Ansichts-Sache

oder

Wie ich die Dinge so sehe ...

 

 

 

Ein Blick in die Hölle

 

TEIL 2 - Fortsetzung

 

 

»Schauen Sie, Hannah... an dieser Stelle nahm meine Freundin Sina fast hellsichtig Teilbereiche der heutigen Entwicklungen vorweg. Sie schien lange im Voraus zu ahnen, dass sich die sogenannte sexuelle Revolution, die eigentlich eine Befreiung aus einer alten, moralinsauren Verklemmtheit werden sollte, sich nun in eine ganz fatale Richtung entwickelte. ...

 

Ja, es wurde zunächst alles freier, was auch gut und überfällig war. Aber es war offenbar ab einem bestimmten Punkt dann eben nicht mehr befreit vom alten Mief, sondern es wurde beliebig, gleichgültig, rein triebgesteuert, verant-wortungslos, hemmungslos und ständig massiv manipuliert.

 

Wirkliche Freiheit geht auch mit einem klaren Bewusstsein für Verantwortung einher, dass man für jedes Tun oder Lassen übernehmen muss. Verkommt etwas in Gleichgültigkeit und Beliebigkeit, kann man nicht mehr von Freiheit sprechen. Dann handelt es sich eher um Anarchie oder Herrschaftslosigkeit im Zwischenmenschlichen. Und das ist heute auf dem weltweiten Jahrmarkt der Zwangsprostitution mit den Heerscharen von Menschenhändlern der Fall.

 

Heute gibt es den boomenden Sextourismus vor allem in asiatische Länder, an dem Kinder und junge Frauen doch nicht etwa gern und freiwillig teilnehmen. Es ist unter anderem auch ein Schlemmerland für Pädophile. Die Armut erstickt dort die Familien und das westliche Geld und die westliche Lebensart sind verführerisch für die Armen. Da bringt dann so mancher seine Kinder zum Opfer. Die Dunkelziffern kennt kein Mensch. Niemand kann das Elend eines Menschen ermessen, dass von Kindesbeinen an missbraucht wurde und sich in unserer komplizierten Welt ein Leben lang zurechtzufinden hat. Kein Urvertrauen, keine Liebe, kein Schutz. Eine Unmenge Schmerz.

 

Wie wird man damit alt? Wie lange dauert dann die Zeit? Und wer nimmt an all dem teil? Herr Müller, Herr Maier, Herr Schulz. Ihre Majestät, der Bäcker, der Direktor oder ihre Hochwürden, der Kardinal? Alle Schichten nehmen teil. Es sind scheinbar ganz normale Menschen, die zugleich auch demokratische Parteien wählen, hier oder dort für Arme spenden und es auch sonst gut mit der Welt meinen.

 

Man geht wegen der Folgen des Klimawandels, für die Rettung von Eisbären oder gegen die Abholzung von Bäumen auf die Straße, jedoch nicht, um sich für geschändete und später ermordete Wegwerfkinder einzusetzen! Nicht für verschleppte Sexsklavinnen aus Moldawien, Rumänien oder Weißrussland. Seit Jahren machen die sexuellen Missbrauchsfälle in den Kirchen Schlagzeilen. Sie betreffen auch die Zeit, von der Sina damals sprach. Letztlich betreffen sie alle Zeiten und alle gesellschaftlichen Schichten. Nur offenbar stärker als je zuvor.

 

Und weiter wird verschwiegen, verharmlost, verdrängt und abgetaucht. Sina hatte schon damals einen treffsicheren Gefahrenriecher, als sie die sexuelle Befreiung, die voll aus dem Ruder lief, kritisch beleuchtete. Auch die Globalisierung und ihre Folgen für den Sextourismus, die damals auch noch niemand kommen sah, hat sie als Gefahrensignal in sich verspürt, ohne den Begriff zu verwenden. Oder hat sie ganz schlicht nur feine Antennen für die niedere Natur des Menschen gehabt?«

 

Benedicta fuhr in der Erzählung fort: … ›Als Insiderin kann ich nur sagen: Meinem Gefühl nach spitzt sich alles immer schneller zu. Das Lumpenpack der Menschenhändler vermehrt sich weltweit wie Flöhe. Es ist eine dreckige Verbrecherclique. Und die Regierungen schauen mal ohnmächtig oder mal gleichgültig zu. Das ist die ganz dunkle Seite unseres Gewerbes.

 

Ich bin Aktivistin gegen diese Sklaven-Mafia und arbeite im Untergrund. Ich erzähle dir vielleicht später einmal, was wir dagegen machen und wer wir sind. Teilweise auch Illegales, aber höchst wirkungsvoll im Einzelfall. Wir werden langsam immer mehr. Wir müssen eine starke Bewegung werden. Doch das dauert. Wir stehen noch am Anfang. Da alles im Geheimen stattfindet, ist es schwierig, Organisationsstrukturen aufzubauen. Die Gründe dafür liegen vor allem in dem tief verwickelten, aber mächtigen Personenkreis. Er reicht bis in die Spitze der Justiz hinein, sitzt im Parlament und überall an den Schalthebeln der Macht. Ein Problem ist auch die Uneinigkeit in unserem Gewerbe selbst. Viele Frauen können nicht klar denken, haben kein politisches Bewusstsein, leiden zu sehr unter existenzieller Not, um sich mit diesen Themen gesellschaftskritisch zu befassen. Sie sind froh, wenn sie die Nacht überstehen, um der nächsten Nacht bang entgegen zu fiebern. …

 

 

Quelle: "Gottes Magd und Teufels Braut" Christa Schyboll

 

Link: https://www.epubli.de/shop/buch/Gottes-Magd-und-Teufels-Braut-Christa-Schyboll-9783754155981/117316

Ein Blick in die Hölle

 

Es gibt sie, die Hölle auf Erden. Vielfältiger als uns lieb sein kann. Gestern erst berieten auch die Katholischen Bischöfe einmal wieder darüber. Zuverlässig uneinig  - und wie tief betroffen, kann niemand ausloten.

Doch nicht nur die kirchlichen Kreise betrifft dieses erbarmungslos brutale Geschehen, sondern alle Teile der Gesellschaft - weltweit.

 

Eine von diesen irdischen Höllen ist der kindliche Missbrauch, der seit Jahren zum juristischen Dauerbrenner wurde… allerdings lebenslang brennend für die Opfer.

Vorab: Ich bin kein Missbrauchsopfer, bevor eine solche Frage verständlicher Weise auftauchen könnte. Aber ich habe für meinen Roman „Gottes Magd und Teufels Braut!“ unter anderem auch interviewt. Insofern spreche ich aus betroffenem Zuhören, das Spuren in mir hinterließ.

 

Missbrauchsopfer haben in der Regel keine Lobby. Und erst recht nicht, wenn sie klein, schwach, krank oder behindert sind… also machtlos auf allen Ebenen. Die Seele verstummt. Vor Angst, vor Scham und dem zweiten erneuten Missbrauch der Gesellschaft, der sie erfahren lässt: Niemand glaubt Dir!  Du bist nur lästig mit Deinem Anliegen! Schleich dich…

 

Diese erneute Traumatisierung wollen und müssen sich viele Opfer aus Selbstschutz ersparen und gehen somit mitsamt ihrem Schmerz nicht einmal in eine Statistik mit ein. Die Dunkelziffern sind hoch, vermutlich grausam hoch.

 

Ich habe eine der Roman-Protagonistinnen, die Undercover gegen dieses unmenschliche Elend aktiv ist, für all diejenigen Opfer mit sprechen lassen, die ihrer Stimme weder Halt, noch Ton, noch Kraft geben können:

 

„… Unser übelster Morast jedoch ist der Boden eines unendlichen Elends. Das ist die Kinder- und Zwangsprostitution. Hunderttausende von Kindern und jungen Frauen sind versklavt. Wie erotisch und schillernd auch so vieles bei uns aussehen mag, es ist Manipulation. Es ist eine Scheinwelt, die unsere Gesellschaft aufgebaut hat. Sie lockt, verführt, spricht raffiniert bestimmte Bezirke im menschlichen Gehirn an. Die Männer irrlichtern trotz des Wissens Nacht für Nacht in solche Scheinwelten schneller Befriedigung. Damit nehmen sie in vielen Fällen gewollt an den unsäglichen Versklavungen teil, von denen sie wissen und die sie dennoch perfekt vor sich selbst verdrängen können, wenn der Trieb die Übermacht über sie bekommt. Sie stützen diese Form des Elends mit Milliarden aus ihrem privaten Budget. All diese Männer halten die Folterkammern der Zwangsprostitution täglich weiter am Laufen. Sprechen wir von der Kinderprostitution oder dem Missbrauch der Kleinsten, dann sprechen wir von nichts weniger als der Hölle! Kein Schattenreich kann satanischer sein als das, was wir Menschen uns in diesem Sektor leisten. Es geht um hilflose Wesen. Manchmal um Babys. Und das Ungeheuerliche daran ist, die Täter sind zumeist sind keine leicht erkennbaren ›Bestien‹, sondern Durchschnittsmenschen, die sich auf der Straße von keinem anderen Durchschnittsmenschen unterscheiden. Nicht wenige von ihnen stehen auch in höheren oder gehobenen Positionen. Das alles macht Angst, weil das Unmenschliche, das geschieht, dabei vollkommen verdrängt wird. Da liegen Kräfte verborgen, deren Entfesselung unsere schlimmsten Fantasien übersteigt.‹….“

 

Quelle: Gottes Magd und Teufels Braut, Christa Schyboll

Link: https://www.epubli.de/shop/buch/Gottes-Magd-und-Teufels-Braut-Christa-Schyboll-9783754155981/117316

Wenn Stärke zu Schwäche wird

 

 

Wir leben nicht nur heute in “fanatischen Zeiten”. Es gab sie schon immer und sie werden uns gewiss noch eine lange Zeit erhalten bleiben, weil der Mensch nunmal ist wie er ist. Veränderungen von Psyche und Geist dauern offensichtlich länger als die Evolution auf der Körperebene, die schon Jahrmillionen zählt.

 

Nietzsche sagte in der “Fröhlichen Wissenschaft”:  “Der Fanatismus ist die einzige "Willensstärke", zu der auch die Schwachen und Unsicheren gebracht werden können.”

 

Dabei besticht er bis heute nicht nur mit seiner Scharfzüngigkeit, sondern auch mit seinem erbarmungslos klaren Blick auf die menschliche Seele. Er entlarvte dabei die Schwächen der Mitmenschen, streute Salz in die Wunden, vielleicht auch ein wenig in der Hoffnung, dass durch seinen Klartext der Mensch an sich selbst erwachen soll - auch wenn der Preis schmerzlich sein kann. Die Hauptsache er sieht nachher klarer als vorher.

 

Aber wo stehen wir denn heute in Sachen “klar sehen”, wo ist denn heute der ungetrübte Blick auf das Wesentliche, das Erforderliche und nicht nur auf das, was wir aus egostischen Wünschen alles so wollen und deshalb für gut erklären?

 

In seinem Zitat über  “Willensstärke” und “Fanatismus”  ist jener erste Begriff in Anführungszeichen gesetzt. Grund ist nach meiner Vermutung die zweifelhafte Qualität, die mit Willensstärke eben auch einhergehen kann. Denn man kann sie ja nicht nur fürs Konstruktive und Gute nutzen lernen, sofern man sie aufbringt, sondern kann sie auch fürs Törichte, Dumme oder Böse missbrauchen. Gerade jene Menschen, die zu den Schwachen und Unsicheren im Leben gehören, sind für Missbrauch deshalb besonders anfällig, weil sie ihn nicht voraussehen, ja oftmals nicht einmal erahnen können, weil ein vorausschauendes kluges Denken nicht zu ihren Talenten gehört. Dafür sind sie oft anfällig für wohlfeile Parolen oder Honig, der dem Volk leicht ums Maul geschmiert werden kann. Populismus könnte man auch dazu sagen.

 

Besonders gefährlich ist diese Eigenschaft jedoch, wenn es sich aber um Fanatismus handelt, der sich anschleicht, den Gedankenkreis der Menschen zu erobern. Unter Fanatismus versteht man im Allgemeinen ein Besessensein von Ideen, Vorstellungen oder Überzeugungen, die von einer Einzelperson mit meist besonders starkem Charisma oder auch von einer Gruppe ausgehen. Seien sie religiös motiviert oder politisch, wirtschaftlich oder sonstwie...  Manchmal bezieht sich der Begriff  auf Objekte, wie zum Beispiel Bücher oder auf die sogenannten angesagten Personen, wie beispielsweise aus dem Showbusiness, Politik, dem Sport oder anderen Bereichen von Kultur oder Gesellschaft.

