Ansichts-Sache

oder

Wie ich die Dinge so sehe ...

 

 

Hier stehen "Verschwindende Texte",

die aus Platzgründen immer nur für kurze Zeit sichtbar sind.

 

Für Interessierte, die meine Beiträge gern nochmals lesen möchten, erscheinen - sobald und falls ich dazu komme! - weitere Taschenbuch-Ausgaben unter dem Tiel "Verschwundene Texte"

 

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04.07.2022

 

In eigener Sache

 

 

 

Da mir gestern gleich eine ganze Reihe von wichtigen Daten durch eine winzige Schusseligkeit  abhanden kamen, werte ich das mal als ein Zeichen, endlich und längst überfällig eine kleine Pause auf dieser Seite einzulegen.

 

Im August - so ist es geplant - wird es hier weiter gehen.

 

Auch noch ein klein wenig mit der begonnenen Serie "Vernetzung" denn es stehen u.a. noch aus: Vernetzte Wissenschaftler, Ökodörfer, alternatives Wohnen, Heilung und Eros und noch ein paar andere Themen.

 

Ob ich mich auf anderen Seiten meiner Homepage hier und da blicken lasse, überlasse ich mal dem Sommerwind, der mich antreibt oder gründlich faulenzen lässt.

 

Letzteres ist das Schwerere für mich. Aber vielleicht bin ich ja lernfähig.

 

03.07.2022

 

Vernetzung 3,

 

Licht

 

und Schatten

 

Sekten

 

 

 

 

Beginnen wir mit dem Schatten, den Vernetzungen auch erzeugen können und gehen dann ins Licht.

 

Vernetzungen werden von vielen Gruppen mit äußerst unterschiedlichen Motiven angestrebt, weil sie sinnvoll und wirksam fürs eigene Ziel sind. Unter diesen Gruppen sind auch Sekten, teils gefährliche Sekten. Aber nicht alles, was heute als "Sekte" verunglimpft ist, ist  auch eine im negativen Sinne der Bedeutung. Manch eine Gruppe wird auch als "Sekte" bezeichnet, weil sie den Mainstream verlässt, sich nicht der Meinung oder Auffassung der großen und immer noch mächtigen Kirchen anschließt und alleine schon deshalb von deren "Sektenbeauftragten" (!) als obskur, schlecht, gefährlich, gar "des Teufels"  usw. dargestellt… denn es handelt sich immerhin ja um die "Konkurrenten", die ebenfalls Heilsbotschaften verkünden und Sinnsucher oder Gläubige für sich gewinnen wollen.

 

 

Doch es gibt eine Reihe von Sekten, die als gefährlich einzustufen sind. Dies umso mehr als sich oft Menschen an sie wenden, die in Not sind, Hilfe suchen, sich schwach fühlen und voller Hoffnung auf persönliche Erlösung von ihrem Leiden sind. Denn Hoffnung auf das Bessere (als den jetzigen Zustand) versprechen oder suggerieren alle. Das ist das hehre Ziel, das sich oft als sehr erfolgreich erwies und  zugleich auch als Mittel zum Zweck missbraucht werden kann.

 

 

Es ist unmöglich, alle Sekten hier an dieser Stelle einzeln unter die Lupe zu nehmen und zu gewichten. Aber es gibt Kriterien, nach denen man auch selbst urteilen kann: Dort, wo Sekten direkten oder indirekten Druck auf Mitglieder ausüben, sollten die Alarmglocken laut schrillen. Dort, wo die seelische und körperliche Unversehrtheit nicht garantiert ist, ist man in Gefahr. Dort wo kritisches Denken und Hinterfragen unterdrückt wird, ist höchste Wachsamkeit geboten. Wo ein Infragestellen geahndet wird, wo Angst erzeugt wird, Armut verlangt wird zu zugleich viel Schufterei ohne Sicherheit fürs Alter usw. – da müsste jeder normal denkende Mensch eigentlich die Flucht ergreifen. Interessanter Weise passiert das aber oft nicht. Denn sonst wären Sekten aller Coleur weltweit nicht so erfolgreich.

 

 

Das Geheimnis ist offensichtlich: Sekten wenden sich oft an Menschen in seelischer Not, an Leidende am eigenen sinnlosen Leben, an Menschen mit depressiven Erkrankungen aller Art, weil sie sich bei ihnen den schnellen Erfolg erhoffen – und ihn  den Leidenden auch blumig versprechen.

 

Sekten bieten (scheinbar, zunächst) oft Halt, "Heimat", Vertrauen, Lebenssinn, Mitgefühl, Zugehörigkeit zu warmherzigen Menschen, die sie verstehen… alles wertvolle emotionale Erfahrungen, die man nirgends kaufen, sondern nur persönlich erfahren kann: als Geschenk durch die Sekte, wenn das Leben selbst es nicht so gut mit ihnen in diesen Erfahrungen meint. Damit kann man Leidende schnell ködern. Denn an emotionaler Zuwendung und Lebenssinn mangelt es den meisten, die sich irgendwann dort wiederfinden.

 

 

Mit den gleichen Erfahrungen kann man jedoch in anderen Gruppen auf völlig andere Art zugleich auch wunderbare Kräfte freisetzen und Talente zum Wohle aller fördern. Dennoch ist der Unterschied geradezu diametral bei zugleich scheinbar ähnlichen Grundbedingungen.

 

Denn während die Sekten mit Bewusstseinsmanipulation und auch emotionaler Manipulation höchst geschickt arbeiten, arbeiten die anderen Gruppen mit Bewusstseinstransformation, Klarheit, Kritikreife und fairer Teamarbeit.

 

 

Wer sich Sekten mit ihren oft weltweiten Vernetzungen anschließen will, kann also nicht kritisch genug vorgehen. Doch hier beißt sich zumeist die Katze in den Schwanz, weil: die fehlende kritische Distanz ist oft genau dasjenige, was einen Sektenzugang beschleunigt, weil nicht die Klarheit des nüchternen Denkens agiert, sondern die Bedürftigkeit des persönlichen emotionalen Mangels letztlich die Entscheidungen bestimmt. Sie wird oftmals über religiöse und persönliche Glaubenssätze (zunächst) befriedigt und zugleich auch manipuliert.

 

 

Doch was überhaupt ist eine Sekte? Die Definition ist uneindeutig und bleibt letztlich auch schwammig, weil Wahrheit und Lüge, Sinnstiftung und Missbrauch unglaublich nah zusammenliegen können und sich manchmal oft schleichend nebeneinander entwickeln oder gleichzeitig und ambivalent konkret erfahren werden.

 

Ich nehme einmal kurz Anleihe bei Wikipedia zur Definition: "Sekte (von lateinisch secta ‚Partei‘, ‚Lehre‘, ‚Schulrichtung‘) ist eine Bezeichnung für eine religiöse, philosophische oder politische Richtung und ihre Anhängerschaft. Die Bezeichnung bezieht sich auf soziale Gruppierungen, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen unterscheiden und oft im Konflikt mit deren Vertretern und Anhängern stehen.

 

 

In erster Linie steht Sekte für eine von einer Mutterreligion abgespaltene religiöse Gemeinschaft. Der ursprünglich wertneutrale Ausdruck hat aufgrund seiner Geschichte und Prägung durch den kirchlichen Sprachgebrauch einen meist abwertenden Charakter erhalten und wird seit den 1960er Jahren verstärkt in negativem Sinn verwendet."

 

Im landläufigen Sprachgebrauch werden als Sekten oft religiöse Gruppen bezeichnet, die in irgendeiner Weise als gefährlich oder problematisch angesehen werden. Hier wird dann der Begriff Sekte auch zum Kampfbegriff um "die Wahrheit". Andere sehen sie als Irrlehre. Vor allem die Kirchen, denen die Gläubigen gerade in Scharen davonlaufen, sehen in vielen anderen Gruppierungen Sekten, vor denen sie unermüdlich warnen. In vielen Fällen zu Recht, in anderen nicht, sind sie doch zunehmend starke Konkurrenz beim Kampf um die "Schäfchen" und Gläubigen. Sekten wird oft vorgeworfen, sich allein aus wirtschaftlichen Gründen als religiöse Glaubensgemeinschaft auszugeben – oder als solche zu tarnen. Auch das kommt in der Realität vor.

 

 

Scientology gehört zu jenen größeren Sekten, die immer wieder neu in die Negativschlagzeilen rund um den Globus geraten. Wer genaueres darüber wissen will: Das Internet ist voll davon.

 

 

Kontroversen um Sekten entzünden sich oft zwischen der Religionsfreiheit und der weltanschaulichen Neutralität des Staates. Da gibt es viel Konfliktpotenzial um juristische Zwangsmaßnahmen oder die unterschiedlichen Grade der gesetzlichen Anerkennung die manchen religiösen Gruppen zugesprochen wird, anderen aber verwehrt wird.

 

Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, wirtschaftliche Ausbeutung der Mitglieder oder auch sexuelle Ausbeutung, gar sexuellen Missbrauch von Kindern sind Themen, die immer wieder neu die Gerichte beschäftigen – aber auch die Psychologen, Psychiater und vor allem die Opfer selbst.

 

 

Eine stattliche Anzahl von Sekten frönt auch einem charismatischen Personenkult ihrer Sektenführer und schaffen oft emotionale oder mentale Abhängigkeiten, schränken die Meinungsfreiheit ein, reißen Familien auseinander, behindern Kinder bei der Ausbildung oder zwingen Mitglieder dazu, nur ganz bestimmte Formen von ärztlicher Versorgung anzunehmen und andere lebenserhaltende Maßnahmen abzulehnen.

 

 

Besonders bedrohlich sind Sekten dort, wo sie auch für schwerwiegende Gewaltakte stehen. Beispielsweise für Massenselbstmord (1978 in Guyana), Mordanschläge, Salmonellen-Anschläge oder Giftgasattentaten, um nur Beispiele zu nennen, die schon Tausende von Menschen das Leben kosteten.

 

Vor Sekten ist – in vielen Fällen - zu warnen. Pauschalisierungen und bloße, oft auch ganz unzutreffende Behauptungen sind allerdings auch Teil des Spiels und Kampfes, der auf weltlicher und spiritueller Ebene zwischen Gruppen und ihren äußerst unterschiedlichen Zielen und Motiven ausgetragen wird.

 

Wer als kleine "Glaubensgemeinschaft" konstruktiv hilfreich arbeitet, aber als " Sekte" verunglimpft wird, ist eben nicht mit jenen tatsächlich gefährlichen Gruppen gleichzusetzen, die unbestritten Böses im Sinn haben und es geschickt als das Gute verkaufen.  

 

 

Zu fragen ist: Welche Inhalte sie anbieten, wie sie vorgehen, wie förderlich und freilassend sie sind und vieles mehr. Insofern ist jeder Einzelfall auch gesondert zu betrachten und streng zu prüfen.

 

Emotionale Bedürftigkeit, die nun einmal für eine Reihe von Menschen eine starke Belastung ist, muss gerade hier unbedingt mit einer gesunden Gedankenklarheit und Kritikfähigkeit eine schützende Konstellation bilden.

 

Soweit ein klein wenig über die Schattenseiten, die sich als Licht verkaufen, jedoch gefährliches Blendwerk auf dem Weg vieler Sinnsucher sind.

 

 

 

02.07.2022

 

Vernetzungen, 2

 

Gemeinsam zum höheren Ziel

 

Ohne Vernetzungen  wäre die Welt in ihrer Komplexität, Vielfalt und Schönheit niemals entstanden. Es ist eine höchst sensible, dennoch starke Kooperation vieler Faktoren, die zusammenwirken und damit sie gemeinsam  ein besseres Ergebnis erreichen können, als der Einzelne für sich allein.

 

Das ist der Sinn.

 

Erfahrungsaustausch, gegenseitige Stützung und Hilfe, Absprachen, hohes Engagement, Sinnstiftung und -findung, Aufgabenteilung sind einige der Hilfsmittel, die zum Gelingen beitragen. In der Natur, wie unter den Menschen.

 

Vor allem verstehen wir unter Vernetzung heute die Erweiterung von Beziehungen innerhalb eines Systems. Sie können organischer Natur sein und ganz merk- und denkwürdige Kombinationen bilden, wie beispielsweise das Lebewesen Wald, wo sich Erde, Bäume, Pilze und vieles mehr nicht nur miteinander vernetzen, sondern auch kommunizieren und sich gegenseitig stützen und helfen. Die Natur gibt uns viele Aufgaben zur Nachahmung auf. Wir müssen sie lesen lernen.

 

 

Seit der Erfindung des Internets sind die Vernetzungen innerhalb der Menschheit auf ein völlig neues Niveau gestiegen. Nun gibt es plötzlich Möglichkeiten, die Jahrtausende lang als undenkbar galten. Die Vernetzung auf dem Globus braucht nur noch Sekunden. Dann kann jeder mit jedem kommunizieren und seine Erfahrungen austauschen.  Aber wie es immer in einer polaren Welt ist:  dies kann zum Wohle geschehen und es kann ebenso Missbrauch damit betrieben werden, der gigantischen Schaden anrichten kann.

 

Gutwillige Menschen vernetzen sich ebenso wie Verbrecher. Nazigruppen weltweit ebenso wie all jene, die sich der Menschlichkeit aktiv verpflichtet fühlen und nicht nur abwarten, sondern selbst gestalten wollen.

 

Vor allem die Systemtheorie hat sich mit Vernetzungen ausgiebig auseinandergesetzt. Ein System, welches auch immer, besteht aus den Einzelteilen des Ganzen. Jede Einheit hat ihre spezifische Aufgabe, die dem gemeinsamen Ziel dient. Die Kausalkette von Ursache und Wirkung spielt dabei eine große Rolle. In diesen Fällen spricht man von Beziehungsnetz.

Es gibt wohl kaum einen Bereich, wo Vernetzung nicht eine große Rolle spielt. Sei es in der Nahrungskette, der Soziologie, der  Ökologie, der Informationstechnologie, den Lieferketten von Rohstoffen bis zu Produkten oder in einem Karrierenetzwerk, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

 

 

Die uns nächste und natürlichste Vernetzung erleben wir aber vor allem durch unser eigenes Gehirn… unsere persönlichen neuronalen Netzwerke, die einzigartig funktionieren. Interessant ist, dass bei gleicher Funktionsweise dabei aber das Individuelle des Ergebnisses etwas ganz Besonderes ist und bleibt. Denn kein Gedanke, der je gedacht wurde, entspricht einem anderen exakt in seiner Genese. Selbst ähnliche Gedanken haben eine unglaublich unterschiedliche Geschichte des Zustandekommens. Das nur kurz und grob zur Vernetzung allgemein.

 

 

Womit ich mich nun selbst näher auseinandersetzen will, ist die Vernetzung von Menschen, die die Menschheit in Gefahr sieht, weil dem Wirken der Mächtigen (auf allen Erdteilen und in allen Kulturen) in vielen Fälle nicht mehr zu trauen ist. Denn die Ergebnisse dieses unseligen Wirkens erleben wir bitter: Kriege über Kriege überziehen noch immer unseren Planten, Milliarden für Aufrüstung werden durch fleißige Steuerzahler finanziert, die Hungerproblematik ist nach wie vor ungelöst, mangelnder Zugang zu ausreichendem Trinkwasser wird sich noch weiter verschärfen,  die Umweltzerstörung hat ungeahnte Ausmaße erreicht, der  Klimawandel bedroht viele Regionen der Erde immer schneller und stärker,  das Artensterben ist dramatisch. Ebenso das Aussterben der menschlichen Vernunft, weil egoistische Ziele dominant über allem stehen.

 

Gegen all das gehen mehr und mehr Menschen weltweit und kulturübergreifend kreativ und gut durchdacht vor. Der Mensch an sich ist eben nicht nur ein Zerstörer, sondern auch ein Schöpfer. Ein Neuerschaffer, ein Heiler…

 

 

Überall auf der Welt bilden sich Gruppen, die das Heilende, Heilsame im Fokus ihrer Bemühungen haben und damit neue Zeichen der Hoffnung setzen.

 

Ich werde mich ein wenig umschauen und bin selbst neugierig darauf, was mir dabei berichtenswert erscheint.

 

 

 

01.07.2022

 

Vernetzungen, 1 Keimzellen

 

des Widerstandes und der Hoffnung

 

 

Erlaubt es mir meine Zeit, gebe ich gern persönliche Kommentare auch zu politischen Themen ab. Manchmal ereilt mich eine ironische Phase. Ich webe Satrisches ein, um mich selbst mit etwas Humor über das so oft Unerträgliche zu retten.

 

Dann führt eine kleine Ohnmacht die Feder. Klein, weil sie sich machtlos fühlt...  sich trotzdem äußert und nicht zum unseligen Treiben schweigt.   Wie beglückend könnte es sein, würde man zur aktuellen Tagespolitik förderliche Kommentare schreiben können, die auch irgendeinen Nutzen haben. Zum Beispiel den Nutzen des inneren Aufbaus und einer starken Motivation für das noch Bessere. Derzeit ist mir das Glück nicht so beschieden.

Doch vielleicht gibt es da noch einen Ansatz...

