 

 

Ich spiele mich durchs Sein

und übe in der Nacht das körperlose Fliegen
derweil mein Geist Erkenntnismuster voller Schönheit webt
und mich trotz Gefahren

unversehrt die Wege der Erfahrung gehen lässt

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinter der Grenze des Lebens

 

Keinen Boden unter den Füßen

 

Einzig nur Luftwanderer finden Halt

 

Sturz in uns selbst

 

 

 

Dort, in uns angekommen

 

Ein erstaunliches Nichts – zunächst

 

 

Zögernd dämmert es sich in ein: Etwas

 

Blind tastend erkunden wir die neue Welt

 

Die, ach, so alt, so geistestief!

 

 

Von hier aus erst ist das Luftgehen zu erlernen

 

Wahre Festigkeit liegt allein im Haltlosen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lockern wir doch unser Bewusstsein auf!

 

Fächern wir ihm doch Freude zwischen kleine Seins-Anteile.

 

Entkrampfen wir doch endlich

 

die lastenden Fragen ohne Antwort

 

in seinen geheimen Winkeln

 

und fühlen uns eins

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachtphasen

 

 

 

Beta-Wellen

 

Ich bin, weil eine Idee ihre menschliche Trägerin sucht.

Ich lebe, weil eine Geschichte am frühen Morgen durch mich geboren werden will.

Ich schreibe, um zu leben und zu sein.

Ich lasse mich finden von der Idee.

Ich locke sie an mit einem kleinen Gebet zur Nacht.

 

Alpha-Wellen

 

Die  Idee sucht mich meist in der Nacht.

Wie ein Dieb schleicht sie sich in mein schlafendes Ich.

Meine Seele verlässt meinen Körper für zeitlose Zeit.

Auf dem Flug in nächtliche Abenteuer ist sie beschützt.

 

Non-Rem-Phase

 

Nun beginnt die Idee ihr erstaunliches Werk.

Sie füllt mich an mit Geschichten und neuen Märchen.

Sie lodert mit Flammenzungen an meinem ruhenden Geist.

Sie sprengt aufblitzende Funken in meine Zellmembran.

Dort beginnt die neue Schwingung.

Ein unhörbarer Ton, auf der meine Phantasie zu schweben beginnt. 

Und doch sehe ich noch kein Bild.

 

Tiefschlaf

 

Hier bin ich nicht, während ich bin.

Was ist, schlendert durch einen inneren Garten.

Ich selbst betrete ihn nicht.

Wachsende Fülle, die meinen Sinnen verborgen bleibt.

Mein Körper ist gelähmt.

Mein Ich ist nicht.

Ich bin ent-icht.

 

 

Rem-Phase

 

Dann gleite ich in die erste Phase des Traums.

Wild spielen die Wesen der Nacht.

In meinen Gedankenwelten  zaubern sie neue Universen.

Bin ich der Traum eines höheren Wesens?

Oder träume ich gerade die Spiegelwelt einer Dunkelheit?

Eine, die sich nach dem Licht meines Erkennens sehnt?

 

Mein Traummeister steht mir zur Seite.

Er tupft mir Verwirrung aus meiner perlenden Stirn.

Sternäugige Blicke werfe ich in  raumlose Räume.

In der Welt der Ideen platzt es und zischt es. Es brodelt und wallt.

Es zerkracht und zerknallt.  Explodiert vor Freude und Fülle.

Es sät seinen Samen mit Herzblut und Lust in meinen träumenden Geist.

 

Unerreichbar weit bin ich mit selbst in dieser Zeit.

Und unerklärlich nah fühl ich die Lust, die mir Ideengötter schenken.

 

 

Alpha-Wellen

 

Das Tagwerk beginnt.

Noch liege ich im Halbschlaf. Ich bin warm und weich gebettet.

Ich koste von der Beute der Nacht.

Imaginäre Finger führen bereits den Stift.