 

Eines der Haupt-Kennzeichen des Fanatismus ist das unbedingte Fürwahrhalten einer ganz bestimmten Überzeugung, an die man sich fest klammert. Andere Gedanken und Erwägungen werden strikt abgelehnt und nicht einmal auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Fanatiker haben sich in aller Regel früh in ihrem Denksystem festgelegt, was richtig und falsch ist und sind darauf aus, auch andere Mitmenschen von ihrer Meinung zu überzeugen, die für sie selbst die letzte Wahrheit ist.

 

Kennzeichnend dabei ist ein missionarischer Eifer. Hier wird nicht mehr erwogen oder diskutiert, sondern man ist bemüht, das Gedankengebäude jedes Andersdenkenden möglichst schnell und für alle Zeiten einzureißen. Kritik und Selbstkritik kommen in diesem Zustand des Fanatismus nicht vor. Konsequenz daraus ist oft eine problematische zwischenmenschliche Beziehung zu vielen Mitmenschen, die diese Form der fanatischen Rechthaberei nicht ertragen können.

 

Obschon Fanatiker oft zu den eher willensschwachen Menschen gehören, weshalb sie überhaupt erst zu Fanatikern werden konnten, so ist ihnen dennoch oft zugleich auch eine besondere Willens-Kraft zu eigen, die ihre Stärke in jenen Eifer legt, mit dem sie ihr Spiel, das ihnen ernst ist, betreiben.

 

Nach der Psychologie zeigt sich, dass es sich bei diesem Phänomen um bestimmte Konstellationen von Persönlichkeitseigenschaften handelt, die man fürs Begreifen mit im Blick haben sollte. Hierzu gehören beispielsweise die übermäßige Idealisierung und der Hand zu einer starken emotionalen Überbewertung. Eine gesunde Selbstregulation ist unter diesen Voraussetzungen kaum noch möglich. Nicht zu vergessen sind Persönlichkeitseigenschaften, die mit Intoleranz und Humorlosigkeit einhergehen, Selbstironie nicht kennen und auch eine starke Affinität zu autoritären Charakteren zeigen.

 

Ob also Willensstärke zugleich auch eine Willensschwäche sein kann, entscheidet sich unter anderem auch daran, ob sie für Konstruktives eingesetzt wird oder beispielsweise den Fanatismus mit all seinen üblen Folgen.

 

Mein eigenes Fazit daraus: Fanatismus hat also gute Chancen zur Entfaltung vor allem dort, wo schwache Menschen eine starke Willensstärke aufbringen, weil sie die Dinge nicht weiterdenken und die Folgen vorausschauen können.

 

Christa Schyboll

 

Quelle: mein derzeit noch unveröffentlichtes Buch  "Mitten ins Herz der Dinge" ... (erscheint im Laufe des Winters)

 

Zeit - Gedanken über etwas, das wir nicht haben

 

 

Keine Zeit zu haben, ist typisches Kennzeichen unserer Zeit. Damit hat sie uns  beim Kragen. Wir machen uns allzu häufig  freiwillig zu ihrem Sklaven. Dabei geraten wir aus unserer Mitte. Wie abgeschossene Flugzeuge der Erde entgegen trudeln, so trudeln auch wir: Von Termin zu Termin.

 

Und niemals reicht sie aus: Die Zeit! Etwas, das uns krank machen kann, weil wir uns ihm unterwerfen. Zeit ist eine Hilfskonstruktion für menschliches Bewusstsein. In der Raum-Welt bedeutet die Zeit die Dauer, die man für die Bewegung von A nach B braucht. Von der Vergangenheit in die Zukunft. Oder auch umgekehrt, wie es beispielsweise unsere Erinnerungen vermögen. Aber alles geschieht dennoch vom Gegenwartspunkt aus. Jede Betrachtung, jede Bewegung. Nur im Jetzt können wir das Wunder vollbringen, die Zeit außer Kraft zu setzen. Doch dieses Wunder bemerken wir in aller Regel nicht. Obschon wir es immer wieder praktizieren. Stattdessen überlassen wir uns den mächtig spielenden Kräften, die in uns Gedanken und Emotionen bewegen. Die uns Angst machen oder die uns die Liebe erleben lassen. Oder jenen magischen Moment, den wir angesichts einer neuen Erkenntnis erfahren.  Oder den Nichtmoment, den Katapult aus der Zeit heraus, wenn wir einen Schock erleben. Immer dann wird die Zeit für uns gefühlt außer Kraft gesetzt, obschon die Uhren weiter ticken und so tun, als wäre nichts weiter geschehen.  ….

 

Mich fasziniert das Zusammenspiel von Zeit-Raum und menschlichem Bewusstsein. Ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht und sie mal in Lyrik, mal in Aufsätze oder Essays gegossen. Es ist ein wunderbares Spiel, innezuhalten und sich wie außerhalb der Zeit zu fühlen, obschon die Zeiger der Uhr immer weiter laufen.

So kann man Wirklichkeit erweitern, in dem man mit einem Fuß aus dem Automatismus des scheinbar Gegebenen heraustritt und mit dem anderen Fuß gesund geerdet bleibt.

 

Lyrisches zu Zeit, Raum, Wirklichkeit und Traum:

 

Wo ist der Ort

Wo das Wort

Seine Bedeutung verliert

 

Wo ist die Zeit

In der Leid

Sich mit Glück sanft berührt

 

Ist es im Jetzt

Wo gehetzt

Sich der Mensch manchmal fragt

 

Was sein Leben

Ihm bisher gegeben

Und ob ein andres bald naht

 

Ist es im Bald

Wo lang schon verhallt

Die vage Hoffnung her grüßt

 

Oder im Einst

Veränderbar feinst

Die Erinnerung fließt

 

Es ist der Raum

Man nennt ihn Traum

Der neue Welten gebiert

 

Und dabei zart

Lebendig und stark

Endlose Wesen variiert

 

 

Christa Schyboll

 

 

 

In meinem neuen Buch "Zeit - Ein Tropfen im Meer der Ewigkeit" habe ich über 100 Variationen diesem Thema gewidmet

 

 

 

 

Merkwürdige Geschehnisse

 

Immer wieder neu geschieht mir etwas Erstaunliches. Ich schreibe etwas und lerne es erst während des Schreibens selbst kennen. Vermutlich bin ich damit auch gar keine Ausnahme, wobei mir der Überblick fehlt, wie es bei anderen Menschen damit steht.

So sind beispielsweise mehrere Hundert Gedichte und über 2000 Sprüche/Aphorismen/Ministatements auf diese Weise entstanden, ohne dass ich mich dafür hinsetzen und nach-denken musste. Indem ich schrieb, war es da. Ausdenken (im klassischen Sinne einer zeitlichen Abfolge) funktioniert bei mir nicht. Sondern es passiert durchs Geschehenlassen.

 

Es ist immer wieder neu eine Art geistige Geburt, die stattfindet, in dem ich dazu bereit bin, Lust verspüre ohne zu wissen, wohin es mich am Ende führt. Es ist wie ein Gang in den Dschungel ohne Weg, ohne Kompass, aber mit dem Vertrauen auf eine gute Führung - woher sie auch kommen mag. Doch wann genau fand denn diese geistige Schwangerschaft statt? Manchmal vor Jahrzehnten - manchmal vorgestern.

Die Zeit ist ausgehebelt. Was zählt ist ein Gefühl, das von irgendwo hochkommt. Ein ungerufener Impuls, dessen Taktung meine Zustimmung erhält. Es geht ums Zulassen.

 

Vieles erstaunt mich, wenn ich es lese, weil ich seine Genese nicht kenne. Manches erfreut mich, anderes braucht heftig Nacharbeit. Noch anderes aber inspiriert mich zu noch anderen, tieferen Gedanken. Das sind die mentalen Süßigkeiten, die ich liebe. Auch das Kryptische, Geheimnisvolle schmeisst sich hin und wieder gerne an mich heran - und ich lasse es zu. Manchmal braucht es Monate oder Jahre, bis ich die Vielfachbedeutung in ihrer Bandbreite verstanden habe. Dann kommt nochmals neu Freude hoch.

 

Die Welt des Geistes ist ebenfalls noch eine Terra inkognita, wie die der Psyche  - eine ziemlich weiße Landkarte, auch wenn die Hirnströme noch so genau bekannt und vermessen sind, auch wenn die Areale lokalisiert und die Synapsenschaltungen mehr und mehr verstanden werden. Aber dieses kleine Phänomen, von dem ich hier schreibe, passt immer noch nicht in irgendein Erklärungsmodell. Spannend...

 

Geist trifft sich dort
Wo sich Gedanken zu Visionen verdichten
oder
Sich Gedanken in neue Dimensionen lichten


Wo sich Gefühle in Liebe oder Hass verlieren
oder
Sich die Gefühle als Ausdruck von Vielheit zelebrieren


Wo Menschen klagend im Lebensalltag versagen
oder
Menschen immer wieder Ungeheures mutig wagen


Wo Kreaturen gequält in Unfreiheit leben
oder
Sich freudig in ihr So-Sein ergeben

 

Wo Göttersein in Ewigkeit fließt
oder

Ein Gott auf Erden den Duft einer zarten Blume genießt

 

 

Christa Schyboll

 

 

 

 

Ich, die Verliererin

 

Ich bin es ja selbst schuld. Warum tu ich mir das nochmal an? Das letzte Triell.

Bereits unten hatte ich meine Kritik begründet. Aber nein, ich musste es ja wieder einmal probieren. Kurz vor der Halbzeit war Schluss. Nicht mit der Sendung, die lief brav weiter, sondern für mich.

Aus.  Schluss! Lesen gehen. Bringt mehr.

 

Was war passiert? Das übliche: Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung.

Die einzige Veränderung waren die Moderatorinnen - vom Namen her, Und halt der Sender.  Diesmal Sat1. Veränderungen sind aber nicht automatisch Verbesserungen.

Der Stil des Ganzen: auch wie zuvor, erwartungsgemäß. vor allem aber die Fragen, die wir doch nun alle bis zum Erbrechen genau kennen. Und die Antworten sowieso.

Was solllte sich auch daran ändern? Ich weiß nicht, wie oft die Triellanten diese immergleichen Worte, Begriffe, Satzstellungen auf Marktplätzen, in Fernsehstudios, in Interviews wiederholen müssen ... und das noch bis zum Wochenende.

 

Man sollte für ihre Nerven beten!

 

Und dabei wissen wir doch nun dank Dauerhirnwäsche: Jede Partei ist die Beste. Jeder rettet den Planeten. Jeder verspricht Steuerentlastung oder keine Steuererhöhung, jeder ist für Familien, Kinder, Digitalisierung und dafür, dass die Flüchtlinge bitte zuhause bleiben mögen - oder halt vorübergehend ein wenig zu den Nachbarn... Und so weiter... Gut. Ich habs verkürzt, aber es auszuschmücken, was dann aber wohl  wieder niemand liest, macht es nicht besser.

 

Ich bleibe dabei: Ein geradezu unbezahlbarer irrer Job, den zu lieben mir tatsächlich die Fantasie fehlt - von der ich ansonsten überreichlich habe.

 

Ich habe eine Dreiviertelstunde Zeit verloren. Bin also die kleine Verliererin des Ganzen. Das hätte ich nicht nur wissen können, sondern damit war zu rechnen. Warum das Prinzip Hoffnung, dass es vielleicht doch auch einmal anders geht, nochmals griff, ist rational nicht zu erklären. Diese unnütze Dreiviertstunde im Leben: geschenkt!

 

Doch gab es denn wenigstens anderer Gewinner, wenn nicht ich es schon sein durfte?

 

Keine Ahnung...

Nächtliche Grenzgängerin

 

Der Vollmond trieb in dieser Nacht einmal wieder sein unruhiges Spiel mit mir. Er bescherte nächtliche Schlafpausen, die zum Nachdenken geeignet waren. Mir kam der Begriff der Grenze in den Sinn. Ein Begriff, mit dem man - wenn man schon an keiner wohnt - eher seltener zu tun hat. Man hört ihn hier oder dort;  Flüchtlinge, Zoll und co. - aber er bleibt für einen selbst blutleer, bedeutungslos.


Falsch Madame!

Korrigierte ich mich selbst binnen Sekunden.

 

Du lebst ständig an einer Grenze. Nämlich an der Grenze einer Entscheidung, die irgendetwas von dir erfordert. Angst macht oder Mut will. Oder eine, die die Frage aufwirft nach Feigheit oder Rücksicht, Verlust oder Bequemlichkeit. Denn ständig hat man mit irgendwas oder irgendwem einmal  wieder eine Grenze zu ziehen.  Oft unangenehm. Man muss zur eigenen Autorität greifen, die man lieber gar nicht ausleben möchte. Schluss, bis hierhin und nicht weiter! Ansagen machen... und Gegenwehr spüren. Aber diese Gegenwehr hat der andere unter Umständen auch.