 

Schaue ich in die Glaskugel, sehe ich derzeit: schwarz! Die Gründe sind leicht benannt: Ich sehe den 3. Weltkrieg näher als je zuvor im aktuellen Ukraine-Konflikt auf uns alle noch zukommen. Selenskij insistiert und fordert immer nachdrücklicher und stärker das Engagement der Nato, die darauf willig und immer massiver mit immer mehr schweren Waffen und massiver Aufrüstung reagiert. Putin reagiert entsprechend. Sein Agieren und das nun ständig neue Re-agieren haben die Dynamik des Wahns eingeleitet. Und so reagieren alle zuverlässig aufeinander. Jeder mit seinen eigenen Gründen und zum Schaden der Menschheit, die in Geiselhaft ist.

 

Schiebt man Sympathie oder Antipathie, Block- und Lagerdenken mal für einen Augenblick zur Seite, bleibt der nüchterne Fakt weiterer Eskalationsstufen, die die Gefahr eines globalen Desasters enorm erhöhen. Dabei ist der Schaden für Abermillionen in und außerhalb der Ukraine schon jetzt enorm. Es drohen Vernichtungsszenarien auf so vielen verschiedenen Ebenen, die  viele Menschen noch nicht realisieren, auch wenn sie davon hören...

 

Hören ist noch nicht erleben. Auch das macht noch einen Unterschied. Hört man lange genug von "Gefahren", so kommt auch hier das Gewohnheitstier durch und man realisiert nicht mehr was man hört. Man hörte es zu oft und spürte es (noch) nicht.

 

Dennoch, die einen erleben es bitter und hautnah physisch durch die Unmenschlichkeit eines brutalen Krieges vor Ort, Millionen andere zeitverzögert, aber nun immer näher anschleichend, durch eine andere Form der existenziellen Bedrohung: Vernichtung von Arbeitsplätzen, Inflation, das Ende ihrer ganz persönlichen wirtschaftlichen Kraft, das Leben im gewohnten Wohlstand zu meistern...  ADE!

 

Die Rechnung wird spätestens im Herbst/Winter präsentiert, wenn durch die verzögerten Auswirkungen sich alle die Augen reiben werden, was  nun alles nicht mehr geht. Nein, kein Luxus, dem man  noch leicht abschwören könnte, sondern das Gewohnte, das wir als unser Natürliches empfinden, kommt abhanden. Allein schon die  Nebenkosten fürs Alltägliche werden viele Menschen in eine neue, bisher unbekannte Armut treiben. Menschen aus dem Mittelstand, die lebenslang für sich selbst sorgen konnten, niemandem zur Last fielen - aber viele Mitmenschen durch ihre Steuern unterstützten. Nun werden sie selbst bedürftig!

 

Pffffft... das Monatseinkommen weg, das völlig normale Alltagsleben unbezahlbar! Erspartes vernichtet. Träume zerplatzt, Hoffnungen verschrumpelt. Rezession, Inflation, Deflation... in Zeiten von Sezession... Merkwürdige Worte, Begriffe, die vor allem eines beinhalten: Eine neue Not.

 

Doch dann gibt es auch immer wieder neue Vernetzungen. Sie geschehen leise. Oft in kleinen Gruppen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit, an vielen Orten der Erde. Sie sind in einer meist parteipolitischen Unabhängigkeit zugleich hochpolitisch - jedoch anders, als wir Politik kennen. Sie haben keinen Anführer, aber eine Reihe Führungspersönlichkeiten.

 

Über diese Vernetzungen werde ich demnächst etwas öfter schreiben. Viele davon sind zu vielen Menschen noch gar nicht bekannt. Sie tragen den Keim der Hoffnung in sich. Er ist klein, zart. Aber er lebt und sprießt an vielen Orten.

 

Darüber sollte mehr gesprochen werden, um dem perversen, pathologischen Treiben einen gesunden Gegenpart gegenüberzustellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

30.6.2022

 

 

Purpose

 

Unternehmensphilosophie

einmal weitergedacht

 

 

Am Wochenende las ich über die Sinngebung in Unternehmen und dachte: Na ja, der Ansatz der Sinnhaftigkeit ist immer gut. Aber bring diese Sinnhaftigkeit einmal in hunderttausend verschiedenen Tätigkeiten unter, die zwangsläufig nur der reinen Produktion dienen und nicht etwa der Freude am Sein der Werktätigen. Also alles Stupide, sich ständig Wiederholende, Schmutzige, Gesundheitsgefährdende, Belastende – was auch nervliche Belastung mit einschließt usw. – für die Arbeitnehmer.

 

 

Purpose! Heißt das Schlagwort in neu-denglisch und bezeichnet den Sinn, nach dem ein Unternehmen selbst handelt. Der Fokus liegt dabei auf der ökologischen, ökonomischen und sozialen Verantwortung, die sich wiederum auf den Arbeitnehmer auswirken soll. Also eine gute Sache!

 

 

Sinn macht alles, was wir wirklich brauchen. Und das ist schon eine ganze Menge. Ob es auch dann für einen auch ganz persönlich Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden. Doch machen wir uns dabei nichts vor. Wenn jemand stereotype Dinge machen muss (die derzeit von Robotern noch nicht übernommen werden können), ist es mit solchen hehren philosophischen Gedanken am Arbeitsplatz schnell auch wieder aus. Da nützen auch keine psychologischen Argumente guter Motivationstrainer, wenn man es nicht auch authentisch fühlt, dass das eigene Wirken sinnerfüllt ist.

 

 

Es gibt viele berufliche Bereiche, wo dieses Gefühl tatsächlich nicht aufkommen kann, will man sich nicht selbst belügen. Das liegt nicht allein an der (oft notwendigen) Tätigkeit, sondern auch daran, dass der Arbeitnehmer seine eigenen schönen Anlagen und Talente tatsächlich nirgends ausleben kann.

 

Nirgends? Da liegt das Problem und vielleicht liegt da auch die Lösung für all jene Unternehmen, die gerade hier Protagonisten sein wollen?

 

 

Denn man könnte Sinnstiftung und Sinnfindung auch außerhalb des Unternehmens legen und dennoch mit dem Unternehmen eng verknüpfen. Nämlich überall dort, wo es die Tätigkeit nicht oder nur schwierig erlaubt, einen gesunden kreativen philosophischen Ansatz für das Tun zu finden, könnte man alternativ diese in die Freizeit verlagern. Selbstverständlich freiwillig und auch nur dort, wo das gewollt, gar begehrt wird.

 

 

Man könnte Arbeitnehmern, je nach Talentlage, Interesse, Befähigung und Zeit, beispielsweise die Möglichkeit geben, sich nicht nur allein betrieblich fortzubilden, sondern auch die eigenen Talente in diesem Zusammenhang aktiv zu fördern (welche immer das sein mögen). Es kann Sport, Musik, Handwerk, kreatives oder soziale Wirken bedeuten, wo man für wenige Stunden in der Woche oder im Monat eine tatsächliche Sinnstiftung persönlich erlebt... wenn man das allein zuhause und in der Freizeit nicht hinbekommt. Und darunter leiden tatsächlich mehr Menschen als man denkt.

 

Einen überschaubaren Bereich schaffen, wo man mit seinen speziellen Talenten, Neigungen und Begabungen gewertschätzt wird und auch zeigen kann, was man sonst noch draufhat. Und warum das Ganze nicht auch eh mit einer betrieblichen Fortbildung verbinden und nutzen! Zwei Fliegen mit einer Klappe! Eine kleine Auszeit, wo Lernen besonders viel Spaß macht, weil es unter einem besonderen Augenmerk steht.

 

 

Hier könnten Unternehmen dazu beitragen, dass vor allem all jene Mitarbeiter, die zwangsläufig nicht den Lebenssinn in der Tätigkeit selbst finden können  die Erfahrung einer "beseelten" "Arbeit" machen. Wer dies auf die zu ihm passende Art erfährt, schüttet nicht nur mehr Endorphine, Glückshormone aus, sondern ist zufriedener, stabiler, weniger anfällig, lebenszugewandter.

 

 

Solche Faktoren führen dazu, dass auch Krankmeldungen weniger werden, weil Arbeitnehmer in jedem Fall auch bei notwendig stupider Arbeit doch zu sinnerfüllten Stunden in der Woche/im Monat kommen, die sie zu schätzen wissen.

 

 

Man kann mit kleinen Gruppen arbeiten, kleinen Einheiten, damit es überschaubar bleibt. Man könnte die Bedürfnisse abfragen, wie die Arbeitnehmer selbst zu ihrer persönlichen Sinnfindung stehen und dann erwägen, ob man diese neuartigen Bemühungen um eine erweiterte Unternehmenskultur in kleinen Schritten einführt.

 

 

Wer Purpose in seinem Unternehmen ernsthaft entwickeln will, sollte die Grenzen sprengen und über die Arbeitszeit hinausdenken. Denn die bisherige Trennung von Freizeit und Arbeit muss nicht das letzte Wort in dieser Sache sein, sondern kann auch auf gesunde Weise miteinander verquickt werden.

 

Menschen, denen man auf neue Weise die Möglichkeit gibt, ihre Talente grundsätzlich und überhaupt erst einmal zu entdecken und auszuleben, bereichern ihr eigenes Leben enorm, was jedem Unternehmen nur zugutekommt. Erst recht, wenn das Unternehmen der Kreator in der Sache ist.

 

 

Casus Knacksus: Die Finanzierung in Zeiten einer Wirtschaftsflaute. Hoffen wir, dass das nur ein vorübergehendes Problem ist.  Langfristig gesehen wäre es ein neuer Schritt in Sachen Unternehmensbindung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und vor allem auch das Erleben von Freude am eigenen Tun, wenn es in der Arbeit schon nicht immer möglich ist.

 

Zusammenschlüsse größerer Firmen zu kleinen kreativen Einheiten (z.B. auch Wochenend-Seminare) könnten hier auch ökonomisch sinnvoll sein.

 

Warum nicht: Leben um zu arbeiten - Arbeiten um zu leben in neuer Sinnstiftung zu Wohle des Ganzen!?

 

 

 

29.06.2022

 

Verwirrte Erinnerungen

und

erwünschte

Ent-Täuschung

nach medialer Durchseuchung

 

 

Was habe ich mit Afghanistan zu schaffen? Ungefähr ähnlich viel wie mit Kolumbien, Belutschistan oder Sierra Leone. Nämlich gar nichts. Ich kenne diese Länder nicht und auch niemanden persönlich, der dort gelebt hat. Dennoch habe ich zu Afghanistan in gewisser Weise ein "Verhältnis". Eine Art Erinnerungsverhältnis, weil uns über 2 Jahrzehnte ständig die Bilder von Kabul, Kunduz oder Kandahar um die Augen tanzten. Hässliche Bilder des Krieges, wie sie halt aussehen, wo viel getötet wird. Traumatisierte Soldaten, verzweifelte Mütter, hilflose Väter, in Fetzen herumlaufende Kinder, Hunger, Zerstörung, Tod.

 

Wie viele Kriege es seit meiner Geburt in diesem gebeutelten Land waren und mit wem sie ausgefochten wurden, muss ich erst nachlesen. Was ich mir quasi unbewusst merkte, waren Reizworte, Schlagworte. Die Taliban, Zerstörung der Kulturdenkmäler, die Russen, die Amis, die halbe Welt, die sich einmischte, mitmischte, nichts erreichte, aber Milliarden verpulverte. Und natürlich immer wieder der Terror. Im Fernsehen sah man ständig nur zerbombte Gebiete, Lehmhütten, Armut und irgendwie war nirgends grün, Freundlichkeit, Menschlichkeit.

 

 

Die Hölle an der Nahtstelle zwischen Ost und West. Und mittendrin Politiker-Tourismus. So die inneren Bilder, die ich erst gar nicht erzeugen musste, sondern die einfach da waren, wenn das Stichwort Afghanistan fiel.

 

 

Ich halte fest: Was mir zu Afghanistan ganz spontan einfiel, war medial geprägt. Es waren die Bilder und Informationen, die ich unkritisch und wenig informiert einfach nur wie nebenbei aufgenommen hatte – so wie der Rasen der Regen. Aber der Regen lässt den Rasen grünen, nährt ihn. Ich wurde lediglich mit – nein, nicht Fehlinformationen, aber mit mageren Anteilen der Wirklichkeit genährt und hielt sie für das Ganze (natürlich ohne Nutzung des kritischen Teils meines Hirns).

 

 

Und nun kommt "Der Drachenläufer " von Khalid Hosseini daher. Meine aktuelle Roman-Lektüre. Er lehrt mich das Staunen.

 

 

Ich lese ich von einem Afghanen (jetzt Amerikaner) über das Afghanistan der 70er Jahre. Ich bin bass erstaunt über meinen so völlig falschen Blick auf das Land, das ich nicht kenne. Doch um dieses Buch (2003 erschienen) und um Afghanistan geht es mir hier jedoch nicht, sondern um meinen völlig unbemerkten Irrtum meiner unzureichenden Sichtweise, die vermutlich fast jeder Mensch in irgendeiner Weise in sich trägt. Anhand dieses Romans wird es jedoch erbarmungslos klar.

 

Ich liebe es aus guten Gründen, ent-täuscht zu werden, sprich das Ende meiner unbemerkten Täuschung einzuleiten durch eine neue Sichtweise auf die Dinge. Nur wo werde ich von der Geisel des Irrtums befreit(er). Die Wahrheit kann sich mir nähern, sei sie mir unsympathisch oder lieb.

 

Warum aber, so frage ich mich, entwickelt man überhaupt Assoziationen von etwas, das man nicht kennt?  Warum also entstehen trotzdem innere Bilder, wenn man quasi unbeteiligt ist? Warum nur schiebt sich die Gegenwart über die Vergangenheit und trübt den Blick noch stärker? Ich weiß es nicht. Aber es passiert und sollte uns allen zu denken geben.

 

 

Ja, was verwunderte mich denn so? Diese afghanischen Kinder der 70er spielten dort Cowboy und Indianer! Westernhelden und edle Rothäute in Afghanistan? Wow! Ich rieb mir die Augen. Wie wir! Damit hätte ich nicht gerechnet. Sie trugen Jeans, die sie tatsächlich Cowboyhosen nannten. Wie wir. –  Sie schauten Filme mit John Wayne, lasen die Rittergeschichten von Ivanhoe und ließen Drachen steigen… wie wir! Wow… Ich fasse es nicht. Afghanistan so früh und stark unter kulturell westlichem Einfluss in dieser Weise!?

 

Da kommt schon etwas Scham hoch angesichts meiner Fehleinschätzung über andere Länder und Kulturen.

 

Was habe ich denn gedacht? Etwa, dass die Kinder der Reichen dort mit religiösen Figürchen aus Lehm spielen, statt damals schon mit elektrischer Eisenbahn, Transistorradios und all dem westlichen Pipapo. Ich habe gar nichts gedacht!  Das war ja schon ein Fehler. Nicht  denken, aber falsche Bilder zulassen und das nicht einmal selbst bemerken!

 

Woran, so frage ich mich, liegt das nur? Bin ich also doch viel mehr von den medialen Bildern infiltriert, gar durchseucht, als ich es wahrnehme und überblicke. Und wie ergeht es anderen Mitmenschen, die vielleicht weniger selbstkritisch sind? Ist nicht das auch eine gefährliche Gemengelage von Fehl-Einschätzungen rund um den Globus? Oder bin ich ein tragischer Einzelfall? Schmeiße ich durch die ewig immergleichen Fernsehbilder seit vielen Jahren irgendwie Vergangenheit und Gegenwart in einen Topf und bastele mir unschuldig, unbewusst und schrecklich uninformiert ein inneres Bild, das nur eines ist: falsch!?

 

 

Das Buch (ich habe es erst zur Hälfte gelesen!)  lädt mich - abgesehen von seiner anrührenden Geschichte - zu einer selbstkritischen Zäsur ein: Ich muss mich zukünftig vor manchen meiner inneren Bildern hüten, auf die ich hereinfallen kann, ohne  zu es zu bemerken, dass ich da überhaupt auf etwas hereingefallen bin.

 

 

"Der Drachenläufer" gehört zu den Büchern, die ich sehr gern zu Ende lesen werde. Verbunden mit der leisen Freude, von einer alten Täuschung meiner falschen inneren Bilderwelt nun endlich ent-täuscht, spricht: befreit zu sein.

 

 

28.06.2022

 

Mein Gott nochmal!

Mein ewiges Gemeckere!

 

Lass Gott aus dem Spiel! - stupst mich gerade mein innerer Zensor an. Ansonsten ist es ja recht bequem, hier immer nur rumzumeckern und nichts an den Zuständen zu ändern!

 

Jein, würde ich mal sagen. Denn auf der Grundlage von Argumenten zu meckern und nicht nur launisch aus dem hohlen Bauch heraus, braucht es zuerst einmal Information, die man sich beschaffen muss. Und dann eine Portion nachdenken, warum das, was geschieht, tatsächlich falsch, mies, dumm, unklug usw. ist und ob es nicht doch anders ginge. Vor dem Meckern steht also in der Regel ein bisschen Arbeit, will man nicht nur aus rein egoistischer Sichtweise rumzetern, jammern und nörgeln.

 

 

Bleiben wir fair. Wenn ich mich über Politiker aller Coleur aufrege, habe ich schon im Blick, dass vielen von ihnen die Hände gebunden sind. Der gute Wille ist da, allein es fehlt die Macht. Nein, eben nicht die des Faktischen, nämlich des Faktums der sozialen Übung und Gewohnheit, sondern die Macht der Veränderung.