Reiche Ernte bringe ich mit  aus der Welt der flügellosen Flügel.

Mein Körper ist bewegungslos.

Mein Geist ist hochaktiv.

 

 

Beta-Wellen

 

Ich recke mich, strecke mich.

Ich  schalte den Computer ein.

Schnell, schnell… sonst sind sie weg. Die Ideen.

Die zischenden, wallenden, brodelnden Geschosse,

die zwischen den Synapsen wilde Tänze vollführen.

 

Zähneputzen, später.

Kaffee, später.

Sie kommen nur um diese Zeit.

Bin ich nicht pünktlich, zeigen sie mir die rote Karte.

Für mindestens 24 Stunden.

Sie haben ihre eigene Zeitqualität.

 

Ich bin verabredet.

Morgen für Morgen.

Abend für Abend.

Nacht für Nacht.

Mit meinen Ideen aus dem tiefen Schlaf.

Ich erwarte sie.

Ich begrüße sie.

Ich liebe sie.

Ich danke ihnen aus tiefstem Herzen.

 

 

Ich bin, weil eine Idee ihre menschliche Trägerin sucht.

Ich lebe, weil eine Geschichte am frühen Morgen durch mich geboren werden will.

Ich schreibe, um zu leben und zu sein.

Ich lasse mich finden von der Idee.

Ich locke sie an mit einem kleinen Gebet zur Nacht.

 

 

by Christa Schyboll

 

 

 

 

***

 

 

 

 

Adieu

 

 

Weich gezeichnet deine Knochen

Unterm faltigen Gesicht

So schlaff die Hand, die mir Märchen

Mit so feinen Gesten zu erzählen wusste

 

Weiß dein dünnes Haar

Dem letztes Grau entschwand

Und  sauber festgeknotet

Den gebeugten Nacken ziert

 

Drückt in den letzten Stunden

Dich das Leben, das du nie gelebt

Oder die Sünde, Die du nie begangen

Die Lust, die unverbraucht

Sich in den letzten Augenblicken

Vereinsamt durch die Sinne schleicht

 

Schleppend lang die vielen wachen Nächte

Die den späten Tod willkommen heißen

Derweil in anderen Häusern er die Früchte schnitt

In dieser Nacht hat er dein Körperhaus betreten

 

Bevor wir scheiden:

Sprich ein letztes mal zu mir!

Aus deinem Antlitz  lass die Sonnen

Des Vergangenen aufblitzen

Bemale mir  Erinnerungen

mit den unbenutzten Farben

Deines grau gewordenen Lebens

 

Drück mir sanft

Mit  welk gewordener Hand

Zukunft in die Innenfläche meiner Rechten

 

Berühr mein junges Fleisch noch einmal

Und schick mir mit dem letzten Blick der Augen

Ein Adieu

 

(c) Christa Schyboll

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dein Haar, so weiss

 

 

Dein Haar, so weiss
In langem Zopf geschickt geflochten
Schimmert nächtens wie polierter Reis

 

Dein Aug, grüngrau
Lässt keinen Stern erblitzen
Senkt den Blick ins dunkle Blau

 

Dein Mund, so blass
So voller nicht gesprochener Worte
Die Lippen ungeküsst und Tränen nass

 

Die Arme,
ach so lang und leer
Und ohne einen Liebsten, der zu umfangen wär‘

 

Der Leib, so weich
So wässrig und so fließend
An Metastasen reich

 

Der letzte Gang, so mühevoll
So schleppend durch den Tag
Ein jeder Schritt in dunkles Moll

 

Das Herz, erzitternd
Nach dem nahen Tod
Um Lebenszeit verkürzend bittend

 

Dein Geist:So lichterloh entbrannt
Entflammt für neue Welten
Steht über Schmerz und Tod – zerteilt die letzte Wand

 


(c) by Christa Schyboll

 

 

***

Druckversion Druckversion | Sitemap
(c) Christa Schyboll, 2017