Alles irgendwie anstrengend. Grenzgang.

 

Oder eine andere Grenze will endlich erweitert werden. Steht schon länger in Lauerstellung. Will ernst- und wahrgenommen werden.

Komm, streng dich an! Streng dich noch etwas mehr an! Da geht noch was!

 

Oder es muss einmal wieder eine Grenze überwunden werden. Das ist wieder eine Spur stärker, als sie nur zu erweitern, zu dehnen.

Los, hab keine Angst!  Doch, ich habe sie aber! Aus diesen oder jenen Gründen.

Egal, stolpere darüber hinweg! Und wenn du fällst, stehst du halt wieder auf.

Lass dich nicht hängen! Du hast noch ungenutztes Potenzial.

 

Die Grenze ist zumeist doch im Kopf. Vorstellungen, Einengungen.

Nee, im Bauch ist sie auch!  Bei mir jedenfalls.

Setz dich mit Herzkraft über die eigenen Bedenken hinweg!
 

Stiere nicht immer wie das Kaninchen auf die Schlange,

wenn es wieder einmal nicht weiter zu gehen scheint.

Das Kaninchen hat doch bloß eine beschränkte Sehkraft. Ist ohne Fantasie.

 

Spring nach rechts oder links in die Alternative. Es gibt sie fast immer.

Aber der Sprung braucht Beherztheit. 

Auch der Mut will erweitert werden und nicht nur tatenlos in dir herumlungern...

 

Der Unlust zur Unbequemlichkeit, zur Trägheit muss der Platz in deinem Herzen entzogen werden... Und dafür braucht es Grenzen, die zu erweitern sind.

 

So ging es weiter und weiter, lieber Vollmond, du Schlafräuber.

 

Aber die Sache mit den  nächtlichen Grenzüberlegungen hat sich für mich als Grenzgängerin mal wieder einmal gelohnt. Es hat mir klargemacht, wie oft ich an ihr stehe, ohne sie als solche zu benennen. Sie nicht sehe und dennoch fühle. Doch ist die  Angst, die sie mir macht oder den Mut, den sie von mir erbarmungslos einfordert, nicht immer wieder neu meine große Chance, nicht mitten im Leben einzuschlafen? Grenzen dehnen, Grenzen erweitern. Sie überwinden. Darum geht es doch!

 

Mitten im Leben? - Ein Lacher an mich selbst: He, das ist bald vorbei! 

Also drück dich vor nichts...

Bald steht die finale Grenze vor dir.

Wirklich final? Auch das ist noch offen, wenn ich es nur weiterdenke...

 

Es ist gut, Grenzgängerin zu sein. Bequem ist es nicht. Aber gut. Und wichtig für die letzte Grenze, die vielleicht keine ist, falls die Wirklichkeiten wundersam verschwimmen...

 

In dem Fall hätte ich gut zuvor trainiert.


Christa Schyboll


 

Zum Fremdschämen!

 

Obschon ich schon längst gewählt habe, habe ich mir trotzdem die politischen Talks  in ARD und ZDF ein paar Wochen angeschaut. Die Triells, die Klartext-Einzelshows und was es sonst noch so gab.

 

Fazit: Eine unglaublich häufige Wiederholung der immer gleichen Fragen, die aber schon x-mal in anderen Sendungen beantwortet waren. - Ein Programm für Vergessliche?

 

Erstaunlich auch: Immer wieder neu auch das überaus lustvolle Stochern in den kleinen Schwächen der  drei Kandidaten, die bitte, bitte doch als ganz große Schwächen wahrgenommen werden sollten. Ich fand dies deshalb als überaus peinlich, weil all das bei jedem der Kandidaten doch längst ebenfalls xxl-mal durch die Medienmühlen gedreht, besser gequetscht war.

 

Aber nein: Die Attraktivität voyeurhafter Lust, die zumeist (wenn auch nicht immer) aus dem bunten Team der verschiedenen Moderationen kam,  bemühte sich redlich darum, jedes  nur irgendwie erreichbar Schamgefühl, jedes  schon so oft gesprochene Fehlereingeständnis absichtlich neu groß heraus kitzeln. Es war allzu offensichtlich ein Warten darauf, ob und wie betroffen denn jeder Einzelne auf dies oder das reagierte, ob er eine neue Erzählung seiner Entschuldigung auf Lager hat und wie denn dieser Peinlichkeitskitzel in der wiederholten Form beim Zuhörer ankam.  In meinem Fall: Zum Fremdschämen, wenns schon die Moderation nicht draufhat oder sich auch noch journalistisch stolz auf diese Wiederholungen selbst auf die Schulter klopft.

 

Der Reiz war immer wieder neu zu groß, es jetzt doch mal gut sein zu lassen! Klatsch! Dann hatte man sie für ein paar Sekunden am Haken und konnte süffisant lächeln oder noch eine dumme überflüssige Bemerkung hinterherschieben.

 

Nun ja, sie sind Profis – aber eigentlich auch Menschen. Oder?  Gemeint sind beide Gruppen: Die Politiker - wie die Journalisten... nur in diesem Fall jeder anders.

 

Es geht doch nicht darum, harte Fragen zu vermeiden, dafür brennen die Probleme schon viel zu lichterloh. Das braucht keine Schonung in der Sache. Und auch Fehler müssen natürlich benannt werden.

 

Aber wie oft und in welcher Art? Gibt es da keine Peinlichkeitsgrenze fürs Niveau - auch fürs Niveau des Zuschauers?

 

Eines ist mir jedenfalls erneut aufgefallen: Die öffentlich-rechtliche  Moderatorenclique zeichnet sich durch einen außerordentlichen Mangel an Fantasie für spannende Gespräche aus, weil all diese  wiederholten Fragen wie auch die so oft durchgekauten Antworten hinreichend bekannt waren.

 

Es wäre erhellend gewesen, wenn man auch wenigstens einen kleinen Teil dieser  Talks darauf verwendet hätten, sie zu ganz anderen, persönlichen Fragen über "Gott und die Welt" zu befragen, statt sie immer nur die Stereotypen einer verheißungsvollen Zukunft hinunter rasseln zu lassen - und das dann noch in der Zeiteinheit einer lächerlichen Minute  - wohl in der  Hoffnung, dass hier wieder ein kleiner Versprecher, eine kleine BLamage oder sonstwas passieren könnte, das Schlagzeilen bringt. Rauskitzeln was möglich ist. Ich hätte es gut gefunden, wenn die Fragen so spannend gewesen wären, dass auch eine kleine Bedenkzeit gezeigt hätte, dass sie nicht alle ständig aus der Hüfte schießen müssen, sondern auch die Tiefe der Nachdenklichkeit beherrschen. Kluge Antworten hätten es gezeigt.

 

Ich bin enttäuscht von diesen Formaten! Wer sie für spannend hält, hat verdammt wenig Fantasie wie es viel, viel spannender und aussagestärker sein könnte.

 

Gute Nacht, Marie... wenn das unsere Zukunft und der Aufbruch ist.

 

Christa Schyboll

 

 

 

Verlosung für REZENSENTEN  -

WER VON EUCH MACHT MIT?

 

Ich stelle drei neu erschienene Taschenbücher für Buch-Rezensenten zur Verfügung und freue mich über eine aussagestarke Buch-Rezension im Internet. Wer gern kostenlos ein Buch haben möchte, schreibe mich bis zum 30. September bitte kurz unter  acs@christa-schyboll.de an.

 

Melden sich mehr als drei interessierte Leser, die ein etwas zum Roman schreiben werden, verlose ich die drei Bücher. Ihr bekommt Anfang Oktober  auf jeden Fall Bescheid.

 

Ich verspreche Euch einige Verrücktheiten auf 444 Seiten. Der absichtlich etwas außer der Norm geschriebene Krimi mit zwei sympathischen Sinnsuchern vereint Lachen und Tiefe, Absurdität und Anspruch... mit einem herzhaften Schuss Mystik und satter krimineller Energie.

 

 

Denver, Moskau, Oslo, Stockholm,  Rio, Palermo

Berlin, Lissabon, Bogota, Nairobi, Tokio …

 

und über allem: Der Professor. Jeder, der die Kultserie „Haus des Geldes“ gesehen hat (oder noch sieht), weiß natürlich von was und wem ich hier spreche… von jenem Schauspieler-Ensemble, dass weltweit Begeisterung hervorruft.

 

Ich bin kein Serien-Junkie. Ich habe dafür gar keine Zeit. Doch hin und wieder mache ich Ausnahmen. Ich fühle mich so stark bereichert, dass es mich zum Schreiben drängt. Es geht um ein Thema, dass mich als solches Null interessiert: Überfall auf die  spanische Nationalbank samt Geiselnahme.  Mein Gott!  Das las sich wie einer der zahllosen Krimis von der Stange und ich tat mich schwer,  für diesen Versuch meine wertvolle Zeit zu opfern. Aufgrund des weltweiten Erfolges wollte ich wenigstens einer Folge eine Chance geben.

 

Und schon war ich im Sack.

Nach der 3. Folge war ich der Sache endgültig verfallen.

 

Ich erspare mir an dieser Stelle die Einzelheiten der Netflix-Serie, die man überall nachlesen kann. Besser aber, man schaut sie sich tatsächlich an … und lässt sich berauschen.

 

 

Doch woher kam meine große Begeisterung? Üblich ist eher mein Meckern an vielen Drehbüchern, die mich dann wieder schnell zu guten Büchern statt Filmen führt.  Das konnten doch nicht nur allein die überaus überzeugenden Schauspieler sein, die charakterlich so fantastisch diffizil angelegt waren, dass selbst der letzte Fiesling einem immer noch das Herz öffnete. Oder waren es am Ende die unglaublich raffinierten Wendungen in der beständigen Dramatik, die Alex Pina als Drehbuchautor und Produzent hervorragend umsetzte und in einzigartiger Weise spannend am Leben hielt ? … Ja, nein… es war noch viel mehr.

 

Es war vor allem die über die ganze Serie erfolgreich inszenierte dauerhafte Ambivalenz des menschlichen Seins.

 

Das wurde dermaßen gekonnt umgesetzt, mit allen Höhen und Tiefen, mit allem Glück und auch Schmerz, dass diese laute, krachende Bumm-Bumm-Serie, die keinen technischen Aufwand bis ins Militärische scheute, letztlich ein wunderbares sensibles Stück über die unergründlichen Tiefe der menschlichen Psyche wurde. Das war es, was mich in den Bann zog und mich diese Serie auch nochmals wiederholt anschauen lässt.

 

Gutes und Böses, Richtiges und Falsches , Irrsinniges und Geniales spielen ein immer wieder neu überraschendes Wechselspiel, das die eigene Seele herausfordert. Relativ schnell ist klar, dass die Bösen die Guten sind und umgekehrt. Dennoch ist die Sache nicht so einfach, wie es ausschaut, wenn man selbst auch in differenzierten Zusammenhängen denkt und allen Unterscheidungen und Blickwinkeln selbst auch gerecht werden will.  Moral kontra Recht, Brutalität und zugleich soviel Mitmenschlichkeit  und Nähe, sowie viele andere Gegensatzpaare, die unsere menschliche Psyche kennt, führen einen  gemeinsam einen irrwitzigen Tanz auf. DIe Klaviatur aller Gefühle bedient die feinsten Töne. Vermutlich ist es das, was die Massen so in den Bann schlägt - auch wenn es vielleicht nicht jeder so benennen würde oder könnte. Man erlebt doch,  dass wir alle diese Extreme in irgendeiner Faser in uns tragen – auch wenn wir sie nicht ausleben.

 

Sich mit diesen teils bitterbösen, teils herzerweichenden Charakteren für Stunden cineastischen Vergnügens zu verbinden, hat etwas von einem kleinen Rausch, der keine äußeren Drogen braucht, sondern die körpereigenen natürlichen „Drogen“ auf Hochspannung bringen lässt. Wann hat man das schon mal!

 

Lernt man etwas aus der Serie? Vermutlich nur dann, wenn man sich gleichzeitig oder anschließend auch dazu tiefergehende Gedanken über die psychologischen Raffinessen  macht, von der diese Spannung lebt. Aber das hängt, wie alles, natürlich vom individuellen Bewusstsein des Zuschauers ab, der die Antennen in diese Feinheiten auszufahren weiß.  Aber man muss ja auch nicht immer etwas aus jedem Vergnügen lernen. Oftmals ist der Genuss auch jenseits von Worten angesiedelt und prägt sich dennoch tief auf eine Weise in die eigene Seele ein... und entfaltet eine geheimnisvolle Wirkung.