Sie sind keineswegs frei in ihrem Handeln und dem Umsetzen guter Ideen. Und mir ist auch klar, dass es zum politischen Tagesgeschäft gehört, die tatsächlich oft desaströsen Zustände zu verharmlosen, zu verniedlichen und Hoffnung zu verbreiten… und nicht zu vergessen: Versprechen! Versprechen! Versprechen… meist in eine unkonkrete nebulöse Zukunft, wo dann die Voraussetzungen ganz andere sind.

 

Und wir fallen auch alle immer wieder darauf rein, weil wir es so gern glauben wollen, was wir da hören. Später reiben wir uns die Augen über all die Vertragsbrüche von Ost bis West, von Nord nach Süd und denken: Das gibt's doch nicht! Die zahlen einfach nicht! Liefern nicht... und was auch immer. Doch. Das gibt es. Auch auf hochoffizieller staatlicher Ebene. Legalisierter Betrug?

 

 

Was die Reizbegriffe von Versprechen und Zukunft angeht,  ist dennoch etwas mehr Realismus in die öffentliche Kommunikation eingezogen. Nicht weil nun alles doch ein wenig moralischer wird, sondern einfach, weil die Vorwarnzeit der Veränderungen immer kürzer wird.  Was leider nicht bedeutet: Jetzt wird's besser!  Im Gegenteil.

 

 

Die Zustände, wenn sie tatsächlich schlecht sind, aus dem Volk heraus zu beklagen, ist wichtig. Denn jeder berechtigte Vorwurf kann nicht laut genug geäußert werden, weil wir doch wissen, dass selbst unter Druck und Protest alles nur im Schneckentempo vorankommt, wenn überhaupt. Und protestiert niemand (worüber auch immer), passiert entweder nichts oder es verschlimmert sich in Windeseile, weil ja alles offenbar still hingenommen wird. Aber Regierungen sind nun mal dem Wohle des Volkes auch verpflichtet... und nicht nur dem Wohle der eigenen Staatspensionen.

 

 

Ist solcherart Meckerei nicht ungerecht? Würde man es selbst denn besser machen können, wenn man die Position des  so Geschassten innehätte? Reicht es denn aus, richtig gute Ideen zu haben? -  (Ich hätte da tatsächlich viele in gleich ganz vielen Bereichen.)

 

Nein – das reicht alles nicht aus, weil ständig neue Konstellationen zwischen dem parteipolitischen Farbenmix zu Macht, Wunsch, Machbarkeit, Finanzen, Wahltaktik und Erpressungen oder  finanzielle "Zuwendungen" (manche sagen das böse Wort "Bestechungen") von vielen Seiten viele gute Ideen im Keim ersticken.

 

 

Was da nach Luft ringt, ist oft die schiere Verzweiflung, die niemand hören will.

 

 

Eine Idee ist erst dann gut, wenn sie nicht nur die Zustände verbessern kann, sondern sie auch mehrheitsfähig ist, finanzierbar, nachhaltig. Daran scheitert so manche gute Idee schon im Vorfeld. Denn zu fragen ist: Gut für was oder wen, wie lange und wieso ist es wichtig? Oft wird aber gefragt: Wie billig ist es, wem kann man die Kosten aufdrücken, welchen Vorteil habe ich selbst davon, bringt er mir Wählerstimmen, kann ich mich damit profilieren?

 

 

Gestrige Morgenlektüre zum Frühstück. Nach den neuen Zahlen wurden über 287 Millionen Euro im letzten Jahr für Beraterverträge von unserer Regierung ausgegeben.  Allein über 230  Mio aus dem Bundesinnenministerium heraus. Wie viel davon wurde nun völlig umsonst verpulvert, weil letztlich nichts dabei rauskam?

 

Ist das zum Beispiel eine gute Idee - oder ein Grund zum meckern? Das ist für mich erstmal ein Schock, weil im Innenministerium eine Unmenge hochbezahlter Fachleute sitzen, die eigentlich selbst kompetent sein müssten, die Dinge zu regeln. Sonst brauchte man sie nicht als Experten und Fachleute einstellen, sondern als subalterne Verwaltungsangestellte auf mittlerem Rang. Das wäre dann schon wieder preisgünstiger und von steuerlichem Vorteil fürs Allgemeinwohl.

 

 

Es wäre dann eine gute Idee, wenn sich das auch wenigstens amortisiert. Das tut es fast nie. Das gehört jedoch unbedingt näher untersucht. Macht aber keiner. Es reicht, wenn es verpulvert wird. Dennoch interessant: Wer vergibt welche Millionen für "neue Experten-Ratschläge/Ideen" an wen? Wer wird dabei bevorzugt und verdient sich womit sein goldenes Näschen? Und könnte zu diesen Ratschlägen nicht auch das Heer der internen Fachleute kommen? Wozu gibt es denn die hochbesoldeten Beamtengruppen?

 

Wer nun hier kritisch mitliest, mag mir vielleicht ja eine gewisse Naivität unterstellen nach dem Motto: "Als wenn Beamte beispielsweise über komplexe Atomtechnik was zu sagen wüssten!" Das ist nur ein Beispiel von tausenden, die ich jetzt auf die Schnelle erfinden könnte. – Nein, ich bin nicht naiv und weiß sehr wohl, dass es immer auch bei komplizierten Fragestellungen Fachleute von außen braucht. Was ich mich frage, ist: Für welche Expertisen genau werden aber all die vielen Millionen tatsächlich ausgegeben – von wem für wen für welchen Zweck?

 

Ich habe mich gerade thematisch verrannt. Eigentlich wollte ich etwas genauer selbstkritisch über mein häufiges Meckern schreiben. Na ja, der Anfang ist gemacht. Ich denke, dass mache ich demnächst nochmals ausführlicher...

 

 

 

 

 

27.6.2022

 

Idylle, G7 und die ungebrochene Un-Lust auf das visuelle Grauen unserer Schuldenuhr

 

Ich bin zwar nicht so das mathematische Superhirn, aber ich rechne gern und habe mit Zahlen meinen Frieden gefunden. Mich fasziniert ihre Nüchternheit. Doch die findet oft dort ein Ende, wo sie in Kombination mit anderen Faktoren mir oft auch äußerst unschöne Emotionen beschert. Zum Beispiel bei den Staatsfinanzen, den Steuern, dem Schwarzbuch der Verschwendung. Da können mir dann schon mal die Haare zur Berge stehen; denn das elektrisiert mich geradezu!

 

Lust, da mal kurz einen Blick drauf zu werfen?

 

Besser: Es gar für ein paar Sekunden zu meditieren und die sekündlich verändernde Verschuldung in der oberen Leiste einmal mental zu schmecken - um eine genauere Vorstellung zu bekommen!?

 

(siehe Button unten)

 

 

Obschon von Mathematikern umgeben, können auch sie mir nicht mit schlüssiger Formel erklären, wie denn unsere derzeitige Schuldenlage im Verhältnis zu den aktuellen Staatsfinanzen incl. der kreativ herbei gezauberten Sondervermögen, beispielsweise nur allein die Sozialversicherungssysteme retten könnten. Dabei will aber vieles gerettet werden… doch droht im Schuldenmeer erbärmlich unterzugehen.

Mich umtreibt so etwas. Dies umso mehr, als ich da so überhaupt keine belastbaren Möglichkeiten sehe, ohne das Ganze nicht noch weiter zu verschlimmern.


Greifen aber weder nüchterne Formeln von Algebra oder Mathematik noch die Fantasie, sehe ich in die Düsternis. Also ins Nichts. Ins Nichts zu schauen, ist ziemlich… Na ja, ihr wisst schon!

 

Die Ausgaben des öffentlichen Gesamthaushaltes beliefen sich auf rund 1.162 Milliarden Euro. Daraus ergab sich für das Jahr 2021 ein negativer Finanzierungssaldo von rund 142 Milliarden Euro. Das ist die neueste Erhebung vom 28.4.2022. Also ziemlich nagelneu, nur heute schlechter. Sekündlich schlechter.

Drück den Button unten und grusel dich selbst!

 

Die G7 tagt im idyllischen Elmau. Schöner Ort, Filmkulisse. Und preiswerter als G7 in Hamburg, vermute ich mal. Allein schon wegen der Sicherheitsmaßnahmen. Aber das Späßlein kostet  trotzdem 180 Millionen. Umgerechnet in Weizen, Medikamente, Prothesen oder Haubitzen? Wer mag denn mal jetzt hochrechnen?

 

Mein innerer Zensor hebt die Augenbrauen ob meiner Bemerkungen. Natürlich müssen sie sich auch mal treffen! Aber muss es angesichts der desaströsen Lage selbst in den reichen Ländern immer so teuer sein? I

 

Wir haben Klimawandel-Umstellungskosten, krasse Unterfinanzierungen bei Renten, Gesundheitsausgaben, Sozialausgaben, Schulen, Straßen, Kinder, Jugend, Digitales, Bildung… und zahllosen anderen Bereichen. Wir müssten also Geld drucken. Dürfen wir aber nicht so ohne weiteres, weil… weiß jedes Kind. Verboten! Klappt auch nicht!...weil…

 

 

Worüber wird gesprochen? Immer über das gleiche, aber mit anderen Überschriften. Es geht um Geld, viel Geld und noch mehr Geld, … das nicht da ist. Und nochnochnoch mehr Geld das man aber braucht und nicht einfach drucken darf. Das Problem: Die reichen Länder sind längst nicht mehr so reich, wie sie wahrgenommen werden. Verschuldet über alle Ohren. Der Gag dabei: Es funktioniert aber noch immer, dass man als "reich" gilt – und dann auch Ansprüche hat, wenn man ärmer ist. Verständlich, fatal. Ob sie wenigstens die Spitze des Hungerproblems in den Griff bekommen?

 

 

Weder Ethik noch Ratio sind es, die die Weltpolitik bestimmen. Und es sind auch nicht die sieben mächtigsten Führer der reichen Welt, von denen wir hoffen, dass... Denn ihre Bekenntnisse sind unisono gut - und ihre Erfolge tatsächlich? Der Welthandel mit seinen immens feinen Verflechtungen sitzt nicht in den Parlamenten und Parteispitzen, wird aber von dort aus auch mit gelenkt… Und nun werden neue Allianzen gesucht. Indien, Indonesien, Südafrika... Wer von euch kommt mit ins Boot der EU, wenn Russland und China die neuen Bräute der Zukunft mit verführerischem Schleier locken?

 

Wer das alles nicht so genau wissen will, soll sich sein fröhliches Gemüt behalten und lieber nicht auf den Button drücken, der uns die nüchternen Tatsachen sekündlich neu vor Augen stellt.

 

 

 

26.6.2022

 

Zurückgeblieben, abgehängt?

Ich.  Oder?

Talentiertes Murks-Gen?

 

Zurückgeblieben. Abgehängt. So fühle ich mich bei meiner derzeitigen Lektüre. Science-Fiction, ein Roman. Ein Abtauchen in die Zukunft. Die Gegenwart nervt gerade ungemein mit kollektiver Idiotie weniger Mächtiger, die den Rest der Menschheit in Geiselhaft zwingen.

 

 

Ich schlage mich stattdessen vorübergehend mit neuen Begriffen herum. Meinem Hirn fremd, meinem Wesen fremder. Junge Menschen mögen nun laut auflachen. Mögen sich amüsieren, über die "Alte(n)" und ihre Unfähigkeit, Schritt zu halten. Ja, ich bekenne mich: Ich gehöre auch dieser sich lächerlich machenden Altersgruppe an. Denn ich muss all das erst recherchieren.

 

 

Zum Beispiel  upper fucking crust, Holocanvas, implantiertes Cogit, Qube (im Kopf), Cryptocarbon, subtraktive Holographie, Strippergoggles …nein, nicht googles, goggles. Ich könnte noch seitenweise solches Zeugs tippen, was ich nun neu zu lernen habe, um inhaltlich durchzublicken und sachgemäß klarzukommen. Ohne klarzukommen, macht Lesen keinen Spaß … und auch keinen Sinn.

 

Ich will aber Spaß. Und Sinn sowieso. Ich bleibe tapfer dran. Ich will ja nicht dümmer sterben, als unbedingt notwendig. Also lerne ich.  

 

Aber muss das alles so sein? Offenbar ja. Weil: Was einmal gedacht ist, ist in der Welt und zeigt zähes, störrisches Eigenleben. Egoistisch darauf bedacht, zu überleben und weitere Nachfolger zu zeugen, die noch kryptischer als diese Kryptologie ist.

 

 

Schlimmer geht immer. Das gilt auch für Ideen, Gedanken, Träume… oder Romaninhalte.  Denn die Wirklichkeit ist aus all diesen Zutaten gestrickt, die stärker und geheimnisvoller interagieren, als wir uns das vorstellen. Denn sie vernetzen sich auch dann, wenn unser Bewusstsein im Nebel dümpelt.

 

 

Muss man damit Schritt halten? Nein. Muss man nicht. Man kann es auch sein lassen, so wie man immer alles auch sein lassen kann. Man hat die Wahl. Und man trägt auch immer die Konsequenzen. So oder so. Egal, wie man sich entscheidet.

 

 

Wenn ich die Wahl habe, möchte ich so viel wie möglich verstehen. Auch wenn es das Nichtschöne betrifft, das Übel. Da wird das Verstehen oft noch wichtiger, weil… weil, dann kann man es besser verarbeiten, vielleicht sogar abstellen.

 

 

Und all diese neuen Begriffe, diese Worte aus der KI, SF, dem Roboting? Es nimmt ja kein Ende. Ja. So ist es. Nichts nimmt ein Ende… vermutlich auch nicht einmal die Wurst, weil sie auch weiter und weiter transformiert wird, einmal gegessen…(vielleicht bis sie dann doch wieder in einem Schwein landet aus dem sie wieder wird, frage ich mich gerade?)

 

 

Wie ergeht es anderen damit? – frage ich mich. Desinteresse? Ignoranz? Gleichgültigkeit? Zorn?... Waren nicht unter den begnadeten SF-Autoren nicht immer auch Hochbegabte, die tatsächlich die Zukunft vorwegnahmen? Auch welche, die warnten – aber niemand hörte auf sie?

 

Die oftmals dystopischen Bücher versetzen mich in die Zukunft der Protagonisten. Plötzlich wird meine Gegenwart geradezu "niedlich" mit ihren Problemen. Denn das mit der intelligenteren Alternative entpuppt sich oftmals nur als das verfeinerte Grauen.

 

 

Sprich: Was man falsch machen kann, wird auch weiter falsch gemacht. Auf Schlamassel-machen ist der Mensch recht zuverlässig geeicht. Vermutlich haben wir alle ein talentiertes Murks-Gen. Allerdings macht er es mit technisch raffinierteren Methoden und viel digitalem Aufwand und Fantasie.

 

 

Mein Verstand staunt.

Mein Gefühl stockt.

Und mein Finger tippt sich irgendwann an die Stirn.

 

 

Nun also lebe ich für ein paar Tage in futuristischen Räumen. Lasse mein Hirn kurzzeitig annektieren und sehe durch meine holographischen Augenlinsen die Welt nun völlig anders.

 

 

Die falsche Wirklichkeit changiert nun in jenen Farben, die ich mir wünsche. Wunschrealität inmitten eines irren realen Chaos. Alles perfekter als heute: Das Übermorgen, alles auch grauenhafter. Das eine schließt das andere nämlich nicht aus.

 

 

Man muss nur genau hinschauen, hineinlauschen. Fühlen.

Aber vielleicht ist dieses eigentümlich individuelle Fühlen dann auch schon längst Vergangenheit? Weil… und nun könnte ich an dieser Stelle einen eigenen  Roman-Plot entwickeln, warum das Gefühl des Menschen unbedingt eliminiert werden muss, weil es das Gesamtgefüge einer jeder Perfektion doch immer wieder neu irritiert und chaotisiert. Es will immer irgendwas. Dieser Störenfried.

 

 

Viel, viel fällt mir schon spontan dazu ein.

Aber das lass ich mal lieber bleiben…fühle ich gerade!

 

PS.

Stunden später. Lesezeit später. 53 Seiten weiter. Ich habs geschmissen. Nicht wegen der neuen Begriffe. Dafür hatte ich ja noch Ehrgeiz. Nein, stilistisch zu anspruchslos. Wende mich jetzt Afghanistan zu. Dem Drachenläufer. Schon alt. Ehemals hochgelobt. ... Aber ich hinke halt literarisch immer zeitlich hinterher.  Noch mehr und schneller lesen is nich...

25.6.2022

 

Phase der Fassungslosigkeit

 

Bald ist Zahltag!  

 

Man bereitet uns nun täglich vor. Tausend bis zweitausend Euro pro Haushalt erwarten uns allein bei der Gasnachzahlung zum Jahresende.  Strom verdoppelt sich auch in etwa. Aber damit ist es noch nicht getan. Sagt man uns. Vielleicht wird es auch das Sechsfache. Die Preise trudeln im freien Fall: nach oben! Wer mit Öl heizt, ist nicht besser dran. Die Anbieter auf dem Markt dürften sich bei der Preisgestaltung nicht sonderlich groß unterscheiden.

 

Unterscheiden wird sich jedoch: Wer kann es bezahlen wer nicht!?

 

Und was passiert, wenn viele Menschen diese 1000 bis 2000 Euro  einfach nicht haben? Werden sie aus ihren Wohnungen rausfliegen?

Wird das Gas abgestellt?  

Was ist, wenn da Kleinkinder, Kranke, Alte wohnen? Was kommt da auf uns zu?...

 

Ein Banker erzählte mir einmal, dass es ziemlich üblich für viele Menschen sei, für Sommerurlaube Kredite aufzunehmen. Ich zog die Augenbrauen hoch – nicht etwa, weil ich für diesen Wunsch kein Verständnis hätte, sondern eher selbst anders in Sachen Ausgaben ticke. Was ich mir nicht leisten kann, brauche ich nicht dringend. Mit Strom, Gas, Wasser stellt sich diese Frage jedoch nicht in dieser Weise: Das braucht man und gehört nicht zum Luxus. Und doch wird es einer! Gäbe es dafür überhaupt Bankkredite? Vermutlich nicht - weil: So schnell steigt kein Gehalt für die Abzahlung! Und wenn doch: Droht uns dann galoppierende Inflation!? 2 Billionen für ein Brot. Man denke an die Hyperinflation 1923... Ach, das kann uns doch nicht mehr passieren - sagen Experten.

Dann bin ich mal gespannt!

 

Es kommen nun immer schneller völlig neue Lebensumstände oder Unzumutbar-Zustände auf uns zu, die noch so oft täglich über die Medien kommuniziert werden können: Doch bis sie realistisch  in unserem Alltagsleben Anker und unserem Bankkonto werfen, kommt wohl vorher noch eine kurze Phase der Fassungslosigkeit auf viele von uns zu. Spätestens am Zahltag!

 

Was mühsam erspart wurde: futsch! ... Wegen eines irren Krieges, der Abermillionen von Menschen in kollektive Geiselhaft nimmt.

 

Ist nichts erspart: Was dann?

 

Der Industrie wird zuerst der Hahn abgedreht. Die Privatleute kommen als Letzte dran. Ohne Industrie und Handel: Keine Arbeitsplätze. Droht Massenarbeitslosigkeit? Wie viele Firmen müssen für immer schließen? Ohne Arbeit kein Einkommen... Ohne Steueraufkommen keine Rente.

 

Zusammenbruch der Sozialversicherungssysteme, die längst überschuldet sind?

 

Was dann? Wie und wie lange? Mit welchen Folgen? Krebs-OP oder Blinddarm-OP nur noch gegen Vorkasse?

 

All das sagen sie nicht laut. Ich verstehe es. Aber was davon droht tatsächlich in überschaubaren Wochen und Monaten falls der Krieg weitergeht. Experten sprechen von bis zu fünf Jahren. Hoffen wir, dass sie danebenliegen!

 

Vorbereitung auf das Unvermeidliche: Ja!  - Aber bitte keine Panik!, denn es kommt vermutlich schlimmer als ihr ahnt! Man braucht nicht sonderlich viel Intelligenz um die Gedankenschlange weiterzudenken, wie alles dann wie Dominosteine kippt.

 

Noch haben wir Glück. Bei uns schießen keine Haubitzen. Doch machen wir uns auch nichts vor: Wir befinden uns trotzdem in einem wirtschaftlichen Vernichtungs-Krieg. Und wie sensibel alles von allem abhängt: Allein der Faktor Gas, nur einer von ganz vielen, zeigt es uns deutlicher als wir es ertragen können.

 

Das Leben, das wir kennen und lieben,

wird nun auf den Kopf gestellt.

 

Viele hören es, aber begreifen es noch nicht wirklich. Sie flanieren noch durch die sommerlichen Städte, schlecken ihr fruchtiges Eis und sind noch jenseits von Gut und Böse. - Genießt es! Solange es noch geht!

 

Die heftigen Turbulenzen des Winters mag ich mir noch gar nicht vorstellen. Eskaliert dann auch einmal wieder eine der ständig neuen Corona-Mutanten und beschert millionenfach grippeähnliche Symptome, die viele Menschen schwächen und bettlägerig  machen, dann müssen wir wohl oder übel so ohne Gas  in kleinen Schritten schon einmal "Zukunft überleben üben".

24.6.2022

 

Der giftige Atem der Tundra

oder

Warum die Ideallösung mal wieder mies ist

 

 

 

Ich liebe Dokumentationen. Das umso mehr, wenn sie auch noch in der Lage sind, mir etwas Hoffnung in einer recht hoffnungsarmen Zeit für die Zukunft zu machen.

 

So sah ich kürzliche eine interessante Doku über die neuen Projekte, mehr Seegraswiesen in den Ozeanen anzupflanzen. Denn das ergibt ganz respektable CO² Speicher. Seegraswiesen schaffen die doppelte Bindung des klimaschädlichen Gases als ein gesunder Wald. Und das brauchen wir dringend!

 

Soweit der erste Teil der guten Nachricht.

 

Tolle ökologische Initiativen gibt es da mittlerweile, denn vom CO² haben wir gerade mal viel zu viel – und durch die Kriege und all die globalen Turbulenzen um die Energieknappheit weltweit wird sich das Ganze noch steigern, weil wir nun erst einmal wieder zurückgeworfen werden. Denn wir wissen, dass die Auswirkungen der Emissionen ja immer noch Jahre hinter der Verursachung hinterherhinken. Und steht also eh noch viel bevor, … bevor wir die eigene Spitze unserer Umweltzerstörung in ihren Auswirkungen höchstpersönlich erleben und erleiden müssen.

 

 

Aber über die Speicherkapazität hinaus sind Seegraswiesen hervorragende Kinderstuben für mediterrane Vielfalt mit gleich vielen nützlichen Eigenschaften. Es ist ein schützendes Habitat für Garnelen, Hummer, Seepferdchen, Quallen und viele Fischarten, Seesterne, Weichtiere und wichtige Mikroorganismen, die für die Gesundheit unserer Meere sorgen, die wir Menschen so gründlich vermüllen und zerstören.

 

Doch leider gibt es da auch einen bitterbösen Haken.

 

Der kam in der Doku nicht zur Sprache. Denn dieses schützende Seegras lässt neben der Bindung von CO² leider auch viel Methan in die Erdatmosphäre frei, selbst noch nach dem Absterben der Pflanzen. Und das können wir nun gar nicht gebrauchen, weil Methan 25-mal mehr in der Lage ist, Wärme in der Erdatmosphäre zu speichern als Kohlendioxid. Das bedeutet, dass eine unkontrollierte Methanproduktion  der CO2 speichernden Seegraswiesen die Bemühungen von Wiederaufforstungsprojekten in den Meeren untergräbt.

Zudem kommt die noch unübersehbar gigantische Methanausstoßbelastung auf uns zu – man nennt ihn den Atem der Tundra - durch die auftauenden Permafrostböden der nördlichen Hemisphäre – also wieder nichts mit wirksamen Schutz?

 

 

Vom Letzteren war in der zunächst so zuversichtlich klingenden Doku nämlich nicht die Rede. Das musste ich mir dann erst einmal wieder zusammenrecherchieren, um mein gerade eben hoffnungsvolles Zukunftsbild gleich wieder auch zu zerschmettern – zumindest an dieser Stelle.

 

So kam nach der Freude der Frust.

23.6.2022

 

 

Ein ganz normaler Tag

 

Und Mirko bekommt eine sechs

 

 

Erst 92 Tote, dann plötzlich waren es über 1000 Tote. Wie viele am Ende genau, werden wir dann in den nächsten Tagen erfahren. Erdbeben in Afghanistan. Was machen die Menschen da nun seit so vielen Jahren mit! Die Internationale Hilfe wird spärlich sein. Die Sache mit den Taliban ist mehr als schwierig und bleibt es.

 

Wie viele der westlichen Waffenlieferungen sind eigentlich genau schon von den Russen in der Ukraine vernichtet worden, bevor sie je zum Einsatz kamen? Immer wieder liest man so etwas Vages darüber, aber vielleicht ist es besser, wir wissen auch das nicht so genau. Alles nur Russenpropaganda – oder werden sie tatsächlich schon auf dem Hintransport massenhaft zerstört? Immerhin: Man kennt doch die Route und so ein Marder ist ja nicht winzig.

 

Mirko hat eine sechs in Mathe. Nicht im Zeugnis, nur in der Klassenarbeit. Das ist gemein und sachlich begründet richtig. Denn alles war falsch. Gemein ist es aber trotzdem, weil Mirko das alles kann. Nur fiel es ihm gerade nicht ein. So ist das nun einmal mit dem menschlichen Gedächtnis. Es ist unzuverlässig. In Politik, Mathe und Erinnerung aller Art. Armer Mirko. Mach dir nicht zu viel daraus. Es gibt Schlimmeres als wütende Eltern, die denken, du seist doch  nur faul.

 

Die Po-Ebene in Italien ist quasi ausgetrocknet. Monatelang kein Regen. Die italienische Ernte aus dieser Region: futsch. Wir haben erst Juni. Der Sommer ist heute 2 Tage alt. Nur mal angemerkt.

 

Zähneputzverbot in Frankreich. Wo genau? Weiß ich nicht mehr. Aber dort, wo auch gerade heftige Dürre ist. Zu wenig Wasser. Aber eigentlich nicht zu wenig zum Zähneputzen, sondern zu wenig zum Verschwenden, indem man beim Zähneputzen den Wasserhahn laufen lässt. Ehrlich, ich fasse es nicht, wer denn ernstlich so einen Blödsinn macht! Wasser laufen lassen beim Zähneputzen! Oder die Idioten, sorry, die um einen Apfel abzuwaschen, auch literweise Trinkwasser volle Kanne aufdrehen für den direkten Abfluss in den Kanal – da könnte ich nur noch schreien! Wir sind noch im Juni, Leute, nochmals angemerkt für euch Schnellmerker.

 

Ich plädiere für ein europäisches groß angelegtes Aufklärungsprogramm von Kindern bis zum Greis zum Thema: Wie ich mit minimalem Wasserverbrauch gesund und sauber bleiben kann!

 

Los, Robert, Annalena, Cem.. macht eure grünen Hausaufgaben! Immerhin ein Wirtschafts- Europa/Außenpolitik- und Öko-Thema zugleich! Wasser ist die Waffe der Zukunft. Nicht der Marder!

 

Lindner warnt offen: Mindestens 5 harte Jahre mit Entbehrungen. Ich glaube ihm die fünf Jahre, aber bis dahin sind der Klimawandel und die Wasserproblematik fröhlich weiter fortgeschritten. Die Hitze und Dürre auch. Deshalb glaube ich ihm nicht. Es werden mehr Jahre. Aber wir können uns ja schon mal an die 5 orakelten schlechten Jahre langsam gewöhnen. Wir sind ja Gewohnheitstiere. Vielleicht haben wir in Jahr 7 dann weniger Durst?

 

Die Rentensache wird immer prekärer. Das weiß man seit Jahrzehnten. Aber das Thema ist so heiß und groß wie der Klimawandel. Gefühlt noch größer.  Deshalb lässt man besser die Finger davon, wenn man selbst gerade regiert. Nur die Opposition jammert auf. Allerdings nur so lange, wie sie Opposition ist. Es gibt eben Themen, die sind viel zu groß, kompliziert und wahlbeeinträchtigend, als dass man sich da herantrauen dürfte.

 

Massenschlägerei im Berliner Schwimmbad. Diesmal ging es nicht ums Oben-ohne-Thema (siehe meine kritischen Anmerkungen vom 18.6.22 )… oder doch?  Die jugendlichen Schläger mal wieder mit Migrationshintergrund. Nein, das ist keine rassistische Verunglimpfung, sondern nur eine Tatsache. Las ich.  Das Thema ist mittlerweile in der Gesellschaft angekommen. Welches von beiden? Beide. Waren eigentlich kleine Kinder dazwischen? Immerhin ein öffentliches Schwimmbad. Das tummeln sich auch Kleine, Alte, Unfitte und Schläger aller Coleur. Deutsche Schläger sicherlich auch.  Ich hab's nur überflogen, mich gegruselt und dann nach einer guten Nachricht Ausschau gehalten.

 

Vielleicht hätte ich im Sportteil suchen müssen? Da gewinnt doch immer einer, wenn ein anderer verliert. Wenigstens hier ist die Welt so in etwa in der Waage. Manchmal sogar gefühlt juristisch. Hoeness saß, Becker sitzt. Beide wegen Knete. Aber das sind nur Marginalien des Lebens.

 

Im Feuilleton jedoch ist schon wieder der Teufel los… und die Sau… ach Herrje, Sauerei… Kassel!

 

Ein ganz normaler Tag.

 

Tote, Verletzte, ungeputzte Zähne, eine sechs in Mathe, Schlägereien, Hitze, bald keine Rente, dafür aber 5 magere Jahre, denen vielleicht noch dann dürstende Jahre folgen.

 

Vielleicht das noch: Die Blutfettwerte von Marga sind besser geworden! Na, geht doch!

22.6.2022

 

Von echtem Verrat, falschen Verrätern

und Dual-Use-Geschäften

 

 

Ich sah mir gestern Abend noch einmal die Filmbiografie über Katherine Gun an. Die mutige Übersetzerin beim britischen Geheimdienst, die den Irak-Krieg verhindern wollte, weil er auf einem Lügengebäude argumentiert und befehligt wurde.

 

Danke Herr Blair, danke Herr Bush, Sie und alle, die sie damit  Tausende von Toten auf dem Gewissen haben. Wie nur lebt es sich damit?

 

Für mich sowohl ein Be- wie auch Gedenkfilm an alle die mutigen, tapferen, ja auch tollkühnen Whistleblower der Welt, die dieselbe ein klein wenig gerechter machen woll(t)en. Die politische Schweinereien zwischen und hinter den Kulissen auch demokratischer Staaten aufdecken, beweisen und sich damit schuldig machen! Wer die Wahrheit sagt: ist ein Verräter. Wer tausendfach Menschen aufgrund von Lügen in den Tod schickt, den deckt das Gesetz. So sieht die Sache aus.

 

Werden sie erwischt, wandern sie für Jahrzehnte hinter Gitter. Sie tun es trotzdem. Für die einen sind sie Verräter am Vaterland, für mich sind sie Helden im Namen von Wahrheit und Gerechtigkeit. Sie opfern sehenden Auges ihr Leben für eine höhere Sache - zum eigenen Schaden. Was also kann ein Mensch mehr geben?

 

Nicht nur Katharine Terese Gun gehört zu diesen Heldinnen und Helden, sondern auch Assange, Snowden, Ellsberg, Manning, Feldt, Tripp  und eine Reihe anderer, die meine Hochachtung haben.

 

Assange wird wohl bald an Amerika ausgeliefert… 175 Jahre Haft drohen ihm. Es ist eine Schande, dass sich nicht die ganze Welt mutig für ihn einsetzt. Die Welt sollte sich schämen. Aber das tut sie nicht. Sie schaut lieber weg. Das ist angenehmer.

 

War da was?

 

Whistleblower sind Verräter nach dem Gesetz.

Ein Gesetz, bzw. eine ganze Reihe von Gesetzen in vielen auch demokratischen Ländern, die so gefeilt, formuliert und zurechtgebogen sind, dass es die wahren Kämpfer gegen das Unrecht zu Verrätern und Verbrechern stempelt. Und das im Westen, der doch soviel auf Ethik und Moral gibt! Sollen wir darauf auch  noch stolz sein? Ignorieren ist einfacher. Selbst schuld, wenn sie es tun!? - Für wen? Für uns alle, die es nicht tun würden, wenn sie an entsprechenden Quellen säßen.

 

Und die Geheimdienste? Wer hat da eigentlich wen am Angelhaken oder gleich im tödlichen Würgegriff darf man sich bei vielen Regierungen fragen: Die aktuell vorübergehend demokratisch legitimierten Mächtigen die Geheimdienste – oder umgekehrt?

 

Es ist ein perfides Spiel um Wahrheit und Lüge, Macht und Missbrauch, der so alt ist wie die Welt. "Freunde ausspionieren geht gar nicht", log 2013 auch Merkel wider besseres Wissen, weil sie es schon immer besser wusste! Denn jedes Kind weiß, dass rund um den Globus spioniert wird. "Freunde"! Denn wozu gibt es Geheimdienste, die auch eine Stange Steuergeld kosten, wenn man nicht spioniert? Und wer sind denn die Feinde? Ist das wirklich immer so eindeutig – oder werden nicht ständig auch "unter Freunden"  neue Allianzen und Koalitionen geschmiedet, wenn persönliche Machtverhältnisse wackeln?

 

Im Anschluß nach dem Film sah ich dann ein passender Frontal-Bericht - eine  Leak-Doku über die Kalaschnikows. Und die Problematik der Dual-Use-Güter… also jene feinen oder profanen, sensiblen oder geheimen Zutaten, die man auch wunderbar fürs Militär braucht – zugleich  als Notwendigkeit für zivile Güter locker verschleiern kann, wenn es mal wieder um satte Exporte geht im blutigen "Kriegshandwerk".

 

Natürlich gibt es auch dafür Vorschriften und Gesetze. Darin waren wir schon immer klasse! Aber wer kontrolliert was und wen? Und wer interpretiert, verfolgt, recherchiert… Immerhin bestehen auch Kriegswaffen unter anderem aus Schrauben, Glas, Software, Blech und co. Im großen Maßstab floss dieses militärisch dringend benötigte Zeugs von Deutschland – na, wohin? Ja nach Russland. Kurz vor dem Krieg gegen die Ukraine. Oder sollte man sagen. Für den Krieg?...