 

Ich hoffe, Alex Pina wird des Schaffens nicht müde  - und auch wünsche ich mir, noch mehr von den Schauspielern dieser tollen Crew zu sehen.

 

Eines habe ich schon gefunden: The Pier… aber dazu später etwas mehr, weil ebenfalls ein Hammer…

Christa Schyboll

 

 

Die  Gabe  der   Fantasie

 

 

Uns wurde die Gabe der Fantasie geschenkt,

weil nichts zuverlässig ist

 

 

Allein das Unbeständige ist das,

worauf wir uns fest verlassen können

 

 

Es zu meistern ist uns als Aufgabe gestellt

Parameter ist die Regellosigkeit

 

 

Voraussetzungslos hat unser Tun zu sein

Bedingungslos unser Plan

 

 

Nur wenn wir die Regeln missachten,

durchbrechen wir die Norm,

  die uns abhält von Risiken und Gefahr

 

 

Nur wenn wir das Risiko nicht scheuen 

  Haben wir endlich unseren Tod verdient:

 

 

Hinter dem uns das größere Leben

als kleine Helden feiert.

 

 

Christa Schyboll

 

 

 

 

Zwischen Feindschaft und Liebe

 

Geheimnisvolle Beziehungen im eigenen Leben

 

So könnte der Titel meines nächsten Sachbuches lauten.

Ob es bei diesem Titel bleibt, überlege ich noch.

Es wird vor allem ein Arbeitsbuch für jene Menschen,

die sich ernsthaft auf eine spannende Spurensuche im eigenen Leben machen

und nachforschen, wie es um all die eigenen wichtigen

zwischenmenschlichen Beziehungen steht.

 

Es ist kompliziert. Es ist toxisch. Es ist unmöglich...

 

Dieses Fazit betrifft nicht nur Partnerschaften,

sondern oft auch Freundschaften, Familienmitglieder, Kollegen, Nachbarn oder sonstige enge Beziehungen. Dabei hätten wir es doch gern harmonisch.

Warum ist das nur so schwer?

 

Für manch einen mag es da gar keine Frage geben, die der Klärung bedarf.

Andere wiederum haben einen ganzen Sack voller Fragen,

die jene Geheimnisse berühren, die teils unergründlich erscheinen.

 

Warum beispielsweise kann man manchen Menschen gut,

während man von anderen abgelehnt wird?

Warum stoßen uns gewisse Menschen ab,

die es doch nur gut mit uns meinen?

Warum fühlt man eine enge Verbindung zu manch einem Fremden,

die zugleich die nahen Menschen nicht zu erzeugen vermögen?

Oder warum nimmt man Denk- oder Handlungsimpulse

von bestimmten Menschen begeistert an,

während man bei anderen die Ohren mit Wachs verschließt,

obschon sie das gleiche sagen?

 

Die Fragenliste ist noch sehr lang...

 

Auf all das gäbe es in den meisten Fällen durchaus erste Antworten,

die wir der normalen Alltagspsychologie zuordnen könnten.

Wie zum Beispiel: Da ist eben viel persönliche Anziehung im Spiel -

oder eine gewisse Unsympathie verhindert Nähe.

 

Soweit, so richtig - aber genau da ist eben nicht stehenzubleiben,

sondern erst zu beginnen.

 

Denn warum dieser oder jener Mensch unsympathisch,

feindlich gesinnt, hinterlistig, neidisch, gemein oder auch liebevoll, fördernd, hilfsbereit und zugewandt sein kann,

hat in der Regel noch viel tiefere Gründe,

denen im Arbeitsbuch nachgegangen wird.

 

Vor allem aber geht es darum, herauszufinden, mit welchem Menschen,

der einem persönlich im Guten oder im Problematischen wichtig ist,

man schon eine "erlöste" oder noch eine "unerlöste" Beziehung unterhält.

Auch wird erläutert, was es mit diesen beiden Begriffen

inhaltlich auf sich hat und warum sie

 für unsere eigene Lebensqualität ganz entscheidend

wichtig sein können.

 

 

 

Zu späterer Gelegeheit werde ich hierüber

noch ein wenig mehr vorab berichten.

Doch erstmal geht die Arbeit am Buch weiter.

 

Christa Schyboll

 

 

Ich bin … ein rotes Tuch!

 

Als angeblich völlig unberechenbare und zugleich zuverlässige Wechselwählerin bin ich ein rotes Tuch für jedes Umfrageinstitut.

 

Hätten sie es ständig mit Wähler:innen wie mir zu tun, sie könnten einpacken oder auch gleich die Glaskugel befragen.

 

Dabei ist die Sache eigentlich ganz anders. Denn ich bin meinen Werten treu, habe meine Auffassungen gar nicht besonders stark verändern müssen, weil sie stabil und schon lange, wohl überlegt und kritisch bedacht in mir verankert sind – trotz Offenheit in alle Richtungen.

 

Aber genau das ist es, was Umfrageinstitute hassen. Offenheit, aber stabile Werte und dazu noch Wechselwähler:in. Warum wohl? Warum denn keine Konstanz, in welche Richtung auch immer, wenn die Werte im Wesentlichen doch bleiben?

 

Weil die Parteien selbst es sind, die ihre Politik über Jahre und Jahrzehnte mit überaus wechselhaftem Spitzenpersonal eben so verschiedenartig vertreten, behaupten und am Ende ja nicht mal im Ansatz durchsetzen, dass man Wahlbehauptungen und –versprechen alleine kaum glauben kann.

Das jedenfalls lehrte mich die Vergangenheit zur Genüge.

 

Denn mich interessiert Politik nicht vor der Wahl, sondern durchgängig und überhaupt, weil sie durch ihre Regeln und Gesetze ja einen Teil meiner Lebensqualität bestimmt – mehr- oder minder-wertig. Je nachdem.

 

Demokratien und Parteien, Versprechungen und Zukunftsprobleme, Aussitzerei von wirklichen Problemen, Hochpuschen von Scheinproblemen, Verdrängungen, falsche oder richtige Prioritäten für wen oder was, für wie lange und wie nachhaltig ... das sind alles Fragen, die letztlich ja niemals der Wähler entscheidet (wie man uns glauben machen will), sondern in sehr hohem Maße jene Lobbyisten in und hinter allen Parteien, die nicht nur die Fäden ziehen, sondern auch das nötige Kleingeld dafür haben.

 

Ist Politik käuflich, erpressbar, beeinflussbar? Selbstverständlich. Sind Politiker käuflich? In Einzelfällen gewiss – aber da gibt es auch sehr subtile Methoden, die verführerisch mit Jobs in überschaubarer Zeit winken, wenn man nur gefällig ist. Vorstandsposten, Beraterverträge und co. nach einem gewissen Wohlverhalten machen es höchst attraktiv, den Vorschlägen der Lobbyisten zu folgen, die ihre eigenen Ziele haben.

 

Also sind die Lobbyisten das Übel, wenn es darum geht, vernünftige Politik zu machen? Jein. Teils ja und überall dort, wo massiv Macht und Geld im Verteilungsköfferchen winken, teils werden sie auch gebraucht, weil Parlamentarier nicht kraft Amt auch schon Kompetenz in schwierigen Fragen erwirken.

Aber, so frage ich mich immer wieder: Wie einseitig läuft Lobbypolitik eigentlich ab? Wie sehr lässt man sich von diesen und jenen einlullen oder zu Maßnahmen verführen, ohne diese Vorschläge auch gründlich – was nicht bürokratisch meint! – so prüft, dass man eine Sicherheit darin hat, die Beste aller Entscheidungen zu fällen?

 

Ich würde mir am liebsten eine eigene Partei aus bestimmten Personen zusammenstellen. Die kämen dann sogar aus einer ganzen Reihe von verschiedenen Parteien, weil überall auch gute Köpfe sind wie auch leider viele Vertreter, die mich davon abhalten, dieser oder jener Partei ein Kreuzchen zu geben.

 

Diesmal ist es ein Außenseiter, der meine Stimme per Briefwahl bekam. Eine Gruppe, die ich für integer halte und es wichtig finde, dass sie im Deutschen Bundestag unbedingt mit vertreten sein sollte. Sie wird kein Zünglein an der Waage sein können, aber ich habe trotzdem ein gutes Gefühl mit meiner Stimmabgabe.

 

Überhaupt noch ein gutes Gefühl für irgendwas zu haben, ist ja schon ein Kunststück an sich.

 

So, liebe Umfrageinstitute, ihr dürft mal raten. Wen habe ich gewählt? Und warum? Und gibt es nun eine mögliche Kategorie, in die ich das nächste mal passe und berechenbarer werde?

 

Ich fürchte: nein!

 

Christa Schyboll, alias das rote Tuch

 

Biographische Herausforderungen

 

Jeder Mensch lebt als Individuum ein einzigartiges Leben.

Insofern ist jedes Leben, selbst dann, wenn man Verfechter der Wiedergeburt ist, einmalig, nicht wiederholbar, unwiederbringlich.

Doch was macht man mit uns aus dieser einmaligen Chance?

 

Viele lassen es ablaufen, wie es kommt.

Lieben ihre Gewohnheiten, sind eingebunden in die Alltäglichkeiten,

Rhythmen, feste oder lockere Abläufe und sind damit mehr oder weniger  

zufrieden oder auch nicht.  

 

Gestaltungswille und Gestaltungsfreiheit sind zwar möglich,

werden aber eher weniger genutzt –

aus welchen Gründen oder aus welchem Mangel auch immer.

 

Andere sind da forscher zugange.

Den einen packt der Ehrgeiz, den anderen das Abenteuer,

den nächsten die Kreativität oder der Reiz einer Gefahr.

Der eine tummelt sich lieber in Gelddingen, während es

einem anderen nicht künstlerisch oder wissenschaftlich

genug sein kann. Politik oder Sport, Religion oder Natur…

die Tummelplätze für menschliche Talente sind enorm breit gefächert.

 

Da, wo sich das Besondere im Individuellen ereignet,

entstehen oft jene berühmten Biografien,

die Zeugnis davon ableben, wie es sich lebt,

wenn man nicht in Automatismen der Gewohnheit gefangen bleibt.

 

Plötzlich tun sich enorme Klüfte auf, die oftmals auch von Schmerz

durchzogen sind, bevor sich ein Erfolg einstellt.

Dabei geht es auch bei den Ehrgeizigen unter ihnen keinesfalls

immer nur um einen äußeren Erfolg, wie oft unterstellt wird.

Der ist je nach Lage oft auch nur unvermeidlich; quasi eine Art

"Abfallprodukt" - wenngleich ein meist Schönes.

 

Es geht im Wesentlichen um die Erfahrung als solche.

Um die Auslotung der eigenen Grenzen.

Um die Bereicherung durch eine ungeheure Vielfalt,

wenn man sich aus dem bequemen Sessel des Alltäglichen

heraushebt und selbst in die Gänge kommt.

 

Doch wozu eigentlich?

Jeder mag eine andere Triebfeder in sich haben,

warum er Dinge tut, die er nicht zu müsste.

Warum er sich hier oder dort anstrengt,

weit aus dem Fenster legt, sich in Gefahr  bringt

oder zum Workaholic wird

wozu ihn niemand drängt.

 

Eine mächtige Triebfeder für alle die,

die freiwillig wesentlich mehr tun, als das Leben

für eine existenzielle Sicherung verlangt,

ist der Wunsch nach Sinnhaftigkeit und nach Werterfüllung.

 

In welchen Bereichen man sie findet,

ist nicht so wichtig wie die Tatsache,

dass man überhaupt nach diesen Werten in sich sucht

und sie der Welt gegebenenfalls auch im Außen schenkt

und damit das Ganze bereichert.

 

Alle Forschungen, Leistungen, Eroberungen,

Können, Vermögen, Talente entwickeln sich aus jenen

(meist) freiwilligen Tätigkeiten, die über das Maß des Notwendigen herausgehen.

 

Ich lese für mein Leben gern Biographien,

denke gerade dabei an Stefan Zweig oder Irving Stone als literarische Vertreter.

 

Ich lese sie so gern, weil sie Achtung in mir erzeugen,

Staunen und Begeisterung über manchmal schier unglaubliches Vermögen,

was der menschliche Geist, mitsamt einer starken Psyche

immer wieder neu zustande bringt.

 

Ich bin voller Hochachtung, wie viel Schmerzen, Ängste,

Leiden und Gefahren überwinden wurden und werden,

wenn es darum geht, einen Traum zu leben … und nicht bloß zu träumen.