Wusste ja keiner!

 

Krieg bleibt ein blutiges und lohnendes Geschäft für viele. Gründlich in beidem: Viel Blut, viel Gewinn = viel blutiger Gewinn! Die Aktionäre der Rüstungsindustrie jubeln! Bald gibt es 100 Milliarden zusätzlich! "Sondervermögen"... klage da nur keiner über die kreativen Wortfindungen!

 

Warum nur gibt es immer noch kein Gesetz,  das alle Befehlshaber von Kriegen höchstpersönlich an vorderste Front zu kämpfen befiehlt! Solange bis er zu Ende ist…

 

Wer überlebt, dürfte vielleicht dann geläutert sein.

 

Und wer stirbt, braucht nicht mehr vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden.

 

21.6.2022

 

Kriminelle Talente

 

Viele Menschen haben keinen Job und gäben Gott weiß was dafür, wenn sie sich für ein paar Euro schinden dürften. Andere Menschen haben einen Job und schinden sich zu Tode. Dann jene Regionen in der Welt, die auch schon Kinder dem Verderben tödlicher Arbeitsbedingungen aussetzen.  Drecksjobs… Schei…Jobs, Hungerlohn, Ausbeutung,  Repression Sklaverei – modern? Nein, uralt und noch immer en vogue und kommerziell für die Ausbeuter erfolgreich.

 

Und dann gibt es die Anderen. Sie sehen einen tollen Schlitten. Locker 100.000 Euro wert. Cleverlis, die sich auskennen mit der modernen Elektronik.  Denn die wurde ja nur von Menschen erfunden, also ist sie auch von Menschen zu knacken. Wäre doch gelacht. 10 Minuten. 100.000 Euro mehr im Besitz. Lohnt sich doch!

Und dann damit vors Sozialamt. Abkassieren. Hunderttausende. Ein Märchen!? Nein. In Deutschland brutale Realität.

 

Und dann gibt es noch ganz andere, die ein bisschen mehr, gut oder gar unverschämt viel verdienen. Ich kann sie nicht alle aufzählen. Es sind zu viele in zu unterschiedlichen Gewerken zwischen Maloche, Ehrlichkeit und Betrug.

 

Die Letzteren, die sich auf Betrug spezialisiert haben, haben das Sahnehäubchen gewählt – solange sie nicht erwischt werden. Viele werden nie erwischt. Sie beginnen jung und kriminell höchst talentiert und sterben, mit etwas Glück, steinreich und alt.

 

Zwischendurch hat es sie hier und da vielleicht einmal was Nerven gekostet. An überaus kenntnisreichen Anwälten sollte man nicht sparen. Das wäre Geiz an der falschen Stelle. Clevere Anwälte hauen einen raus. Erst recht wenn man Clanmitglied ist. Der Besitz läuft über die Oma. Die hat immer ein Alibi. Oder die Großtante vierten Grades. Alles kein Problem in Deutschland. Da geht noch mehr. Wir sind da ungemein flexibel im Zulassen von Irrsinn. Aber wehe, da angelt mal einer einen Fisch ohne Angelschein. Dann setzt es was.

 

Und der Staat? Macht er nichts dagegen? Immerhin ist es seit vielen Jahren bekannt, es gibt Strukturen, Verbindungen, Querverweise, man kennt Namen, Immobilien und co.

 

Der Staat spielt Gott. Und das bisher sehr gekonnt: Er lässt geschehen! Friede sei mit euch allen!

 

Er ignoriert weitestgehend die allseits bekannte Realität und sendet hier und da eine Protestnote zu. Oder veranstaltet hier und da mal eine kleine Razzia, um bei 231 Verdächtigen mal gerade zwei pro forma in U-Haft für ein paar Stündchen zu arrestieren... und dann schaunmermal…

 

Wer denkt da nicht an juristische Kosmetik der Legislative und Judikative zugleich?

 

So manche vorteilhafte Vernetzung bis in die Polizeistruktur hinein könnte auch ein spannendes Thema sein. So geht es landauf, landab, egal wo sie herkommen. Sie sind da. Sie haben uns im Griff. Sie zeigen uns wie es geht. Und wie man sehr schnell mit sehr wenig Arbeit zu verdammt viel Geld kommen kann. Voilá!

 

Ob sie nachts ein schlechtes Gewissen drückt? Von einer solchen Vorstellung habe ich in diesen Zusammenhängen noch nichts gehört. Vergessen wir also die Sache mit dem Gewissen und auch gleich die Frage nach der Moral. Moralfragen in diesem Zusammenhang stören nicht, weil es sie nicht gibt. Was geht, geht eben.

 

Wir drehen uns weiter fröhlich im Kreis zwischen Gut und Böse, arm und reich, ehrlich und betrügerisch. Wer die Dummen sind, erleben wir.

 

Aber haben die Dummen die Folgen ihrer Dummheit nicht selbst verdient? Es ist doch nicht so, als ob es auch anders ginge!

20.6.2022

Wie ein Fähnchen im Winde…?

 

Über den holprigen Weg von deiner Meinung zur neuen Erkenntnis

 

 

Irgendwer fragt dich um deine Meinung. Will wissen, was du denkst. Will dich und die Sache, um die es geht, besser kennen lernen. Und nun fragt er dich. Egal, wozu. Such dir ein Thema aus. Am besten eines, wo du dich schon ein klein wenig sicher fühlst.

 

Du bist gespannt auf die Frage. Im Moment ist sie zwar nur imaginär, weil wir hier ein wenig spielen. Aber was hier Spiel ist, kann morgen ja auch ernst sein. Sei es in der Familie, unter Freunden, auf der Arbeitsstelle.

 

Die Frage kommt. Sie ist verständlich formuliert. Die Sache scheint einfach. Du kennst dich aus. Du antwortest. Der Fragesteller zieht die Augenbrauen hoch. Ach, so siehst du das? Ja. Sagst du. Im vollen Brustton der Überzeugung. Weil… Und dann argumentierst du. 

 

Natürlich kannst du das. Bist ja nicht blöd. Bist gut informiert. Es wird schon seinen Grund haben, warum man ausgerechnet dich fragt. Das aber denkst du nur. Das sagst du nicht. Das wäre peinlich. Obschon. Wieso eigentlich? Darf man dann nicht kompetent in einer Sache sein und offen dazu stehen?

 

Die Sache scheint gegessen. Wochen später wird das Gespräch nochmals reflektiert. In der Zwischenzeit ist aber einiges geschehen. Denn deine Antworten haben Eindruck hinterlassen. Das konnte man wahrnehmen. Aber gerade dieser Eindruck war es, der dich selbst innehalten ließ. Wieso? Weil du auf der Suche nach einer noch besseren, treffenderen Antwort suchtest? Weil du dich selbst hinterfragtest? Plötzlich warst du selbst dir nicht mehr gut genug.

 

Und dann passierte es. Das eigentlich Undenkbare. Du machtest eine Kehrtwendung in der Sache. Denn dir fielen nicht nur mehr Argumente für die eigene Argumentation ein, sondern plötzlich auch immer mehr Gegenargumente, wie man es aber auch sehen könnte. Was alles noch zu beachten ist. Ob es nun einem selbst passt oder nicht. Darum geht es doch nicht, wenns ums Denken geht. Denn man kann fast alles von sehr verschiedenen Seiten aus betrachten. Man muss seinen Grips halt nur etwas anstrengen. Vor allem darf man sich auf dem bisherigen Wissen nicht ausruhen. Man muss die Sache tiefer denken. Weiter. Ja, auch quer – aller Querdenkerei zum Trotz. Was dabei herauskommt, hängt von der Güte des Denkens an sich ab. Es geht um deine Denkqualität.

 

So. Und nun seid ihr wieder zusammen. Sprecht über das Thema erneut. Nun bist du anderer Ansicht. Ein großes Staunen erfüllt den Raum. Ei, wie das? Wieso die Kehrtwende? Das hörte sich doch alles letztens so schlüssig an. Und nun? Mal so, mal so? Wie ein Fähnchen im Winde? Welch merkwürdiger Luftzug zog da durch dein Gehirn?... Wie soll man sich denn auf dich verlassen, wenn du mal so und mal so argumentierst?...

 

Berechtigte Fragen.

 

Du hast einen Prozess mitgemacht. Die anderen wissen nichts davon. Du hast neue Erkenntnisse bekommen. Diese Erkenntnisse zwingen dich geradezu, deine Meinung zu ändern. Nein, es ist eben nicht wie das Fähnchen im Winde ein beliebiges gedankliches Flattern, sondern jetzt hast du eine größere Urteilskompetenz als zuvor. Das sollte dir gefallen. Ob es die letzte Variante ist, bleibt offen. Denn du stehst, wo du stehst. Neue Schritte in noch tiefere Erkenntnis müssen neu vollzogen werden.

 

Antwort auf die berechtigten Fragen:  Verlass dich niemals auf mich! Verlass dich auf dich selbst! Aber qualifizier dich auch dafür! Zum Beispiel in dem du immer auch das Gegenteil mit bedenkst, von dem, was du gerade bedenkst. Denk es anders, denk es neu. Bleib offen in deinem Urteil. Überlege, ob du alle Sichtweisen, die dir möglich sind, schon einbezogen hast. Oder hast du nur nach Sympathie oder Antipathie geantwortet?

 

Verlass dich auf dich selbst, wenn du Antworten bei anderen suchst. Andere sind anders als du. Eure Welten sind verschiedener als du glaubst. Auch während eines gemeinsamen Ereignisses, das ihr erlebt.

Das macht Menschsein so spannend!

 

19.6.2022

Affenhitze

 

Europa im beginnenden Fieber

 

 

Noch gibt es Wasser. Noch gibt es Eis nicht nur beim Italiener. Noch gibt es Strom für Kühlgeräte und meinen PC. Sogar noch Gas gibt es für die, die in der Hitze heiß duschen müssen. – Ansonsten dürfen wir uns aber bald warm anziehen, um in der Hitze des Klimawandels zugleich nicht zu unterkühlen. Das klingt absurd, ist aber so.

 

Überhaupt häufen sich die Absurditäten derzeit überproportional, wenn man nur genau genug hinschaut. Täten das viele, könnte Panik hochsteigen.Wir werden zwar alle mental und psychisch auf harte Zeiten vorbereitet, dennoch ist es mit der Realisierung des Wissens so eine Sache. Tagtäglich erfahren wir in erträglicher Nachrichtendosis, an deren Tropf wir hängen, was uns blüht – respektive demnächst alles nicht mehr blüht und damit auch nicht erntereif wird.

 

 

Höhlt steter Tropfen nicht nur den Stein, sondern auch gleich das Bewusstsein? Nein. Wasser und Stein sind trotz Schneckentempo in Bezug auf Aushöhlung doch noch schneller als das Bewusstsein der Menschen in Punkto Anpassung. Doch es beginnt die Zeit eines neuen Trainings. Unser Luxus schmilzt. Das Problem: Unser Luxus ist für uns alle schon lange kein Luxus, sondern Normalität, die wir als existenziell betrachten. Menschen in anderen Gebieten der Welt können sich darüber die Augen reiben. Doch wenn im kommenden Winter die neuen Abrechnungen für Energie kommen, werden wir es alle schmerzhaft über die Finanzforderungen kapieren: Schluss mit lustig im alten Stil.

 

Doch wie geht nochmal sparen? Also so echtes Sparen, dauerhaft, ständig – nicht nur Verzicht auf eine kleine Dusche am Morgen und am Abend, sondern viel, viel mehr ist nun gefordert. Können wir das?

 

Frieren für den Ukraine-Krieg, wegen Putin, für das Klima, wegen der Kosten, wegen der mangelnden Energiereserven? Da kommt was auf uns zu. Wir wissen es, aber wir fühlen es nicht wirklich. Der Kopf ist dabei, das Herz noch nicht. Die notwendige Handlung, also Umstellung – noch zögerlicher bei den meisten.

 

 

So bleiben wir noch ein Weilchen gelassen, da die apokalyptischen Orakel ja nicht die erlebte Gegenwart betreffen, sondern unsere baldige Zukunft. Wird schon nicht so schlimm kommen, hoffen wird.  Der Wald sollte immerhin auch schon vor über 2 Jahrzehnten komplett in Europa verschwunden sein. Ist aber noch da.  – Na ja. Noch. Und wie krank und erbärmlich, beschreiben wir hier lieber einmal nicht.

 

Man muss weder Pessimist noch Hellseher sein, um auch jetzt schon zu wissen: Die Zukunft wird heiß. Nicht nur klimatisch. Nicht nur wassertechnisch. Sondern auch politisch, gesellschaftlich, finanziell, existenziell. Die arm-reich-Schere klafft bald über einem Abgrund ohne Brücke.

 

Lohnt sich Einwandern ins zunehmend heiße Europa noch, sollten sich so manche ernsthaft fragen, die sich noch nicht auf den Weg gemacht haben. Immerhin 100 Millionen weltweit (man realisiere die Zahl) sind schon auf Wanderschaft und der Suche nach… ja auch nach Wasser. So schlicht sind manchmal die Gründe. Aber sie fragen sie nicht. Sie kommen. Denn was uns erst als Höhepunkt bald bevorsteht, haben sie schon in ihrer Heimat in der Gegenwart. Aber sie sollten realistisch bleiben und wissen: Bald betrifft es uns alle. Ist das Hoffnung, Trost oder der Anlauf zum Totalbankrott?

 

Die Waldbrandgefahr in vielen Gebieten liegt jetzt im Juni schon bei Höchststufe 5. 38-40 Grad sind in der Mache. Fehlt nur noch so ein kleines Grillfeuerchen am Waldrand, mag manch ein irrer Pyromane denken! Und dann: Puff! Es ist erst Juni. Die ganz heißen Sommertage flirren meist erst im Juli und August so richtig ran. Und niemand ist da, der es verhindern kann.

 

Aber Wasser könnten wir schon mal sparen. Ein bisschen wenigstens. Waschen statt Duschen. Das geht! Man mag es nicht glauben. Überhaupt die Sache mit dem Wasser wird vermutlich noch prekärer werden als die mit Strom und Gas. Nicht nur kostenmäßig, sondern vor allem verteilungsmäßig. Wenn man bedenkt, dass unsere sauberen und immer schwächer werdenden Trinkwasserreserven auch für die Industrie genutzt werden, oder fürs Auto zu waschen: Himmelschreiend, dass da immer noch nichts auf zwei Wassersysteme für Brauch- und Trinkwasser seit Jahren umgestellt wurde. Immer zu teuer. Und dann wird es am Ende unbezahlbar.

 

Affenhitze!

Brüllend heiß. Europa beginn zu köcheln. Da ist noch mehr drin, sagt der Wettergott. Macht nur so weiter!

 

Die ganze Erde ist im Fieber. Und sie findet niemanden, der sie heilt.

 

Affentheater. Um so viele thematische Kinkerlitzchen und lächerliche Themen auf anderen Gebieten, wo wochenlang drüber debattiert wird. Doch an die ganz großen Themen, die wirklich Existenziellen, wie das Verbot von Brunnenverkäufe in private Hände und viele andere Notwendigkeiten des Über-Lebens: Da ist immer noch niemand zuständig im Sinne letzter Verantwortlichkeit und tatsächlicher Realisation. Man schiebt alles hin und her und her und hin. Und wenn doch mal wieder langatmig, erwogen, diskuiert und argumentiert wird, dann wird wieder vor allem blockiert. Irgendwer ist immer dagegen. Demokratie halt. Dann wird vertagt. Bis das Kind im ausgetrockneten Brunnen liegt.

 

Affentheater! Brüllaffenhitze. -

 

Nur: Die Affen können wahrlich nichts dafür!

18.6.2022

 

Oben ohne

 

Freiheit für die weibliche Brust?

 

Hurra, das Sommerlochthema ist da. Freiheit für die weibliche Brust. Zeigt ihr Frauen und Mädels was ihr habt!... So schallt es nun durch deutsche Freibäder, samt dem Ruf, die neue Freiheit auch schriftlich festzuzurren. Was wären wir Deutsche ohne Gesetz! Treten wir doch einmal tapfer ins Pro und Contra der Sache ein.

 

Die weibliche Brust ist ein Körperteil wie jedes andere auch. In einer Hinsicht, in anderer nicht. Bleiben wir zunächst bei der einen und verschaffen wir uns einen Grobüberblick. Sie ist als Körperteil gleichberechtigt beispielsweise mit der Bauchspeicheldrüse, wenn auch mit deutlich anderen Aufgaben. Die Bauchspeicheldrüse ist unsichtbar, weil sie sich nach innen verkrochen hat. Oder gleichberechtigt mit dem Kehlkopf. Der reckt sich bei so manchem keck hervor. Bei anderen verkriecht er sich. Oder mit den Armen. Sie schlackern am Körper und sind je nach Kälte oder Wärme bedeckt oder offen, dick oder dünn, behaart oder nicht behaart. Oder nehmen wir den Kopf. Eines unserer interessantesten Körperteile. In der Regel ist er unverhüllt. In manchen Ländern jedoch von Frauen unter Schleiern verborgen.Das vor allem wollen die Männer so. Und die Gesichter: Männlich, weiblich, trans. Hässlich, schön, durchschnittlich. Groß, klein, fade oder interessant. Charismatisch, verfettet, geglättet, attraktiv, abstoßend. Irgendwann mit Furchen durchzogen, sei es aus Weisheit oder Dummheit. Köpfe mit ihren Gesichtern können vieles sein. Brüste auch.

 

Brüste dürfen von Natur aus hängen oder stehen. Können drall, prall oder winzig sein. Sie können riesig geraten oder kindlich zart bleiben. Die Babys lieben und brauchen sie ungemein. Vollbusig mag es der eine, während der andere auf kleine Brüste steht. Normal ist: jede Brust ist anders. So anders wie ihre Trägerin: in allem.

 

Unnormal ist: Die Schönheitsindustrie schreibt vor, was als schön zu gelten hat und was nicht. Das sichert die Pfründe. Und sind genug Frauen behandelt, kommt eine andere Brustmode ins Spiel. The Game must go on. So gibt es vor allem mehr und mehr künstliche Brüste, die oft an außerordentlich leidensbereiten  Frauenwesen sitzen. Siliconskandale skandieren durch den Blätterwald, was aber dem Irrsinn weltweit keinen Abbruch tut. Tote hin oder her.  Und wenn schon für die Schönheit geschnippelt werden muss, dann bitteschön auch gleich noch Po, Bauch, Nase und Lippen sowieso.

 

Die Frau, nein, falsch!, so manche Frau ist eben doch gern auch ein Objekt der Begierde. Auch wenn sie es vehement abstreitet. Abstreiten muss, der Würde wegen - nach außen. Denn für wen macht sie diesen Aufwand? Tatsächlich nur allein für sich selbst - oder auch der Konkurrenz wegen? Anderer Vorteile wegen? Um sich durch die begehrlichen Blicke anderer selbst schöner zu fühlen?

 

Freiheit für die weiblichen Brüste in allen öffentlichen Schwimmbädern! – fordern mehr und mehr Frauen in Deutschland. Oder stehen da Männer dahinter und schicken die Frauen vor, weil sie frohlocken? Davon habe ich nicht gehört, aber manch einem wird es schon gut passen. Denn bald gibt es die Vielfalt zu sehen. Nicht nur die immergleiche langweilige Form der Brustdesigner, die derzeit noch en vogue ist – sondern die satte Natur mit ihrer enormen Bandbreite an Brustformungen. Das lohnt sich doch. Ab in die Schwimmbäder.

 

Doch warum nur in Schwimmbädern? Warum nicht auch in öffentlichen Parks, an Flußauen, Innenstadtbrunnen und sowieso wenn es doch heiß ist und die Herren er Schöpfung ebenfalls offen jedem zeigen was sie haben. In der Regel ist das, was sie haben, platt. Manche haben aber auch genug weibliche Hormone im Körper, die auch ihre Brüste anschwellen lässt. Auch  das ist natürlich, wenn auch nicht gerade derzeit modern. Das kommt vielleicht ja nach der Nach-Six-Pack-Mode-Ära. Da zaubert die Natur so allerlei Erstaunliches zusammen.  Aber die männliche und weibliche Brust ist ja in merkantil-kompetenten Designerhänden, die uns schon sagt, wie der Hase zu laufen hat. Was wann und wie in ist und was out.

 

Das waren ein paar Gedanken zum Einerseits. Doch betrachten wir auch das Andererseits. Die weibliche Brust ist kein gleichartiger Körperteil wie Beine oder Handrücken oder Schulterblatt. Warum nicht? Sie sexualisiert in unserer Kultur, schafft Begehren und Begierde, Lust und Frust. In anderen Kulturen ist das teilweise anders.

 

Die weibliche Brust gehört bei uns zu den sekundären Sexualmerkmalen, wobei sie für viele sogar ein primäres ist. Der individualistische Gourmet mag das verneinen und mehr auf Hüftknochen oder Schulterblatt bei seiner Präferenz stehen.  Doch das ist auch wieder die Ausnahme von der Regel. Unser Schöpfer liebte eben die Vielfalt in den Vorlieben. Die Vagina versteckt sich nach innen. Der Penis, es ist kein Geheimnis, spurtet sichtbar vor, falls er denn spurtet. Ob immer im rechten Augenblick gehört zum Thema der Wunsch-Zeit-Qualität. In der Regel ist er bedeckt, was dem Willen der allermeisten Menschen entspricht. Exhibitionisten werden das verneinen. Sie wissen oft nicht, dass sie eine Minderheit sind, die in der Regel anders empfinden.

 

Und nun die weiblichen Brüste. Die freien natürlichen oder die freiwillig-künstlich aufgemotzten: Sie reizen. Ob sie wollen oder nicht. Das kann die Trägerin selbst gar nicht entscheiden. Sie ist wie sie ist. Und es ist wie es ist. Der Betrachter ist eben auch wie er ist.  Und  die Brüste reizen, in aller Unschuld, weil Menschen sie als sexuelles Reizobjekt nun einmal empfinden. Auch das ist natürlich.

 

Flankierend reizen aber Reize nicht nur allein, sondern machen auch etwas mit Menschen. Da wird die Sache schon spannender. Sie haben häufig Folgewirkungen bei vielen Männern, Frauen, Trans und was weiß ich. Die einen fühlen sich hormonell angestachelt, die anderen können den Blick nicht abwenden und noch andere mögen jenseits von gut und böse sein. Die meisten jedoch müssen hinschauen. Zwanghaft. Aber wenn sie hinschauen, sind sie verdächtig, schwer verdächtig. Sie starren regelrecht. Können sich nicht sattsehen. Der Blick wird gebannt. Wie im Zauber.

 

Aber wehe, sie lassen sich beim Starren und Hinschauen erwischen. Dann setzt es was. Ihr Schweine! Was habt ihr nur alle im Kopf. Das ist doch nur eine ganz normale Brust. Eine kleine oder riesige. Eine schlauchige oder künstlich aufgerichtete. Auch die Gesetze der Schwerkraft unterliegen natürlichen Bedingungen. Schaut weg. Das geht euch nichts an. Meine Brust gehört mir. So wie sie ist. Schau gefälligst woanders hin!

 

Aber wohin denn? Überall laufen sie nun herum!

 

Die Folgen: Oben-Ohne-Ladys fühlen sich schon allein durch Blicke belästigt. Stolzieren sie nun frank und frei, fröhlich und naiv über die Schwimmbadwiesen, dann wird es schwierig, wegzuschauen. Weil, sie kommen ja von allen Seiten. Gehen kreuz und quer, laufen gar, was der Rhythmik der Brust etwas höchst Tänzerisches gibt. Schau weg! Das geht dich nichts an! Und dann sacken sie nieder auf die Wiese. Und wieder verändert sich alles in der Körperstatik. Doch, das ist schon sehenswert. Nicht nur für  pathologische Spanner. So sehenswert, dass das Hinstarren zum Menetekel wird.

 

Menetekel? Nicht nur die Augen haben an diesem neuen Schauspiel teil. Es sind gleich viele Prozesse, die körperlich wie auch im Hirn ablaufen. Da wird so manches aktiviert, dass man sich eigentlich für andere Momente hätte aufsparen wollen.  Das geht nun nicht mehr. So viele Nackte im öffentlichen Raum. Da bekommt so mancher auch zur Unzeit halt Lust auf die Lust. So ist das nun einmal. Und auch das ist wiederum natürlich, aber nicht immer folgenlos...

 

Nähert sich ein Zeitalter des Exhibitionismus einem ersten Höhepunkt!? Muss der Mensch eben alles einmal ausprobieren, weil es in seiner Natur liegt? - Oder geht es "nur" genderkonform nach dem Motto: Was du kannst, kann ich schon lange - und mache es jetzt auch! Ich habe ein Recht darauf. Punkt.

 

Ist es ein folgerichtig natürliches oder absichtlich künstlich erzeugtes Dilemma? Schön und gefährlich? Nervig, gar belästigend? Wer kann diesen schmalen Grad der feinen Empfindungen auseinanderhalten, da es doch jeder anders empfindet und auch anders drauf reagiert.

 

Die, die mit einer offen zur Schau tragenden Ignoranz vermeintlich cool reagieren, sich  hinter einer spiegelnden Sonnenbrille verstecken und von dort aus quasi unentdeckt starren dürfen, sind oftmals ganz anders drauf. Aber sie müssen cool tun. Alles andere wäre gefährlich. Nicht-cool-sein ist eben nicht nur uncool, sondern manchmal sogar von juristischem Belang. Stalker. Diesmal mit Blicken. Und mit Handykameras.Und ihrer Möglichkeit zum Missbrauch...

 

Was sind das eigentlich für Situationen! - die wir uns selbst schaffen!? Haben wir keine anderen Probleme? Oder haben wir solche, weil wir zu viele große Probleme haben, die wir keinesfalls lösen können?

 

Apropos öffentlicher Raum. FKK gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Fragt die Berliner. Jetzt leben wir aber im 21. Jahrhundert. Und da ist das dann plötzlich eine gesellschaftlich relevante Frage - oder nur ein Sommerloch-Gag, der Presse, die um Leser fürchtet?  Was also soll die ganze Diskussion um ein doch schon uraltes Thema. Und gibt es auch rund um das Mittelmeer mit seinen erzkatholischen Ländern nicht eine Unmenge an FKK-Stränden?  Wieso ist das dort kein Thema? Hat Gott  den Menschen nicht nackt erschaffen? Oder glaubt keiner mehr an den alten Herrn und seine Schöpfung? Und lag die Geburt der Scham nicht an der Tatsache, dass sie sich erkannten und deshalb das Paradies verlassen mussten? Ja, sie waren nackt... Religionspsychologisch auch interessant!

 

Brustfrei? Das Normalste der Welt in der überschaubaren Welt des FKK. Und auch Vagina und Penis dürfen sich dort lässig sonnen, sanden, wasserbaden. Kein Mensch denkt sich was dabei. Es gab nie Probleme damit (oder zumindest sind mir hier auf Anhieb keine bekannt). Ob dort trotzdem auch eine unbekannte Zahl von Spannern lauert, die selbst nur cool tun, weiß ich nicht. Zugeben würde es sicher keiner von ihnen. Das hätte ja Konsequenzen. Und andere Teilnehmer dieser Körperkultur ficht das alles tatsächlich nicht an. Nacktsein kann ja auch schön sein, wenn es rundherum stimmig ist. Warum also gab es da bisher keine bis wenig Probleme damit? Weil (fast) alle, die dort frei-willig hin gehen eine gleiche oder sehr ähnliche  Einstellung zur Nacktheit haben.

 

Aber genau das ist im Raum öffentlicher Schwimmbäder eben nicht der Fall! Da kommt nicht nur ein spezieller Typus mit seinen Zeige-Bedürfnissen hin, sondern die Bandbreite der Gesellschaft mit ihrer zu Recht vielfältigen Anschauung und ihren persönlichen Bedürfnissen. Auch nach Ästhetik unter anderem. Und das macht einen Unterschied!

 

Oder schauen wir kurz auf die Nackten bei allen Naturvölkern in den warmen Regionen der Welt. Nicht aufgemotzte Brüste in allen Bandbreiten ihres natürlichen Vorkommens sind die Regel. Die Männer dort sind den Anblick gewohnt. Alles ist mit den weiblichen nackten Brüsten so normal wie mit Beinen, Kopf oder Schlackerarmen. Es macht nichts mit ihnen. Sie fallen deshalb nicht über ihre Frauen her, nur weil sie ihre Brust unbedeckt tragen. Hier ist Natur und Kultur eine natürliche Einheit.

 

Wieso soll das in öffentlichen Schwimmbädern anders sein? Es ist es nun einmal, weil Menschen verschieden sind und auch sein dürfen. Der Gründe gibt es viele und diffizile zugleich. Da ist zunächst noch das Neue, Ungewohnte mit dem ungewohnten Reiz für viele. Nicht für alle. Ob die, die sich täglich nackte Frauenbilder, gar Pornografie reinziehen, nun krasser oder umgekehrt gelassener reagieren, weiß ich nicht. Aber es ist damit zu rechnen, dass in unserer sexuell  stark verlogenen Gesellschaft etwas an bewusster Reizung passieren kann, was einerseits und zu Recht absolut verboten ist, aber andererseits nun auch absichtlich angeheizt wird. Das gibt Schlagzeilen!

 

Man soll doch nicht so tun, als ob die "Freiheit" des Herzeigens der nackten weiblichen Brust (das Wort "Freiheit" allein schon ist ein feines Amüsement in diesem Zusammenhang) allen Ernstes nichts mit den Betrachtern macht. Doch! Das macht es oft, wenngleich unterschiedlich stark und auch nicht in jedem Fall. Nicht umsonst erhöhen genau mit diesen Bildern Tag für Tag die Billig-Gazetten auf aller Welt ihre Auflagen und Einnahmen. Alles Kalkül. Alles wohlbedacht. Auch die Sommerschlagzeilen. Damit kann man Kasse machen.

 

Aber das es in vielen Fällen etwas mit dem einen oder anderen macht,  darf man niemals zugeben! Und das was es macht, kann zu Problemen führen oder auch zu Schlimmeren. Man denke daran, wie sehr verängstigt sich Frauen allein schon bekleidet in der Dunkelheit fühlen, man denke an die massenhaften Übergriffe am Kölner Dom und vielen anderen Stätten… und da war noch nicht einmal ein solcher Reizauslöser mit ihm Spiel. Es reichte, dass die einen eine Begierde in sich spürten und die anderen leicht zum Opfer wurden. Leute, bleibt bei Verstand!

 

Auch hier liegt das Problem in der Differenzierung jeder Betrachtung. Wer sich beherrschen kann, Meister seiner selbst ist, wird mit gar nichts ein Problem bekommen. Wer das nicht kann, und das sind viele, kann zum schwerwiegenden Problemfall selbst werden. Aktiv oder passiv. Wer sich durch allzu viele Freizügigkeit gestört fühlt, hat doch ebenfalls ein Recht auf einen Raum, in dem er sich von der Nacktheit anderer ungestört fühlen darf.

 

Soll man allein wegen drohender Problemfälle deshalb etwa das Recht aufgeben, seine Brust auch als Frau nicht zeigen zu dürfen? Und haben nicht fast alle Rechte immer auch wieder Gegner, die genau das nicht wollen? Steht, wie so oft, die "Freiheit" des einen gegen die "Freiheit" des anderen? Was wäre denn, wenn man es, wie beim FKK, im "geschützten" Raum zulässt. Beispielsweise an gewissen Tagen offen oben ohne und an anderen Tagen bedeckt, wie gewohnt? Oder in einem Schwimmbad der Stadt so, aber in einem anderen anders, damit ein jedes Bedürfnis zu seinem Recht kommt!? Dann kann es sich jeder aussuchen, wo er hin möchte. Es wäre ein Kompromiss für alle, die sich entweder so oder so entscheiden – und jeder seinen Wohlfühlblick für sich behält in jener Art, die ihm selbst wesensgemäß liegt.

 

Woran krankt es? Es krankt unter anderem an der Indifferenz, die aber auch teilweise wiederum eine Folge der Angst ist, dass man das Begehr einer Minderheitengruppe (Freie Brust in allen öffentlichen Schwimmbädern, Jetzt!) ablehnt und damit als reaktionär, hinterwäldlerisch, uncool, gar lustfeindlich eingeordnet wird.

 

Leute - ihr habt Probleme!

 

17.6.2022

 

Versengt am Licht 

oder

Menschliche Motten und die Sucht nach dem trügerischen Abglanz

 

Nicht Lichtsucher will ich sie nennen. Abglanz-Schmarotzer ist treffender, wenngleich nicht charmanter. Denn das unwiderstehliche Leuchten, das sie immerzu suchen, sind nicht ihre selbsterzeugten Eigenfarben, sondern die der anderen.

 

Natürlich spreche ich von Menschen und nicht von Nachtfaltern und ihrer ganz anderen Lichtsuche, sondern von der menschlichen Begierde nach Abglanz nach jenem Ruhm, die sie selbst nicht erreichen können, doch mit dem sich so vorteilhaft schmücken lässt. Vorteilhaft für wen? Letztlich für niemand – aber das merken sie nicht einmal wirklich, weil der Schein so verführerisch trügt.

 

Doch schlummern nicht in allen Menschen unentdeckte Talente? Wohl wahr – dennoch reicht es oft nicht an jene Ausnahmeerscheinungen heran, die jedoch besonders attraktiv auf sie wirken, ja ihr Tun und Lassen bestimmen. Mal ist die besondere Gabe, die man vielleicht auch schon ein wenig selbst hat, eben doch  nicht besonders genug, mal fehlt es am Willen, an der Durchsetzung, der Zähigkeit zum Ziel hin. Irgendwas fehlt immer, um auch eine Berühmtheit zu werden, in deren Glanz sich gern dann auch andere sonnen.

 

Jene Menschen, die ihr eigenes Licht tatsächlich durch eigene Kraft zum Leuchten brachten und  zu authentischen Vip's per Leistung wurden,  mussten oft schwere Wege gehen und oft auch viele Opfer bringen. Das wird im Glanz des Ruhms zumeist völlig vergessen. Viele von ihnen haben es durch besondere Talente, ungemein starkem Eifer, Liebe zur Sache, Selbstüberwindung, Disziplin, Rückschlägen, Einsamkeitsstadien und eine Menge anderer Einsätze geschafft.