Ihn mit jenen Kräften zu befeuern,

die alle in uns schlummern und nur geweckt werden wollen.

 

Jeder hat eine ganze Menge persönlcher biografischer Herausforderungen,

die er annehmen kann oder es auch sein lassen kann.

Sie müssen auch keineswegs immer spektakulär

in der Außenwelt offensichtlich sein, gar erfolgreich werden,

sondern wachsen oft in der Dunkelheit einer Zone,

die niemand anderem zugänglich ist, von der kein anderer Mensch je erfährt.

 

Von diesen Biografien liest man in der Regel nichts,

weil niemand sie aufzeichnet.

Sie sind oftmals nicht weniger hart, krass, gefahrvoll

oder anstrengend als  die jener Lichtgestalten, die der Welt bekanntwerden.

 

Doch unabhängig in welchem Licht oder welcher Düsternis

jenes zentrale individuelle und einzigartige Sein stattfindet:

Entscheidend ist es, seine Grenzen zu erweitern.

Nicht stehenzubleiben bei dem, was gerade so bequem ist,

sondern die Liebe zu den eigenen oft noch schlummernden Talenten zu leben.

 

Christa Schyboll

 

 

Ich hatte unten ein aktuelles Foto versprochen - war aber durch die Technik blockiert.

 

Hier nun. 14 Jahre später das neue Foto.

Vorher-nachher und so.

Älterwerden? -  macht nix  :-)

Auch alles so eine Ansichts-Sache. Auch Einsichts-Sache.

Es betrifft uns alle gleichermaßen. Das ist gut.

 

Passend dazu  noch drei kleine Ich-Miniaturen aus  "Luftwanderers Halt":

 

 

 

Erst träumte ich mich in die Zeit
Dann atmete ich mich in das Leben
Dann formte ich mich in den Körper
Dann zeitigte mich ein erstes Ich
Zeitlos für immer
Immer anders

 

Ich bin im freien Fall
Nicht himmelan, wie sonst
Der Gravitas zum Trotz nun quer
Mitten hinein in das Wesen der Dinge
Punktgenau in die Geburt der Idee
Die mich schuf, obschon ich jetzt
Aus Fleisch, mit Blut
Und doch Idee
Und Werden, ewig Werden

 

 

Ich spiele mich durchs Sein
Und übe in der Nacht
Das körperlose Fliegen
Derweil mein Geist
Erkenntnismuster
Voller Schönheit webt
Und mich trotz Gefahren
Unversehrt die Wege
Der Erfahrung gehen lässt

 

 

 

 

 

 

Die vielen Persönlichkeiten in mir ... und in Dir!

 

Vor einigen Jahren schrieb ich einen Roman über eine multiple Persönlichkeit.

Dabei ging es um eine posttraumatische Belastungsstörung

nach einem brutalen Verbrechen der Mafia, in deren Verlauf

sich eine Person in viele Anteile aufspaltete.

Es kam zu einer dissoziativen Identitätsstörung.

Ein Psycho-Thriller.

 

Um diesen Roman schreiben zu können, war es notwendig,

 sachlich und faktisch Notwendiges zu diesem Thema

zu recherchieren, mit Betroffenen Kontakt

aufzunehmen und mit Fachärzten darüber zu sprechen,

um jene Sorgfalt einzubringen, die eine solche ernste

und schwierige Thematik beansprucht.

Solch eine intensive Buch-Arbeit schreit geradezu auch nach

Selbstbeobachtung, wenn man einmal für all diese Möglichkeiten

und Spielarten von Seele und Geist umfassend sensibilisiert ist.

 

Ich merkte, dass wir alle  – wenngleich zum Glück nicht

in pathologischer Form – eigentlich „viele“ sind…

also viele verschiedene Persönlichkeitsanteile in uns tragen,

auch wenn sie sich vom Krankheitsbild  der DIS 

ganz erheblich unterscheiden.

Doch auch dieses natürliche Rollenspiel, jenseits eines

psychiatrischen Befundes, ist es für Gesunde wert,

hin und wieder angeschaut und wahrgenommen zu werden.

 

Dort, wo wir unsere Rollen  bewusst spielen,

sei es aus Kalkül oder Ehrgeiz, Eitelkeit oder Raffinesse,

Spaß oder Spiel, dort hat man das Heft des Handelns zumeist

noch klar in der Hand und kann auch schnell aus der Rolle

wieder hinaus hüpfen, falls sie überflüssig, gar gefährlich wird.

 

Doch was ist mit all jenen Rollen, die wir alle unbewusst

spielen und einnehmen? Oder ist es umgekehrt?

Nehmen diese inneren Anteile  „uns“ ein?

Dominieren sie uns auch gegen unseren Willen?

Was ist das in uns, das dann plötzlich die Oberhand bekommt?

Führt manchmal die Angst die Regie?

Oder ein mächtiger Prägestempel aus Religion oder Erziehung?

Da können sich Verhaltensmuster auftun, die zwar  zum

Bereich der Normalität zählen, aber eigentlich

alles andere als „gesund“ zu bezeichnen sind.

Und zwar immer dann, wenn wir in ungewollte,

oft sogar unbemerkte Automatismen verfallen,

die eigentlich nicht zu unserem Wesen passen.

 

Manch einer mag nun sagen: „Nö, hab ich nicht,

kenne ich nicht, passiert mir nicht!“

Vielleicht ist es so. Doch würde ich dann zurückfragen,

wie genau und detailliert denn schon die Erkenntnisse über sich selbst sind?

Wie fein sind die Antennen Selbstbeobachtung ausgerichtet?

Merkt man es denn schon immer sogleich, wenn man sich

in einer Gruppe „irgendwie“ anders verhält als sonst?

Lauter, leiser, ungehemmter, polternder, zurückgezogener, nüchterner?

 

 

Man mag gern einwenden: Ja, aber das ist doch alles normal!

Klar, das ist es auch; doch es zeigt uns etwas Entscheidendes

von den unglaublichen Spielarten unseres Geistes und unserer Psyche, deren Beherrscher:in wir sein sollten oder wollen.

Es weist und auf jene flankierende,

wankelmütige, zwiespältige Stufen hin, die zu unserem

sprunghaften menschliche Wesen dazugehören,

welche uns aber nicht im Zustand 

unbewusster Automatismen uns dominieren dürfen. 

 

Man muss sich im Allgemeinen über diesen ständigen Rollenwechsel

auch nicht sorgen, weil fast alle Menschen damit täglich

einen recht lebendigen Umgang pflegen.

Der Wechsel kann binnen Sekunden stattfinden,

wenn nur eine gewisse Person plötzlich das eigene Umfeld betrifft.

Wie bewusst allerdings diese Vorgänge sind,

wie sehr sie schon gesteuert werden können, steht auf einem anderen Blatt.

Und das wiederum könnte für jeden dann doch wichtig sein.

 

Beobachten Sie, wenn Sie die Lust dazu verspüren, 

sich einmal selbst in den verschiedensten Momenten

im Zusammenhang mit ihren Mitmenschen?

Wann sind Sie ruhig, gar souverän,

wann werden sie innerlich und/oder äußerlich erregt und warum?

Was veranlasst sie, sich hier und da doch hervorzutun

oder sich lieber zu verstecken?

Immer sind es die eigenen vielfältigen Persönlichkeitsanteile,

die Rollen übernehmen. Aber warum nur?

Wann sind Sie eigentlich ganz sie selbst? Und wie sind sie dann?

Wann nehmen Sie die Rolle des Unterlegenen, des Überlegenen

oder die einer echten Souveränität ein,

die klar und bewusst die Fäden des Geschehens mit in ruhigen Händen hält.

 

Mein Roman „Besessen – Die anderen Bewohner“

gehört zu den Büchern, die derzeit nicht mehr im Handel

erhältlich sind (es sei denn über Privatverkäufe).

Einige wenige Exemplare habe ich noch zuhause.

Bei Bedarf oder Interesse gern anfragen.

 

Übrigens spielt Musik  in meinem Psycho-Thriller

einen entscheidenden Schlüssel zur Heilung.

Diese Heilung über Klang und Ton, die bis in die Zellmembran vordringt

und dort eine neue Harmonie aufbaut, ist noch Zukunfts-Medizin.

Allerdings eine, an die ich tatsächlich glaube

und wovon ich fest überzeugt bin, dass sie erfolgreich kommen wird.

Es meint noch tiefere Ansätze, als sie schon die heutigen Musiktherapien

bieten, die auf einem sehr guten Weg sind.

Doch dazu braucht man noch viel mehr an Wissen

über die Interaktionen von Seele, Körper, Geist, Klang,

Ton, Zell- und Harmonielehre.

 

Ich hoffe, dass solcherart neue Therapien eines fernen Tages

jene Medikamente mit den vielen Nebenwirkungen

überflüssig machen, wenn wir erst einmal verstanden haben,

was genau  die Zellen unseres Körpers brauchen,

um in jene Harmonie zurückzufinden,

die den Zustand einer Heilung aus der Disharmonie heraus bewirken.

 

Es ist bedauerlich, dass ich nicht mehr alt genug werde,

diese neue sanfte Medizin in der von mir selbst

visionär geschilderten Form auch noch zu erleben.

 Doch Visionäres aus Büchern und Filmen ist schon häufig später

selbstverständliche, segensreiche Wirklichkeit geworden.

 

Christa Schyboll

 

 

Die Aborigine in mir

 

In ein paar Tagen werde ich 69 Jahre alt. Das ist bekanntlich der 70. Geburtstag. Ich habe kein wirkliches Gefühl zu diesem Tag. Weder positiv noch negativ. Es ist ein Tag wie alle andere. Weil: Da lebt eine Aborigine in mir, mit der ich die archaische Sichtweise teile, dass Automatismen niemals etwas sind, worauf man stolz sein sollte oder etwas zum Feiern sind.

(Aktuelles Foto kommt, sobald ich das technische Desaster gelöst habe!)

 

Dass ich damit gegen eine übliche Konvention verstoße, dass Geburtstage, rund oder unrund, grundsätzlich zu feiern sind, macht nichts. Aber gibt es denn nichts zu feiern? Oh doch, aber anderes. Eigentlich sogar eine ganze Menge. Und die kann man auch an eben einem solchen Tag feiern oder auch an jedem x-beliebigen anderen Tag. Nicht das Datum ist entscheidend, sondern allein der Anlass.

 

Anlässe, so meine ich, sollten grundsätzlich sinnerfüllt sein, wenn sie auch tatsächlich Sinn machen sollen. Biologisch alt und älter zu werden ist meines Erachtens keine Leistung an sich, da es sich automatisch vollzieht. Alle sieben Jahre bin ich, auch Sie, liebe Leser, alle eh rundumerneuert. Dann ist auch die letzte Zelle futschikato und durch eine neue, frische ersetzt. Trotzdem nagt der Zahn der Zeit an allem und jeden… trotz Zellerneuerung.

 

Aber was gibt es denn zu feiern? Was ist so besonders, dass man ein Fest dafür veranstalten könnte, so man denn selbst feierfreudig gestimmt ist? Träume beispielsweise. Albträume kann (fast) jeder, dem nur genug Sorgen auf den Schultern lasten.  Visionäre Träume sind schon seltener.

 

Ich beispielsweise kann Ideen träumen. Dabei sind die Traumerinnerungen selbst oft gar nicht  immer da oder unkonkret, fetzenhaft, aber das Ergebnis stellt sich erstaunlicher Weise mit gleich einer Flut von Alternativen ein.

 

Ideen, die am Morgen hellwach an die Tür meines Tagesbewusstseins klopfen und verwirklicht werden wollen. Mittlerweile sind es meist Texte, die angerauscht kommen und mich in der Nacht besuchen… Früher waren es auch häufig konkrete Aktivitäten oder Aktionen, die ich auch reichhaltig umsetzte.

 

Die australischen Völker und Ureinwohner, die Aboriges, feierten zum Beispiel Mut. Mut bei der Jagd oder bei anderen Gelegenheiten, die ihr Leben in Gefahr brachten. Die ganze Sippe freute sich mit, wenn jemand seine Angst erfolgreich bezwungen hatte. Unsere Zeiten sind in anderer Weise oft gefährlich oder belastend; auch da ist oft Mut gefordert, wenngleich ein subtilerer Mut, der oft die Grenze einer psychischen Belastbarkeit überschreitet. Mut zu manch einem Widerstand oder den Mut zur Wahrheit oder Klarsicht, ohne auf die Hilfsmechanismen der Verdrängung zurückzugreifen, die doch so schnell bei der Hand sind.