 

Eine andere Kategorie der Berühmtheiten hat wiederum ihre Sonderstellung schon gleich mit der Geburt ererbt oder konnten durch Verehelichung in jenen Bannkreis eintreten, der nur wenigen gewährt wird. Die wahre und kleine Upper Class. Und noch ein anderer Teil hat es mit Raffinesse, Mogelei, gar großangelegtem Betrug oder einer großen Portion Glück geschafft, trotz selbst talentfrei zu sein, ebenfalls dazuzugehören.

 

Sie werden wie das Licht von menschlichen Motten umschwärmt. Untereinander sind sie gut vernetzt. Gleiches zieht Gleiches an. Gleiches zieht aber auch Ungleiches an. Reiche ziehen auch Arme an. Und Berühmte ziehen auch Durchschnittliche, gar Unterdurchschnittliche an, die sich in ihrem Glanz aalen wollen. Diese Motten sind an allen Stätten der Welt zu finden. Sie suchen gezielt nach diesen Lichtträgern, denen die Welt zu Füßen liegt. Sie suchen ihre Freundschaft, ihre Nähe – und wenn es denn klappt, gern auch eine Abhängigkeit. Allerdings wollen sie es dann sein, die den Takt vorgeben. Letzteres passiert jedoch eher seltener.

 

Diese narzisstische Sonderspezies Mensch, die das Leuchten der Eigenfarben nicht vermögen und sich deshalb in den Lichtkelch anderer Menschen stürzen, sind nun endlich auch ein wenig wichtig, wenn sie sich an den inneren Zirkel vorgearbeitet haben. Natürlich gehören sie nicht dazu; das wäre vermessen. Aber sie sind so nah, dass es der eigenen Einbildung schmeichelt. Sie sammeln. Menschen mit Bedeutung, mit Einfluss, Geld, Schönheit… Sie suchen und sammeln und schleimen sich ein. Sie hofieren und sind allzu willig… für was auch immer.

 

Durch eine gewisse Nähe entsteht nun, mit etwas Glück, eine Einfluss-Sphäre, die soweit reichen kann, dass man selbst schon der Yellowpress etwas zuzuflüstern weiß. Damit wird man gefühlt bedeutend(er). Und reicht der eingefädelte Kontakt dazu noch nicht aus, dann gibt es doch immer noch die lokalen Größen, die in ihrem engeren Umfeld auch einen Ab-Glanz versprechen. Vernetzung ist alles.

 

"Stell dir vor...", wispert es dann - und das gemeine Fußvolk stellt sich nun etwas vor. Suggeriert mit feingewürzten Andeutungen über diese und jenen, die nicht nur der Spekulation freien Raum gibt, sondern den oder die Einflüsterin in ihrer Scheinbedeutung aufbläht. Denn sie muss es ja wissen, sie ist nah dran, dabei, mittendrin im Kern des Geschehens. Eine wichtige Person. Schon fast eine echte Sub-Vip.

 

Nun ist die Motte wichtig. Macht sie Fehler, verbrennt sie am Licht, das sie so unwiderstehlich anzog. Das geht schneller, als sie ahnt. Viele stehen Schlange, um immer wieder neu um dieses Leuchten der Bedeutenden  zu kreisen, sich in der Eigen-Dunkelheit kurz zum Aufleuchten zu bringen und sich ihm so zu nähern, bis sie versengen.

 

 

16.06.2022

 

 

Muss Denken schön sein?

 

Immer wieder neu schwappt mir der Begriff "schönes Denken" in meine Nachdenklichkeit herein. Wer ihn prägte? Ich weiß es nicht. Aber ich lese es öfter: "Dieses Denken ist schön"… und ähnliche Aussagen.

 

Nun frage ich mich, ob Denken lieber schön oder wahr(haftig) und wirklichkeitsgemäß sein sollte? Vielleicht liegt das Problem aber auch nur am Wort "oder"?... Warum oder? Ist wahrhaftiges und wirklichkeitsgemäßes Denken nicht immer schön? Als Denkvorgang meine ich, nicht als unbedingte Konsequenz für einen Betroffenen.

 

Zugleich ist zu fragen: Wissen wir denn überhaupt was a) wahr und wahrhaftig ist und b) wirklichkeitsgemäß? Sind nicht allein schon das  weiche Begriffe, die schon jeder anders interpretieren muss, weil jeder sowohl eine andere Sicht der Wirklichkeit und auch der Wahrheit hat?  Offensichtlich ist das, wenn man allein die Anzahl von Missverständnissen unter Menschen bedenkt, wo etwas so sonnenklar zu sein schein. Und ist es nicht so, dass letztlich diese Fragen doch jeder nur auf seinem Level von Denk-Befähigung beantworten kann und dies je nach Denkungsart und -tiefe sogar bis ins Diametrale gehen kann?

 

Vielleicht sollte man die Sache, ob Denken schön ist wissenschaftlich angehen? Sollte man Ausschau nach einer fundierten Ästhetik des Denkens halten, die kluge Köpfe vermutlich schon seit Jahrtausenden bewegen? – Oder sollte der Schuster einfach nur bei seinen Leisten bleiben, weil er als Schuster eben noch dahin gehört?

 

Das hieße dann auf gut deutsch: Mach dir klar, wie denkfähig du (erst) selbst bist. Und von diesem Plafond aus gehe weitere Schritte. Denke "schön", indem du "wahr" denkst. Exakt, ohne Geschwurbel ungeklärter Emotionen, dennoch mit Herz und Hirn in kluger Symbiose. Schau genau hin, bevor du Urteile fällst und lege alles an Argumenten in die Waagschale, bevor du dich für dieses oder jenes festlegst. Verwechsele deine Spekulationen und Annahmen nicht mit der Wirklichkeit und bedenke immer, dass jeder Mensch auf dieser Erde dennoch in seinem eigenen Denk- und Gefühl-Universum lebt. Je sensibler er sich in diesem Nichtraum aufhält, um so einsamer dürfte ihm oft dort zumute sein. Gleichzeitig füllt sich dieser Raum mit jedem weiteren Menschen, der ernsthaft denk-bemüht ist und seine immer feineren Schritte in jenen Metaraum setzt, der trotz all unserer Denkbemühungen weiter Unendlichkeit feilhält.

 

Bescheidenheit ist angesagt und Kühnheit zugleich. Das Denken ist vermutlich das Schwierigste, das wir als Aufgabe im größeren Stil noch vor uns haben, wenn es um die geistige Evolution geht. Und soweit wir alle darin noch uneins sind (und derzeit gar nicht anders können), so spannend lockt uns das Unermessliche.

 

 

15.06.2022

 

 

Zwischen Beobachtung und Voyeurismus

 

Die Welt wirklichkeitsgemäß wahrzunehmen bedeutet: Wir müssen sie beobachten lernen. Wir müssen genau hinschauen, hinterfragen, wachsam sein. Natürlich sind wir das nicht immer und zu jeder Zeit, weil uns oft die Kraft, die Konzentration oder die Lust fehlt. Dann kommt es zu nur oberflächlichen Betrachtungen, die wiederum sehr leicht zu Fehlurteilen führen, was vielen Menschen aber auch gleichgültig ist. Hauptsache, so denken sie, sie haben eine Meinung zu irgendwas … oder eben ein Gefühl, woraus es sich immer auch speist. Es ist ihnen in der Regel gar nicht so wichtig, so lange sie nur klarkommen und nicht negativ betroffen sind.

 

Unsere allgemeine Beobachtungsgabe ist eher mittelmäßig als schlecht einzuschätzen. Wir widmen dieser Fähigkeit kaum eine Schulung oder ein ihr angemessener Ernst. Der Grund: Es reizt uns zu wenig! Wir wollen es oft gar nicht so genau wissen. Uns reichen Überschriften (von was auch immer). Tiefgang ist lästig und kostet Zeit.

 

Es gibt Menschen, die gerne zuhören. Und zwar nicht etwa, weil sie selbst nichts zu sagen wüssten, sondern weil sie es können. Sie interagieren auf stille Weise gekonnt. Sie kommunizieren so, dass es ein Geben und Nehmen für beide wird. Reden wie Zuhören dabei im Gleichgewicht sind. Und dabei nüchtern beobachten, was abgeht. Kritisch, selbstkritisch, konzentriert und sachgemäß. Das bekommt man natürlich nicht immer hin, denn das Leben besteht auch aus Ulk, aus Lachen oder Frohsinn, wo Beobachtung ihre Grenzen hat, wenn man am Schönen auch lebendig teilhaben möchte.

 

 

Es kommt eben auch auf die Situation an, wo eine gezielte Beobachtung wichtig ist und wo man sie getrost vernachlässigen kann. Schon Goethe machte sich darüber seine Gedanken und stellte fest, dass wir das, was direkt vor unseren Augen liegt, am wenigsten sehen. Eine Kombination von Betriebsblindheit, Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit und mangelnder Geschultheit der Sinne.

 

 

Was anderes hat es mit dem Voyeurismus auf sich. Auch hier wird beobachtet. Und wie! Aber auf gierige Weise. Meist bezieht es sich auf sexuelle Szenen, die sogenannten Schlüsselloch-Szenen. Jeder kennt diesen Vorgang. Die Filmindustrie spart nicht an allabendlichen Möglichkeiten. Doch nicht jeder geht dem mit gleicher Vehemenz auch nach – oder: gibt ihm nach, wie die Spanner zum Beispiel, die vom heimlichen Betrachten nicht genug bekommen können. Die Grenze zur Pathologie ist fließend und gilt ab einem gewissen Maß als Störung der Sexualpräferenz. Der starke Leidensdruck beispielsweise ist so ein Maß, um die Klassifikation als Krankheit zu bezeichnen. Eindeutig definiert ist sie nicht. Therapiebedarf besteht in der Regel, wenn der Betroffene die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt oder polizeilich auffällig geworden ist. Dann gibt es auch eine rechtliche Seite.

 

 

Doch lassen wir uns vom Voyeurismus nicht beirren, was die Wichtigkeit einer gesunden Beobachtungsgabe angeht. Man kann systematisch beobachten, wissenschaftlich oder so ganz privat für sich selbst und Schlüsse daraus ziehen. Man lernt die Welt in ihrer Vielfalt besser verstehen – und manchmal auch tiefer zu lieben… oder gründlicher abzulehnen, je nachdem was man beobachtet und es dann für sich selbst wertet.

 

 

Eine gründliche Beobachtung von Vorgängen ist unverzichtbar für eine gesunde Urteilsbildung. Erst wenn wir uns hier auf einem Level von Kompetenz befinden, haben wir die Möglichkeit, gesunde Handlungsweisen zu entwickeln, die uns auch selbst und der Sache zugutekommen.

 

 

Je genauer wir beobachten, vorurteilsfrei und nüchtern, umso eher nähern wir uns der Wirklichkeit an, die jedoch in aller Regel noch komplexer ist als das, was wir als Individuum schon erfassen und interpretieren. Für Forscher ist Beobachtung wohl das wichtigste Rüstzeug überhaupt, das mit wissenschaftlicher Methodik so exakt wie nur möglich betrieben wird.

 

 

Die Formen der Beobachtungen sind vielfältig. Es kann verdeckt oder offen geschehen. Wir können daran teilhaben oder auch nicht. Man kann systematisch oder unsystematisch dabei vorgehen. Die Situation kann in einem natürlichen Raum stattfinden (Alltag, Spielplatz) oder in einer künstlichen Situation (psychologisches Testinstitut) oder es kann sich um Fremd- oder Selbstbeobachtung handeln, die uns primär interessiert.

 

 

Wer gut beobachten kann, ist im Vorteil. Er kann Situationen oft bis zu einem bestimmten Grad schon voraussehen und sich darauf einstellen. Und zudem: Wer nicht über die Gabe einer feinen Beobachtung verfügt, wird vermutlich auch kein Meister des feinsinnigen Humors, sondern nur einer des derben Witzes…

 

 

 

14.06.2022

 

Verschlossene Türen, verrammelte Herzen: Die Sache mit der Vertrauensseligkeit

 

Vermutlich gibt es keine weitere Lebensform auf der Erde, die sich regelmäßig dermaßen gegenseitig ärgert, kränkt, betrügt und belügt – als: der Mensch.  Viele andere Lebewesen (meist tierische Fleischfresser) geben sich mit diesen feinsinnigeren Mechanismen untereinander erst gar nicht ab, sondern fressen sich gleich gegenseitig auf. Immerhin! Kannibalismus ist unter Menschen im Wesentlichen überwunden. Kleine Ausreißer aus der Gruppe der Abartigen sind zum Glück verschwindend gering.

 

Wir (fr)essen uns nicht, töten uns aber. Dafür haben wir Methoden entwickelt, wovon Krieg nur eine von vielen ist. Im Vorfeld oder auf anderen Nebenschauplätzen des Lebens wird dafür etwas anderes getestet: Unsere immer wieder neu schwankende Vertrauensseligkeit in die eigene Spezies.

 

Ohne Vertrauen ist ein Leben kaum lebenswert zu leben und zu genießen. Dennoch lauert aller Orten auch der Betrug, der Vertrauensbruch. Der Grund ist einfach: Moralisch gesehen ist die Menschheit extrem unterschiedlich entwickelt. Während die einen Eigentumsbegriffe aus politischer Überzeugung ablehnen, tun andere das aufgrund ihrer hohen kriminellen Energie. Du hast was, was ich brauche? Her damit! Und bist du nicht willig, dann brauch ich Gewalt.

 

Nicht umsonst sind Sendungen wie Aktenzeichen XY ungelöst auch nach Jahrzehnten noch Quotenhits. Sie bedienen unsere Wirklichkeit, unsere Realität, die Gegenwart und damit auch die Zukunft, die grundsätzlich in der Gegenwart geschmiedet wird.  Das Problem: Durch die äußerst unterschiedliche moralische Haltung zu Gewalt und Eigentum stoßen da zwei Gruppen aufeinander, wo Vertrauen nicht angesagt ist.

 

Aber was stattdessen? Gegengewalt? Soll ein neunzigjähriger Greis im ersten Schlummerschlaf einen 20jährigen Vollbulli-Einbrecher etwa knock out schlagen? Klappt meist nicht (obschon: schön wär's!). Es gibt keine Sicherheiten, die uns davor schützen, auch einmal Opfer einer Gewalttat zu werden, zu der wir uns selbst niemals mehr hinreißen ließen.

 

Oder schauen wir kurz auf die softige Variation des Vertrauensbruchs unter Menschen. Ein Anruf. Harmlos, freundlich, eine Frage… und man sagt an irgendeinem Punkt ein wahrheitsgemäßes Ja. Zack! Man ist im Sack! Das authentisch stimmliche JA ist gespeichert und wird später passgenau eingefügt. In einen Vertrag, den man nie geschlossen hat. Jetzt aber schon. Man hat ja JA gesagt. Wozu? Das interessiert niemanden mehr. Das JA mit der eigenen Stimme steht. Und nun kann man überlegen, ob man sich auf eine lange Prozessserie vor Gericht einstellen mag oder sich das zu allem Übel nicht auch noch antun will… und zahlt.

 

Letzteres kostet nur Nerven und Geld. Oft aber geht es auch um Leben und Tod. Und warum? Weil der liebe Gott sich wohl dachte: Ei, die Sache unter der Menschheit ist doch viel spannender, wenn sie sich in Punkto Moral schön unterschiedlich entwickeln und das auch in ihren Taten darstellen. Das schärft das Gesamtpaket der Möglichkeiten und macht Entwicklung doch um einiges spannender! Und um dieses Problem zu überwinden, müssen sie halt lernen: sich gegenseitig zu vertrauen! Dann wird das schon. Auch wenn's ein paar Millionen Jährchen dauert. Ich habe ja Zeit!

 

Tja, Dankeschön für diese geniale Idee. Und auch dafür, dass es nicht ausreicht, das eigene Haus zu verrammeln, um möglichst kein Opfer zu werden, sondern zugleich auch sein Herz vor so manchem zu verschließen, wo es doch viel lieber offengeblieben wäre. Denn wir haben ja im Schnitt nur 70-90 Jahre Zeit – und nicht Millionen, o Schöpfer!

13.06.2022

 

Der Fehler.

Die Scham.

Die Schmach.

… und die Lust an der Ausrede

 

 

 

Die Möglichkeit Fehler zu machen, ist für alle Menschen geradezu unendlich groß. Zumeist machen wir sie, weil wir es halt noch nicht besser können. Oder weil wir die Konsequenzen nicht vorher durchdenken können. Oder weil wir zu gutmütig oder einfältig sind – sprich regelrecht naiv. Oder weil uns stringentes Denken und konsequentes Handeln nicht so gegeben ist und wir oftmals mehr im Rate-Modus der Möglichkeiten verweilen und es drauf ankommen lassen, ob es gut oder schlecht für uns ausgeht.

 

Was? Na das, worum es geht, weshalb man besser keine Fehler machen sollte. Partnerschaft, Familie, Erziehung, Beruf, Karriere, Freundschaften… was auch immer. Die Themenpalette für Fehlerquoten ist erstaunlich groß. Darunter gibt es die lässlichen Fehler, über die wir hier nicht sprechen und jene Kardinalfehler, die uns aber in unserem Sein berühren – erst recht die Zeugen des Geschehens. Denn diese Fehler sind spannend!