 

Man könnte z.B. auch die Erfolge schwieriger Gespräche feiern, die ebenfalls eine Kunst sind, wenn es darum geht, in prekären Angelegenheiten zu Einigungen zu kommen. Mir fallen noch viele Beispiele ein – aber man kann es auch zusammenfassen mit dem Satz:

 

Feiern wir doch uns selbst mit unseren kleinen und großen Talenten,

mit unseren Mutkräften, Überwindungen, unseren Bemühungen ums Bessere,

feiern wir doch unsere Fähigkeit zum tätigen Mitgefühl

oder unsere tiefe Dankbarkeit, ein einzigartiges Leben zu leben

und innerhalb dessen die Zeit individuell so optimal zu nutzen,

wie es uns möglich ist.

 

Das kann man an jedem Geburtstag feiern – aber auch frei von jedem Datum. Der Faktor Zeit ist für uns begrenzt Lebende dabei ein spannendes Faustpfand. Für mich selbst so faszinierend, dass ich ihm gleich über hundert verschiedene Texte widmete. In Form von Lyrik, Gedanken, Aufsätzen und Essays. Auch das wäre zu feiern, weil mir diese Multidimensionalität bis ins Blut geschrieben wurde. Ich habe es in einem Buch zusammengefasst: „Zeit – Ein Tropfen im Meer der Ewigkeit“…

Und was mache ich dann nächste Woche zum Geburtstag?  Vermutlich viel Natur erleben  und viel innere Dankbarkeit spüren

 

Christa Schyboll

Rosarot

 

Es ist so unglaublich leicht,

über das Katastrophale und Negative zu schreiben.

Jeden Tag, den uns die Schöpfung schenkt, gibt sie uns tausende

handfeste Gründe, die Welt in genau jener Farben zu malen,

die eigentlich keine richtige ist: schwarz.

 

Zum Trotz dieser Text in rosarot.

 

Dass ich die Welt jedoch nicht in rosaroter Naivität betrachte,

obschon ich oft von der Zuversicht spreche,

bleibt selbstverständlich.

 

Mehr ist es mein Bemühen heute,

einmal nicht von konkreten Katastrophen zu sprechen,

sondern vom Schönen, das von uns immer wieder neu entdeckt werden will.

 

Herbstliche Wärme soll es heute und die nächsten Tage geben.

Die Sonne soll bald scheinen.

Grund genug, die Futterstellen meiner Bienen und Insekten

im Garten im Bild festzuhalten.

Sie schwirren reichlich mitsamt einer Reihe von Kohlweisslingen,

die vor allem wild sind auf die Blüten des Majoran oder Oregano,

wie ihn andere nennen.

Eine kleine, noch heile, Welt.

Ich hoffe, heute Nachmittag ein paar Bilder einstellen zu können.

 

Zwei kleine Gedichte aus meinem Buch "Luftwanderers Halt"

die zur Stimmung passen und sich an jenem erfreuen,

das nicht käuflich ist. Zugleich aber vergänglich, flüchtig und

wiederkehrend:

 

 

 

Schau, wie die Blumen
Sprießen, blühen und verwelken
Im Jahreslauf nur eines Sommers
Und schau
Wie selbst du gleiche Wege gehst
Die dir ereignisreich
Das gleiche Weggeheimnis
In Erdenraum und Erdenzeit
Dir deuten wollen  

 

Rotkehlchens Gesang

In unserer Weide

Eingebettet zwischen

Herbstlaub und Sonnenseide

Klingt zauberhaft bis tief

In die Dämmerung hinein

Mister Fliegenschnäpper will Bandleader

 In unserem Garten sein

 

Er sucht unsere Nähe

 Bei jedem Gang

Schleicht sich an, schaut keck hoch

Und – ja, wundersam –

Fliegt nicht weg, trippelt näher

 Plustert sich auf

Überlässt sich dem Urvertrauen

In seinem natürlichen Lauf

 

Beobachtet uns, zwitschert hüpfend

Zwischen Steinen und Sträuchern

Weiß ganz genau: Niemand wird ihn

Hier je verscheuchen

 

Wir schauen ihn an

Sein Kopf ist nun zur Seite geneigt

Doch damit haben wir‘s dann

Auch schon vergeigt.

 

Zu intensiv!  Jetzt fliegt er

Wieder zum Baum

Er ist ein kleiner

Flüchtiger Feder-Traum

Doch wir ahnen:

Gleich kommt er wieder

Und plustert sich auf,

Zeigt sich in samtweichem Flaumgefieder

 

Zwitschert erneut,

Weil er es einfach nicht lassen kann

Hüpft fröhlich umher…

Ach dieser kleine flauschige Hampelmann

 

Christa Schyboll

 

 

Kleine Bienen- und Insektenfutter-Auswahl,

die mich viel in und mit der Erde arbeiten lässt

- in den nächsten Tagen folgt noch ein kleiner aktueller Nachtrag,

da gerade technische Probleme zu lösen sind -   (2 Tierbilder Pixabay - alle anderen von mir)

Nachtrag von heute, dem 1.9.2021

 

Habe heute nachmittag in You tube die Rede von Hans Gies vor dem Landtag gehört.

Bemerkenswert, weil emotionale Reden in diesem Hause eher seltener vorkommen.

Es war warmherzig, authentisch und erschütternd zugleich.

 

Da sind seltene Kombinationen

äußerst verschiedener Gefühlslagen,

die da ambivalent um die Vorherrschaft streiten und

selbst beim Zuhören einerseits für Verwirrung sorgen

und andererseis so nachvollziehbar zugleich sind.

 

Nach der  Zerstörung eines bemerkenswert schönen Tales,

wartet die Auferstehung.

 

Panta rhei - alles fließt.

Auch der Wechsel von Zerstörung und Aufbau.

Immer wieder neu. Wo auch immer.

***

 

 

 

375 Millionen bekam Biontech an Forschungsgeldern.

Gezahlt von wem? Von uns allen.

Biontech schwimmt nun in Milliarden...

und es werden immer mehr.

Wie wäre es, wenn die Gesellschaft angesichts des Goldrausches

was zurück bekäme?

Beispielsweise für den Pflegepersonalschlüssel zu erhöhen?

 

Was das eine mit dem anderen zu tun hat?

Nichts - und alles, je nach Blickwinkel

und erweiterter Betrachtung.

 

- Nun ja, man darf ja mal träumen!

 

Ich habe keinen Goldrausch.

Ich habe dafür einen anderen. Einen Blütenrausch im Garten.

Der ist Börsen unabhängig. Stressfrei. Wohltuend.

Ich füttere Bienen und andere Insekten.

Beweis folgt.

 

Jedem das Seine.

 

Und was ist mit der Flut?

Auch eine Blickwinkelfrage.

Jede Menge ist schon getan - noch viel mehr aber noch zu tun.

Spendengelder gehen zurück, Helfer werden weniger.

Es ist ein natürlicher Abbau-Prozess.

Aufgang, Höhepunkt, Niedergang.

Wie bei den großen Hochkulturen der Menschheit.

So auch an der Ahr und überall.

Das Übliche einer Genese.

 

Denn Katastrophenstimmung hat vor allem für die,

die nur Zaungäste des Geschehens sind,

gewisse Halbwertzeiten,

bevor der Erinnerungszerfall tiefer greift.

Dass er bei fast jedem so greift,

hängt mit unserem psychischen Schutzsystem zusammen.

Aber das weiß ja jeder.

 

Atemholen zwischendurch ist angesagt,

denn die nächste Katastrophe kommt gewiss.

Leider.

 

 

Kabul hat sie derzeit.

Louisiana auch.

Haiti fast ständig.

Und sowieso die Üblichen... Afrika und co.

 

Würde ich nun weiter aufzählen,

es drohte eine wenig hoffnungsfrohe Bilanz.

Deshalb ist der Blick zu erweitern.

Auf das Schöne, das Gute,

dass es auch noch gibt.

 

 

 

 

 

 

 

Geheimnisvolles im eigenen Umfeld

 

Als Terra incognita bezeichnet man ein unbekanntes, unerforschtes Gebiet.

Jene weiße Stelle auf der Landkarte, die uns noch Rätsel aufgibt.

Diese unerforschten Gebiete gibt es nicht nur auf festen Landmassen

oder den in den Tiefen unserer Ozeane, sondern auch in uns selbst –

in der Welt des Geistes und der Seele, in der Welt der Psychologie

und des alltäglichen zwischenmenschlichen Miteinanders.

Allein dort sind so immens viele Geheimnisse verborgen,

dass es sich lohnt, ihnen näher auf die Spur zu kommen.

 

Seit einem halben Jahrzehnt arbeite ich an einem Buch über

geheimnisvolle zwischenmenschliche Beziehungen, die viele von uns kennen,

aber nicht wirklich verstehen oder greifen können,

wenn ihnen die handfeste Grundlage eines bestimmten Geschehens fehlt.

 

Wer ist hier gemeint, wer nicht?  - Nicht gemeint ist der Personenkreis,

mit dem man beispielsweise eine Liebesbeziehung hat.

Hier ist es natürlich, dass die Gedanken und Gefühle oft um diesen Menschen

kreisen. Das gilt ebenso für alle Beziehungen, die aus einer konkreten Feindschaft

mit äußeren, benennbaren Anlässen besteht (Fälle von Neid, Missgunst,

bösen Erfahrungen aller Art usw.). Auch ist eine Person, um die man sich

aktuell gerade sorgt, nicht gemeint. Gedanken und Gefühle, im Guten oder Bösen,

die wir diesen Menschen widmen, haben ihre natürliche Ursache im Offensichtlichen eines Geschehens.

 

Und doch gibt es Menschen, die uns bewegen, berühren, abstoßen

oder ängstigen, die unsere Gedanken und Gefühle viel öfter besetzen,

als es mit äußeren Geschehen erklärbar ist. Eine solche Beziehung kann

durchaus ganz einseitig stattfinden. Sie kann leise, heimlich oder auch

örtlich weit entfernt sein. Sie kann auch innerhalb einer Familie

oder einem Freundeskreis stattfinden.  All das spielt zunächst nur

eine untergeordnete Rolle.

 

Kennzeichen in dieses Phänomens ist nicht die Häufigkeit von persönlichen Treffen

oder die örtliche Entfernung oder Nähe, sondern die innerlich erfahrene

Stärke eines speziellen Impulses, den einer auf den anderen ausübt oder der unter Umständen auch einseitig stattfindet oder erlebt wird.

 

Und dieser Impuls  ist dann so machtvoll, dass die Gedanken und Gefühle

viel öfter um diesen Menschen kreisen, als es von der äußeren

Beziehungslage her leicht verständlich wäre.

 

Ein solcher Impuls kann dann z. B. als besonders angenehm oder wertvoll

empfunden worden sein. Oder, je nach Fall, kann er auch so schmerzlich

oder destruktiv erlebt werden, dass aus dieser Verletzung oder Kränkung

heraus ebenfalls ein Wandel stattfindet. In jedem Fall aber findet etwas

Prägendes und damit Entscheidendes zwischen diesen Menschen statt,

das eben von ganz anderer Art und Macht ist, als es mit zahllosen

anderen Menschen eben nicht vorkommt. Etwas Schicksalhaftes.

Das muss nicht spektakulär im Außen sein, ist jedoch fürs eigene

Innenleben von Bedeutung, weil es prägende, nachhaltige Wirkung hat.  

 

Nicht Sympathie oder Antipathie sind also entscheidend, sondern

dass es überhaupt diese tiefere Beziehung als solche gibt, die man

mit zahllosen anderen Menschen eben nicht teilt. Hier ist also etwas anders, als mit anderen Menschen.

 

Warum aber ist das mit  dieser Person der Fall?

Was hat es damit auf sich?

Ist das alles nur purer Zufall? 

Ist das alles lediglich  Pech oder Glück, dass man mit solchen Menschen hat – je nach Anziehung oder Abstoßungseffekt?

Oder steckt da vielleicht noch viel mehr dahinter?

Ich bin mittlerweile sicher: Ja, das tut es.

 

Und warum ist es mit manchen Menschen so schwierig bis unmöglich,

in Frieden und Eintracht dauerhaft miteinander zu leben, während

es mit anderen Menschen so leicht und selbstverständlich ist?

Und warum ziehen uns bestimmte Menschen geradezu magnetisch an,

während wir andere unbedingt meiden möchten?

Und damit sind nicht die  äußeren Eigenschaften einer gewissen

Attraktivtät gemeint.

 

Es wirkt so tief nach, weil etwas im Kern unseres tiefsten Wesens

angesprochen wurde.

Es ist etwas in unser Zentrum geraten, das wir stark in uns fühlen.

Es ist etwas, dass keinesfalls nur unseren Verstand oder Intellekt betrifft,

sondern etwas, dass die Seele ergreift.

 

Solchen Fragen gehe ich seit langer Zeit nach.

Es ist ein ungemein spannendes Feld, wenn man in Schicksalsfragen beginnt,

tiefere Fragen zu stellen und sich dabei auf eine zwischenmenschliche

Spurensuche begibt, wo man immer genauer beobachtet, wahrnimmt,

neue Fährten entdeckt und seine Fragen kritisch auf neue Höhepunkte treibt.

 

Ich hoffe, dieses Buch innerhalb der nächsten Monate zur

Veröffentlichungsreife bringen und werde hierüber zu anderer

Zeit noch ein wenig erzählen.

 

Interessant könnte es vor allem für alle die Menschen sein,

die auch das Erleben des Geheimnisvollen auf der Terra incognita

der eigenen Seelenlandschaft kennen und sich mit manch einem

Menschen gedanklich und gefühlsmäßig viel stärker beschäftigen,  

als es die Beziehung oder auch Nicht-Beziehung erklärbar macht.

 

Ich wünsche einen spannenden Tag mit dem Nachsinnen darüber,

wer es denn in Ihrem eigenen menschlichen Umfeld sein könnte...


Christa Schyboll
 

 

 

 

Von Dir und dem Triell

 

Wer bist Du? -  Du, der Du gerade hier liest? - Für wen schreibe ich hier?

Ich weiß es beim besten Willen nicht. Vielleicht ist das  gut so, weil es mich frei(er) schreiben lässt. Keine Rücksicht auf nichts und niemanden? Doch! Jedoch  nicht personalisiert.

 

Rücksichtslos zu schreiben, hieße dem inneren Schweinehund, den ein jeder Mensch in sich trägt, freien Lauf zu lassen. Der kann auch krass, ungerecht, überzogen, überspitzt, wütend, sauer, zornig, bestürzt, empört, skandalös, erregt, verstört….

Ach, was weiß ich! Aber dieser Typ dominiert mich jedenfalls nicht. Zwecklos, es zu versuchen.  Ist das nun  gut oder schlecht? Ist das etwa frei? Für ihn, für mich? Nein, eher wäre es egoistisch, egozentrisch, brachial, vor allem aber mir nicht wesensgemäß, wenn ich ihn von der Leine lasse.

 

Also schreibe ich kontrolliert? Ja, aber in erträglich erweiterter Fassung. Mit genug Spielräumen für kleine Verrücktheiten, wenn sie sich anschleichen und nach Luft schnappen.

 

Politiker und VIPs aller Art dürfen das nicht. Sie sind tatsächlich unfreier, wie immer man auch die Freiheit der Gedanken und des Geistes für sich selbst definieren mag. Ich persönlich definiere Freiheit über den Geist, weil alles andere einfach zu vielen Bedingungen unterworfen ist. Doch das hier zu vertiefen, braucht lange Betrachtungen.

 

Eben, heute, das Triell.

Baerbock, Laschet, Scholz. RTL – ausnahmsweise mal eingeschaltet.

Es interessierte mich halt.

 

2500 Bürger durften dann raten, wer gewonnen hat. Niedlicher Ansatz.

Nun ja, irgendwas muss ja das Programm füllen.

Doch eines war bemerkenswert bei allen: Die für mich spürbare Angst, Fehler zu machen. Fehler, die Wählerstimmen kosten. Puhh... spontan sein, natürlich wirken, geistig flexibel, keinen verprellen, gut rüberkommen, attackieren, aber nicht zu viel, nicht aggressiv wirken, unbedingt kämpferisch sein, sympathisch unter allen Umständen, alle Details griffbereit haben, blitzschnell kontern, lächeln, aber niemals an der falschen Stelle, sich selbst herausstellen und loben, Frauen, Kinder, Arme, Gender immer im Blick, bloß keine Versprechen geben, sich nicht festlegen, dennoch substanziell reden.... ich hab genau aufgepasst!  Sie tun mir leid. Sie können gar nicht genug verdienen, für so einen Sch... job!

 

Große Fehler machte nach politisch-telegenem Ansatz eher heute keiner.

Jedenfalls keinen, der zur nächsten öffentlichen Kreuzigung führen dürfte. Die Angst, wieder auseinandergenommen zu werden, war spürbar, ist es und bleibt es. Weil: Ein ständig reales Erleben… vor allen Dingen bei und für Lächerlichkeiten, die dermaßen schamlos für Wähler unterfordernd sind, dass wiederum eigentlich das Angst machen sollte.

 

Mit anderen Worten: Falsche Ängste an der falschen Stelle, während sich die berechtigten Ängste für berechtigte Dinge nicht einstellen, weil sie zu wenig thematisiert oder zu sehr noch verniedlicht werden. Schönwetterpolitik, alles andere ist keinem Wähler zuzumuten. Laschet hatte gar die Sorge, dass Baerbock die Wähler überfordern könnte, wenn sie ein paar Argumente zementierte. Ach, Herr Laschet. Denken Sie denn wirklich, wir wären  einzig ein Volk von Blöden?

 

Nach diesem Triell dürfte also kein neuer politischer Exorzismus in den Medien erfolgen, weil alle brav waren. Alle wollen alle entlasten, alle wollen niemandem was zumuten – und der Rest wird sich schon geben. Okay, ich habs jetzt verkürzt. Frei wirkte  also niemand von ihnen. Alles Getriebene ihrer Ansprüche, ihrer Parteien, ihrer Pläne. Es gehört zum großen Spiel. Und ja, ohne Regierung würde ein 80 Millionenplusvolk auch schnell im Chaos versinken. Irgendwer muss es also machen. Und wenn man es selbst nicht will, sollte man milde sein.

Doch wie kam ich jetzt darauf? Ach ja, ich schrieb über Dich, mich und die Freiheit. Dann kam das Triell der Unfreien in meine Gedanken... so war das eben.

 

Doch zurück zu Dir, der Du gerade noch liest… oder schon wieder längst weg bist, weil ich so viel geschrieben habe?

 

Da ich nicht weiß, für wen ich schreibe und wer meine Zeilen hin und wieder einmal liest, überfliegt, gar überdenkt, bin ich mit einem unbekannten Du in Kontakt, das zugleich gänzlich kontaktlos ist.  Eine merkwürdige Situation ist das.  Und da kein konkretes Du greifbar ist, vollständig anonym bleibt, schreibe ich letztlich für mich selbst. Anders ist es nicht möglich.

 

Ich schreibe im freien Fall für all die, die sich auch (schon ein wenig)

im freien Fall befinden. Nur – ob sie es selbst schon spüren?

Nun ja,  wer hier einkehrt und sogar dann noch einmal wiederkommt,

dürfte zumindest nicht zum 0815-Standardleser gehören…

sonst bliebe er nämlich konsequent weg.

Mit anderen Worten: Er fliegt schon ein wenig mit  …

(eventuell noch mit einem mentalen  Schutzfallschirm,

der rechtzeitig abbremst, wenn’s ihm hier zu bunt wird)

 

Warum schreibe ich?

Weil es in den Minuten des Schreibens gerade

keine andere Priorität gibt, als eben nur diese.

Es überkommt mich spontan.

Ich weiß nie, wann.

Ich weiß auch niemals vorher, was ich schreiben will, wenn ich beginne.

Ich beginne einfach  und lerne dann dasjenige erst kennen,

was gerade geschrieben wird.

Ich denke vorher nicht nach. Bestenfalls nachher.

Mancher  wird sagen: Merkt man! – Auch kein Problem.

Darf man auch merken. Ich werde schließlich nicht dafür bezahlt

und stehe in niemandes Verpflichtung.

 

Bringt das was? Was weiß denn ich!

Bringt überhaupt irgendwas irgendwem und wenn ja was,

wenn es nicht gerade eine lebensrettende Maßnahme ist.

 

Stünde diese jetzt an, würde ich allerdings nicht schreiben.

 

Also, wohlan! Du unbekanntes Du!

 Wann immer Du hier einmal vorbei schaust,

fühlt Dich willkommen.

 

Protestiere oder widerspreche,

nimm meine Gedanken auf oder lehne sie ab,

 lass sie wirken oder wie ein lindes Sommerlüftchen

an Dir vorbeiziehen…

es ist jedenfalls schön,

dass Du einmal kurz bei mir vorbeigeschaut hast.

 

Christa Schyboll

 

 

 

 

 

Hirn schlägt Bauch?

 

 

Auch ohne wissenschaftlich fundierte Analyse ist für

jeden leicht festzustellen: Je intellektueller sich die

Menschheit entwickelt, umso mehr wird derzeit auch

das Körpergewicht zum gesamtgesellschaftlichen

Problem. Hirn schlägt Bauch? Oder umgekehrt?

 

 

Und was ist mit dem gesunden Appetit auf das Gute?

Kommt er langsam in einer Welt des schnellen Fast-Food-Fraßes,

abhanden, wo  Marc-Uwe-Klings köstlich süchtig

machende Fesazus-Riegel jedes Grünzeug

um Stunden auf dem Marathonlauf

zum unauffindbaren Gourmettempel schlagen?

 

Schade, dass noch niemand Appetitzügler

für schlechten Geschmack erfunden hat.

 

Doch nicht nur der Körper soll hier Gewicht im

Wort bekommen – sondern auch der Geist,

dem durchaus auch Gewichtiges zuzutrauen ist.

 

Dennoch: Ob Gefühle oder Fleisch, Gedanken oder Fett,

Kalorien mit oder ohne Ideencharme persönlich favorisiert

werden: Geschmack in allem und sowieso bleibt

nun einmal Geschmackssache, über die man sich

nicht schnell einigen wird.

 

Hier ein paar kleine Beispiele aus meinem Buch „Mentale Überhitzungen – Aus dem Gefangenenlager Schule und weiteren Kampfzonen des Lebens “,

das sich mit so manchem Reizthema in würziger Kürze auseinandersetzt.

 

„Wir wären unser komplettes demographisches

Zukunftsproblem auf einen Schlag los, wenn

wir nicht nur wie paralysiert auf Blutfettwerte

und Übergewicht starren, sondern endlich

einmal unsere eigene Dummheit absenken

würden.“

 

 

„Übergewicht ist die lustvolle

Torpedierung jeglicher Askese.“

 

„Ob man unter seinem Gewicht leidet oder nicht,

hängt auch davon ab, ob man in Sachen

Selbstbewusstsein eher ein Schweroder

ein Leichtgewicht ist.“

 

„Weil sich Dicke unter noch Dickeren

dünn fühlen, tun sie gut daran,

die Dünnen zu meiden,

wenn sie sich ihren Status der relativen

Vollschlankheit bewahren wollen.“

 

„Normalgewichtige

brauchen wir der Anzahl nach

nur so viele in der Welt, dass die Balance

zwischen Unter- und Übergewichtigen

gehalten wird.“

 

„Nahrung, die nicht vor dir wegläuft

und die dich nicht angreift,

ist vermutlich gut verdaulich.“

 

„Speckringe um den Bauch sind ein untrügliches

Signal, dass dem Appetit zu viele Freiheiten

eingeräumt wurden.“

 

„Appetit: Eigentlich sollte der Geist der

Eigentümer des Körpers sein; stattdessen

degradieren ihn die Begierden des Körpers zum

eigenen Untermieter.“

 

„Wer nicht emotional verhungern will, sollte

intellektuell einmal ein wenig Diät einhalten!“

 

„Die dünnen Falten, die sich

in die Stirn der Denker fressen,

bekamen nicht selten ihre

Nahrung durch den Zweifel.“

 

Und nun guten Appetit mit Sonntagsbraten, Rilke,

Petersilienknabberzeugs, Shakespeare, Schokocreme

oder dem kommunistischen Manifest, wenn's denn mundet.

 

Christa Schyboll

 

 

 

 

 

Moral und Moralin

 

Das ist ja so etwas mit der Moral.

Manchmal eine lästige Angelegenheit, wenn man vor einer Entscheidung steht, von der viel abhängt. Für andere wiederum ist es keine Frage, wenn sie den Standpunkt vertreten: Der Zwecke heiligt niemals die Mittel! Dann ist moralisches Handeln ein Muss.

 

Ich frage mich, wie viele Menschen jenseits der 30 setzen sich noch ernsthaft und differenziert mit dem Begriff auseinander?

Ist das Werte-Gerüst der eigenen Haltung so stabil gebaut,

dass es über alle Zweifel erhaben ist?

Weiß man denn immer, was Recht und Unrecht ist?

Was richtig oder falsch - was moralisch, amoralisch, unmoralisch

oder moralinsauer ist?

Allein schon bei den letzten vier Begriffen braucht es meines Erachtens

doch schon eine gehörige Portion Differenzierungsvermögen,

um individuelle Geschehnisse in eines der vier Kategorien einzuordnen.

 

Ich beschäftige mich gern mit diesen Fragen.

Der Grund ist einfach: Es ist spannend, die Unterschiede zu entdecken,

die keineswegs immer klar auf der Hand liegen.

Diese Entdeckungsreisen fördern die Liebe zur Genauigkeit.

Denn zur Bewertung eines Geschehnisses müssen immer unglaublich

viele Faktoren erst einmal bekannt sein, um am Ende auch fair und wertend

über etwas zu urteilen zu können.

Doch wie schnell sind heute Urteile gefällt.

Man hört etwas, sieht etwas, liest etwas und ZACK! 

schmettert das Fallbeil der eigenen Moralvorstellung hernieder.

 

In meinen Büchern setze ich mich unter anderem auch

mit solchenThemen auseinander.

Mal in Romanform wie zum Beispiel "Gottes Magd und Teufels Braut",

wo ich  unter anderem auch die

Moralität unserer sexualisierten Scheingesellschaft entlarve.

 

Oder auch in aphoristischen Schriften wie zum Beispiel in

Wortgewitter und Gedankenblitze" ,

wo ich Kurzversionen

langer und intensiv gedachter Gedanken formuliere.

 

Hier ein paar Beispiele, mit denen man selbst etwas spielen kann

- rein aus individuell eigener moralischer Haltung heraus:

 

"Moralische Festigkeit gehört zu den Stiefkindern im Repertoire der bisherigen menschlichen Entwicklung."

 

"Wer sich selbst auf die Schliche kommt, zeigt ein kriminalistisches Recherche-Talent für moralische Schwächen."

 

"Wann Fortschritt Rückschritt bedeutet, ist auch eine delikate Frage des Blickwinkels aus der Sicht von Moral, Finanzen oder Macht."

 

"Der Fortschritt der Welt wird oft ausgebremst durch den Rückschritt moralischer Bedenken dem Fortschritt gegenüber."

 

"Moral verhält sich zu Moralin wie die Liebe zur Verliebtheit."

 

"Im Spiel der Mächtigen darf nur derjenige mitspielen, der nicht von unnötigen moralischen Hemmungen drangsaliert wird."

 

"Die Beute aus kriminellen Geschäften steht moralisch auch nur Kriminellen zu,

die sich zur Unmoral bekennen."

 

"Pseudo-moralische Mäntelchen bieten keine

adäquate Bekleidung fürs Paradies."

 

"Der Weg der Gradlinigkeit ist ein dünnes Seil auf dem breiten Weg

alternativer Möglichkeiten, die sich nicht ständig

von moralischen Bedenken blockieren lassen."

 

"Was moralisch, unmoralisch, amoralisch oder moralinsauer ist,

entscheidet allein das ausgeprägte Feingefühl

eines zur Differenzierung befähigten Individuums."

 

"Unmoral erübrigt sich von selbst, wenn wir erst einmal

in der Transparenz der Transzendenz leben." 

 

(Zitate aus: "Wortgewitter und Gedankenblitze")

 

Und nun viel Spannung beim Vergleich zu Ihrer eigenen Haltung

in diesen Dingen

:-)

 

Christa Schyboll

 

 

 

Die Welt ist polar...

 

.... aber das ist nicht wirklich neu, weil wir ja alle ständig das Auf und Ab zwischen Gut und Böse, Fatalismus und Begeisterung und überhaupt allen gegensätzlichen Zuständen bestens kennen.

 

Ich erlebe sie gerade im Prozess zwischen schwieriger Sachbucharbeit und der Lust, hin und wieder auch das Leichtere zu wagen: Kinderbücher. Voller Enthusiasmus und mit vielen Einfällen versuche ich mich an der inneren Bilderwelt,

die Kinder ansprechen könnte und hoffe,

dabei dann auch jenen Zipfel der Kinderseele zu erhaschen,

der Kinderaugen zum Leuchten und Lachen bringt.

 

Bei allem Schwierigen, dass man sich selbst immer wieder auch mal freiwillig antut, weil irgendetwas im Inneren danach drängt, ist es wichtig und schön,

auch auf jene innere Stimme zu lauschen, die sagt:

Komm, mach langsam! Überfordere  dich nicht ständig.

Es geht nur um den Weg... um die Erfahrung und das Erleben der Kreativität im konkreten Tun.

 

Speziell beim Bücherschreiben sollten nach allen Kriterien der Vernunft möglichst niemals merkantile Überlegungen ernsthaft eine Rolle spielen, weil doch jede/r Schreiber:in wissen kann: An jedem Tag, den die Schöpfung uns schenkt, erscheinen 300- 400 Neuerscheinungen. Das ist aber schon eine ältere Zahl. Ich vermute, dass sie mittlerweile viel höher liegen könnte. Man lasse sich diese Zahl auf der Zunge zergehen und multipliziere sie mit den Tagen eines Jahres ... Jedes Jahr also um die 100.000 bis 150.000 neue Bücher allein im deutschsprachigen Raum.

Jährlich zusätzlich zu den 5-6 Millionen lieferbaren Büchern,

die derzeit auch im Buchhandel erhältlich sind.

 

Darin stecken zwei Botschaften:

 

1. Die Menschen sind in Massen unglaublich kreativ geworden.

Das ist eine sehr gute Nachricht. Welche Qualitätskriterien an Kreativität

dabei angelegt werden, ist: verschieden, unvergleichlich,

oft irritierend, von genial bis geschmacklos ist alles vertreten...

Aber die Kreativität als solche, als individueller Prozess,

setzt sich ungebremst fort.

Die Entwicklung schreitet hier also fort, während sie in anderen Feldern

noch hoffnungslos hinterherhinkt.

Wem?

Der Notwendigkeit! Der Vernunft! Der Menschlichkeit!

 

2. Diese Mengen täglich neu erscheinender Bücher,  eine gigantische Flut,

kann niemand mehr lesen und ist unübersichtlich ohne Ende.

Mehr denn je, als mittlerweile jeder Mensch die Möglichkeit hat, auch außerhalb von Verlagen sein Projekt zu realisieren.

Diese Möglichkeit ist fantastisch, unbedingt zu begrüßen und 

zugleich auch ernüchternd, wenn es darum geht,

vom Bücherschreiben (über-)leben zu wollen.

Der Prozentsatz, dem dies gelingt, ist im unteren Nullkomma-Bereich.

Aber das ist nicht schlimm. Es gehört zum Schicksal.

 

Und warum schreiben so viele Menschen heutzutage?

Weil sie es wollen, weil es sie innerlich dazu drängt.

 

Sie geben einer Neigung nach, die einen Weg ins Außen sucht,

weil sie den eigenen Innenraum längst sprengt.

Wem es dabei ums Geld geht, wird nicht lange dabei bleiben.

Denn es ist in vielen Fällen sehr harte Arbeit.

 

Wem es dabei jedoch um die Freiheit jener schöpferischen Ideenwelt geht,

die nach Ausdruck und Leben strebt,

wird es vermutlich niemals mehr lassen...

.... denn der innere Reichtum, jener unkäufliche, unübertragbare,

wahrhaft wertvolle steht jenseits

aller Gesetze des Marktes und feiert sich selbst.

 

Christa Schyboll

 

P.S.

Texte, die ich morgens schreibe, können abends verändert sein.

Kürzer, länger... anders eben. Das liegt in der Natur meiner Arbeitsweise.

Also bitte nicht verwundert die Augen reiben,

wenn plötzlich manches anders ist als vorher.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ach ja, die Verantwortung

Heute morgen ein Leserbrief im General-Anzeiger. Unbequeme Fragen wurden zum Thema Verantwortung gestellt. Auch die Zuständigkeiten, die gesetzlichen Regelungen und die flankierenden Informationen kamen auf den Prüfstand. Das alles ging weit über den Landrat hinaus (der übrigens immer noch nicht zurückgetreten ist). Ihn entbindet damit aber von nichts, auch wenn andere ebenfalls sich vor der Verantwortung scheuten. All das soll und muss auch aufgearbeitet werden, damit bei einer eventuell nächsten Katastrophe nicht noch eine Verantwortungskatastrophe hinzukommt.

Setzt man sich dann ein paar Gedanken tiefer mit dem Begriff der Verantwortung auseinander, wirds für all diejenigen unbequem, die Verantwortung für andere Menschen per Amt, freiwillig oder wie auch immer mit übernehmen (müssen). Die Last kann so manchen erschlagen, weil sowohl mit Tun und  mit Nichttun schwerwiegende Fehler gemacht werden können - je nach Situation, Lage, Information, Möglichkeiten und Unwägbarkeiten.

Auch der Zeitfaktor ist höchst problematisch. Zu früh, zu spät, zu schnell, zu träge? Was hat welche Konsequenzen? Jetzt, wo es so viele Todesopfer und furchtbare Zerstörungen gab, scheint alles leicht und eindeutig: Totalversagen... zumindest im Hinblick auf die Warnungen in Bezug auf Zeit und Umfeld.

 

Was aber ist mit der eigenen Verantwortung? Inwieweit verlässt man sich auf "andere" - auf den Staat, die Feuerwehr, die Rettungsdienste so ausdrücklich, das die prophylaktische Eigenverantwortung erlahmt, gar im Nichtstun erstickt nach dem Motto: Irgendwer wird mich schon retten.

 

Als wir am 13.7. in den Nachrichten mehrfach hörten, welche Regenmengen fürs Gebiet angesagt wurden, klingelten bei uns nicht nur theoretisch die Alarmglocken, sondern auch praktisch. Als wir erfuhren, dass die Stadt Sinzig Sand und Sandsäcke zur Vorsorge zur  Verfügung stellt, waren wir gleich am nächsten Morgen, dem 14.7. dort. Ich wunderte mich, dass wir zunächst ganz alleine da waren, da ich doch mit einem regelrechten Ansturm auf dieses Angebot gerechnet hatte. Immerhin wohnen viele Menschen nähe Ahr und der zufließenden Bäche. Nach einer Viertelstunde kam dann noch ein Ehepaar, dem es ähnlich erging (und die später auch schwer getroffen wurden, weil für sie diese Maßnahme leider nicht ausreichte). Aber sie hatten es versucht. Bei uns reichte es aus  (zufließender Bach zur Ahr, wenngleich auch ungewöhnlich hoch). Doch in mir blieb das Gefühl nach dem Säckefüllen zurück: Warum sind so wenige Menschen hier? Warum nehmen sie das Angebot nicht in größerem Maße an? Habe ich selbst übertriebene Ängste? (Nein, in diesem Fall!) Oder haben die anderen einfach zu wenig Ängste? Zu wenig  Fantasie, was die klar angekündigten Wassermengen tatsächlich bedeuten? Fehlt am Ende nicht nur Verantwortungsübernahme deshalb, weil auch die Information über die zu erwartenden Folgen einfach zu wenigen bekannt waren?... Ich würde mal sagen: Da liegt auch noch ein Hase im Pfeffer!

 

Persönliche Verantwortungsübernahme kann man (jeder) nur in dem Sinne leisten, wo ohne Panikmache eine realistische Gefahreneinschätzung auch als sachliche Information vorhanden ist. Dann allerdings kann man einiges machen. Dass aber diese gigantische Flutwelle in diesem speziellen Fall tatsächlich auch die Vorsorger so extrem überraschen musste und kein Mensch der Welt dieses spezielle Szenario mit nichts hätte aufhalten können, bleibt zweifellos richtig.

 

Was braucht es also, um jedes einzelne persönliche Verantwortungsbewusstsein zu steigern?  Unbedingt eine Gefahrenschulung der Bevölkerung. Die Sirenen-Aktivierungen sind in aller Munde  und werden ausgebaut, aber wenn diese losgehen, ist es schon sehr, sehr spät. Es braucht durch die Medien eine wesentlich bessere Darstellung dessen, was stehende Wetter bei bestimmten klimatischen Bedingungen vor Ort bedeuten, die sichnicht allein in Milliliter pro Meter erschöpfen dürfen, sondern die klar den Menschen z.B. sagen müssen: 200 ml in beispielsweise  24 Stunden bedeutet in der Region X eine mögliche Überflutung von bis zu 7 Metern. Bringen Sie sich  und ihre Lieben sowie die wichtigsten Unterlagen frühzeitig in Sicherheit....

 

Vielleicht klappt das dann mit offizieller und persönlicher Verantwortung, wie  auch einer umfangreich zu ändernden medialen Verantworutung durch bessere Information bein nächsten Mal erheblich besser.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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(c) Christa Schyboll, 2017