 

Ein Fehler, den ich persönlich zu den Kardinalfehlern zählen würde ist das Fehlversagen durch Verdrängung. Also Betrug und Selbstbetrug in einem. Kardinalfehler sind schwerwiegende Fehler, weil sie unseren Charakter betreffen können. Und spätestens hier wird jede Schönrederei, Banalisierung des Schlimmen, Bagatellisierung zur Blamage, zur Peinlichkeit, der man sich so schnell wie möglich wieder entledigen will.

 

Diesen schwerwiegenden Selbstbetrug – an was wie auch immer versagt zu haben, mag man im Augenblick des Geschehens nicht einmal im Sinn gehabt haben. Denn zunächst ging es vermutlich nur darum, sein Gesicht vor den anderen zu wahren, die Zeuge dieser Minderleistung wurden.  Bei eigenem Fehlversagen erwischt zu werden, empfinden wir fast alle immer wieder neu als heikel bis abscheulich, obschon wir doch wissen, dass es ständig fast allen Menschen passiert. Trotzdem können so viele oft nicht dazu stehen. Sie schämen sich.

 

Sie schämen sich für die schlichte Tatsache, nicht perfekt zu sein. Sie schämen sich, weil ihr Anspruch an sich selbst höher ist als die eigene Fähigkeit, dem auch immer gerecht zu werden. Dabei bemühen sie sich doch so darum, möglichst perfekt zu wirken. Man will eben doch mehr sein, als man schon ist. Der Schuss geht oft nach hinten los… einfach, weil wir es alle nicht sind!

 

Und nun beginnt das Spiel. Wie verstecke ich nun meine gefühlte Minderwertigkeit vor meinen Mitmenschen am besten, wo sie doch gerade Zeuge wurden, dass da etwas nicht in Ordnung ist?  Wieder einmal ein Fauxpas in einem sensiblen Moment. Wie kaschiere ich, was soeben passiert ist? Manches kann man einfach "übergehen" und "so tun", als sei nichts passiert, solange niemand einen darauf anspricht. Glück gehabt. Nochmals gut gegangen. Demnächst mehr Aufmerksamkeit.

 

Oft aber gibt es unliebsam Wachsame, denen fast nichts entgeht. Wie unangenehm! Nicht, dass sie die Schwächen der anderen suchen, ja geradezu drauf lauern (doch, solche gibt es auch – sind aber hier nicht gemeint!), sondern sie haben einen untrüglich wachen Blick dafür und sind hellhörig mit Sinnen, die nicht die Akustik betreffen.

 

Da ist es dann nichts mehr mit Verdrängung. Da braucht es schon eine saftige "Ausrede", warum, weshalb, wieso… Dabei wäre es viel entspannter ehrlich zu sagen: "Das tut mir leid! Das und das ist mir gerade passiert." So leicht wäre in vielen Fällen das Verständnis der anderen da – man müsste sie notfalls daran erinnern, zu welchen eigenen Missgeschicken auch sie schon fähig waren, die Schamesröte übers Gesicht fluten ließen.

 

Doch Achtung: Man verwechsele  das hier Gemeinte nicht mit den Bagatellen des Alltags! Es geht hier nicht um ein zerbrochenes Glas, eine bekleckerte Krawatte oder ein nicht so gelungener Einwurf, sondern um etwas, das Seele und Gemüt eben auf jener Ebene zu entlarven droht, wo sie stehen: Nämlich unter jenem Level, der gerne suggeriert wird!

 

Seltener geschieht es, dass ein Eingeständnis herzerfrischend spontan kommt! Die, die selbstbewusst zu sich stehen, um ihre sonstigen Kräfte und Talente recht genau wissen, die können es in der Regel schon etwas besser. Ihnen fällt kein Zacken aus der Krone, weil sie ihre Stärken und Schwächen bewusster wahrnehmen und dazu stehen können.  Ihr Selbstbewusstsein nährt sich eben nicht aus dem Schein – oder dem scheinen wollen – sondern aus dem Sein in seinen bunten Facetten von Können und Versagen. Viele andere, von lauten oder leisen Selbstzweifeln gequält, beginnen jedoch erst einmal mit "Ansprachen" zur Sache. Bagatellisieren zum Beispiel auch dort, wo es leider keine Trivialität ist, sondern ein grober Verstoß gegen zwischenmenschliche Gepflogenheiten.

 

Was da passiert wird zum dreifachen Betrug: An sich selbst, an den Zeugen, an der Sache. Und die Zeugen des Geschehens, was machen die? Sie schweigen oft betreten. Umso betretener, je unerwarteter und heftiger das zwischenmenschliche Versagen war und umso stärker hätte es doch gewichtet werden müssen.

 

Bei schlichten Gemütern mögen Ausreden funktionieren. Bei hellwachen, besonders bei sensiblen Menschen funktioniert das nicht – auch wenn sie aus peinlicher Betroffenheit nichts sagen. Kein weiteres Öl auf das gerade beginnende psychische Inferno! Das bessert nichts. Es steht ihnen eher der Sinn danach, erst einmal selbst in Ruhe darüber nachdenken, welche Reaktion angemessen ist. Und sie wollen sich auch nicht als Richter über andere aufspielen, weil sie doch wissen: Auch ich bin nicht perfekt. Auch mir können vertrackte Situationen passieren. Der Zeitpunkt, es in Ruhe anzusprechen und aufzuklären, wird schon noch kommen. Das Finden der Zeit-Qualität ist die Hoffnung!

 

Beginnt man in solchen Fällen mit der Ehrlichkeit vor sich selbst, kann der Weg noch ein guter werden. Doch wer sich noch selbst immer weiter belügt, weil er sich selbst anders nicht erträgt, hat kaum eine Chance auf Wahrhaftigkeit.

 

Unser Leben bietet uns viele Chancen, die Wahrheit immer wieder neu zu üben; denn Fehler machen wir alle noch wahrlich genug.

12.6.2022

Himmel und Hölle nochmal:

"Das Gute ist leicht, alles Göttliche läuft auf zarten Füßen"…

 

 

...das ist der erste Satz meiner Ästhetik, sprach Friedrich Nietzsche! Immer wieder neu umtreibt mich die Frage von Sinn und Zufälligkeit der Existenz. Im Kern stehen das Gute und das Böse und die Frage nach der Konsequenz, wenn man diesen oder jenen Weg im Leben wählt. Häufigste Erscheinung ist wohl eine Kombination von beidem, da beides ja tief in der menschlichen Natur veranlagt ist.

 

Tiefgläubige haben es einfach: Sie glauben halt was sie glauben. Das, was man ihnen beibrachte… und können oder brauchen es erst gar nicht zu hinterfragen. Glauben reicht. Gott und Teufel, Himmel und Hölle – und dazwischen das dumpfe Menschlein als Spielball der Mächte. Wer aber des Hinterfragens kundig ist, wird sich irgendwann im Laufe des Lebens Fragen stellen, die da lauten könnten:

 

Ist nach dem Tod alles vorbei? Oder kommt da noch etwas? Warum soll ich lebenslang gut sein, wenn böse sein ohne jegliche Folgen bleibt? Ist das Gute, das Göttliche tatsächlich leicht? Meist eher nicht, Herr Professor! Aber ihre Ästhetik war ja auch aus einem anderen Zusammenhang.

 

Ist es im Falle einer nachtodlichen Folgenlosigkeit nicht wesentlich angenehmer, gewisse kriminelle Energien – sofern man ausreichend talentiert dafür ist – auszuleben und sich das begrenzte Dasein doch ein wenig gemütlicher zu machen? Zum Beispiel durch das geklaute Eigentum anderer, dass ich ab sofort als mein eigenes betrachte und mir nicht erst erarbeiten muss?

 

Simpel. Mag sein. Zugleich aber auch wirklichkeitsgemäß. Tagein, tagaus, global. Die "Bösen" drangsalieren die "Guten" – oder die zumindest "etwas Besseren" mit… Gewalt. Sei sie psychisch, physisch oder beides. Selbst mit Rechtsprechung wird Gerechtigkeit gebrochen. Wie also erklärt man sich die zahllosen Ungerechtigkeiten, wenn Leben Sinn machen soll, der über den selbst-gegebenen Sinn hinausführt?

 

Gibt es da wen oder was, der oder das uns "steuert"? Ein Höheres in uns oder außer uns selbst? Und überhaupt: Was ist der "Geist" des Menschen, ist er etwa leibgebunden? Ihn mit dem Hirn und seinen vielen Interaktionen allein gleichzusetzen, spaltet nicht nur die Wissenschaftler. Zu Recht. Also zeigt sich die Sache doch ein wenig komplizierter, als es uns lieb sein kann.

 

Inwiefern sind wir tatsächlich freibestimmt im Handeln, leben tatsächlich nach eigenem Willen oder doch mehr als Marionetten, die an merkwürdigen Zufallsfäden kleben? Oder falls wir zwar keine obskuren Marionetten sind, erliegen wir nicht dennoch auch starken Prägungen und Einflüssen, gegen die wir uns kaum wehren können? Ja, die uns nicht einmal bewusst sind, sondern in uns beständig fluten wie die Atemluft?

 

Warum sind die Unterschiede nicht nur zwischen den Menschen so krass, sondern auch ihre Lebensbedingungen? Alles nur eine Frage historischer Folgerichtigkeit oder gibt noch ganz andere Gründe, die hinter dieser menschengemachten Oberfläche unserer äußeren Lebensbedingungen liegen?

 

Ist es gar eine kosmische, eine göttliche Dimension, die leichtfüßig daherkommt, auf zarten Füßen? Oder trampelt das Böse nicht erbarmungslos immer wieder auf dem und den Guten herum, bis sie vernichtet sind?

 

Warum also soll jemand ein "guter" Mensch sein, wenn es sich als "böser" Mensch sehr vorteilhaft leben lässt und danach alles eh "aus" ist? Umgekehrt: Bin ich nur (auch) deshalb ein "guter" Mensch, weil ich doch heimliche Sorge vor eventuellen Konsequenzen habe, falls eben  nicht alles "aus" ist? Sollte man nicht schnell ein kleines Kalkül aus Sicherheitsgründen mit einbeziehen? Das wäre zumindest clever. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten schon nicht mehr, weil in der Dimension der Transparenz eh alles direkt ans Licht kommt. Selbst ein lügnerisches Kalkülchen dieser Art.

 

Und die Gretchenfrage: Was ist mit der Unzerstörbarkeit aller geistigen Vorgänge? Tragen nicht auch oder gerade sie volles Leben in sich, auch wenn sich dieses Leben anders darstellt, als das uns bekannte menschlich-irdische?

 

Weiter: Was weiß man denn schon über Transformationsprozesse und wie ordne ich diese für mich persönlich ein? – Ist es mir vorstellbar, dass alles Seelisch-Geistige transformiert weiterlebt, während nur allein der physische Körper seinen Auftrag am Lebensende schon erledigt hat? Bin ich mit Letzterem allen Ernstes einzig identifiziert? Macht das etwa die Gesamtheit meiner Einzigartigkeit aus?

 

Wenn ja, welche Konsequenzen hätte ich dann aus diesen Gedanken zu ziehen?

 

Bedenkens-wert viele!

11.06.2022

 

Augen zu! …

 

und volle Klarsicht in der Dunkelheit der Möglichkeiten

 

 

Irgendwie ist es merkwürdig. Einerseits sind wir alle froh und dankbar, dass irgendwann einmal nicht nur Penizillin erfunden wurde, sondern auch gleich eine ganze Reihe anderer Medikamente und Impfstoffe, die die Sterblichkeit ach so vieler Krankheiten endlich weltweit senkten. Andererseits hat sich weltweit eine regelrechte Krankheitsindustrie etabliert, ohne die nichts läuft.

 

Die Reihe wirksamer Mittel aufzuzählen würde lange dauern. Und fraglos ist es so, dass damit massenhaft viele Menschen gerettet werden konnten. Aber dann traten völlig neue Krankheiten auf. Teils als Mutanten alter, längst überwunden geglaubter Krankheiten, aber auch ganz neuartige Leiden, die die schöne Bilanz schnell wieder mit überaus hässlichen Flecken zierte.

 

Hier wird geheilt und da wird doch wieder weiter gestorben… wie eh und je. Ein zwar natürlicher Kreislauf, aber einer mit sehr verschiedenen Dynamik in unterschiedlichen Epochen und ihren jeweiligen Bedingungen.

 

Da die Menschheit insgesamt aber anwuchs – wir sind bald 8 Milliarden auf der Erde – müsste man sagen: Wohlan! Die Sache hat geklappt. Die moderne Medizin hat über die alten Krankheiten trotz allem gesiegt.

 

Ist das so? Man muss schon ziemlich schräg hinschauen, wenn man das so behauptet. Am besten macht man dabei ganz feste beide Augen zu. Dann sieht man vielleicht klarer in der Dunkelheit, von der ich gerade spreche. Denn was vor allem auch in einem ungeheuer großen Maß zunahm, waren nicht nur die Operationen (die Leben retteten), sondern auch die Gigatonnen von Medikamenten, die zugleich aber wieder neue andersartige Formen des Krankseins erschufen: Die Krankheiten der Nebenwirkungen, die der Folgen, die die Krankheitsindustrie vortrefflich am Laufen halten.

 

Treiben wir den Teufel mit dem Beelzebub aus? Bleibt alles in  allem der Schrecken der Endlichkeit, weil der Planet sonst eh bersten würde?

 

Ich hätte gern belastbares Material in Zahlen hier dokumentiert. Aber das ist nicht ganz so einfach, weil es immer dabei auch um die Fragestellung geht, die wiederum eine gewisse Raffinesse durch Eingrenzung und Ausbuchtungsdellen bekommen kann. Dennoch: Für Zahlenliebhaber gibt es die WHO-Statistiken abrufbereit auf der WHO-Seite, die den Platz hier sprengen würde.

 

Der Kern der Frage bleibt: Sind wir gesünder als je zu vor, nur weil wir im Schnitt älter werden? Wie ist die Lebensqualität zu bemessen? Auch die Frage nach dem Glück, das ein jeder anders definiert, ist viel diffiziler zu stellen, als es im globalen Glücksatlas seinen Niederschlag findet. Und was die 8 Milliarden angeht: Steigt mit der Anzahl der Menschen nicht auch real und statistisch eben auch die Not… und auch der Tod? Wieso sonst gibt es so viele Millionen Flüchtlinge auf Wanderbewegungen, wenn doch alles in toto besser wird?

 

Was eigentlich wird wo, wann, warum wirklich "besser" …? Oder nur anders, zeitgemäßer, dekadenter, verwöhnter – bei zugleich auch größerer Verelendung und Verarmung, die man dem periodisch hin und her schwappenden Reichtum  auf Gottes wohlbestellter Erde auch mit bilanzieren muss?

 

Man gerät sehr schnell in eine trügerische Sichtweise, weil jede Epoche ihre Qualitäten schon anders definiert. Ebenso jene des Älterwerdens als Maßstab für mehr Wohlbefinden und Volksgesundheit im Allgemeinen. Man befrage mal viele ältere Menschen (jenseits der 80 oder 90 – teils behindert, schwerkrank, pflegebedürftig, abhängig, bettlägerig), ob sie nicht eigentlich längst hätten "gehen wollen" – würden sie da nicht von den Möglichkeiten der Medizin künstlich am Leben erhalten. Aber sterben lassen, will man doch niemanden, wenn man ihn retten kann! Ja klar….

 

... aber es ist zu fragen: In was hinein "retten" wir so viele Menschen im hohen Alter, die auf natürliche Weise bald sterben müssen? In immer längeres Siechtum? Immer längere Phasen starker Schmerzen, die mit immer stärkerer Dosis beantwortet werden muss? Mit Widerwillen akzeptiert oder mit schwachem Willen hingenommen?... Und was wäre denn die Alternative? Kann sie nicht immer nur individuell ausfallen, weil auch alte Menschen teils am Leben und ihren Lieben hängen – teils sich endlich nach Ruhe und Frieden sehnen? Und teils auch zwischen beiden Möglichkeiten so unentschlossen bleiben?

 

Die Frage nach der Definition von Gesundheit und Lebensqualität ist enorm diffizil. Ich höre oft: Gesundheit ist das Wichtigste überhaupt! -Hauptsache gesund!  --- Da muss ich oft lachen!

 

Weil: Man befrage mal viele Kranke, ob sie tatsächlich ihre ganz persönliche Krankheit (Unpässlichkeit, Probleme) gegen so manch eine Proppervollgesundheit tauschen würden, wenn ihnen dafür beispielsweise ihre Fantasie, Kreativität, Arbeitslust, Lebensintensität genommen würde, die sie in manchen Fällen nicht nur mitsamt ihren Krankheiten haben, sondern manchmal auch sogar aufgrund dessen - oftmals das alles noch viel stärker als viele  Gesunde um sie herum?

 

Allerdings: Man kann auch beides so oder so haben … und beides nicht. Denn der Umkehrschluss greift nicht automatisch: Nämlich der, nun festzustellen, dass es doch auch sehr viele Gesunde gibt, die über einen fantastischen Status an Energie, Blutfettwerten, Gewicht, Blutdruck und allem anderem Pipapo verfügen – und dennoch ein erfahrungsarmes, langweiliges, tristes Leben führen – weil sie nun einmal sind wie sie sind, trotz und mit ihrer Gesundheit, und deshalb nun wiederum aus anderem Blickwinkel eine "schlechtere" Lebensqualität haben als so manch ein Kranker, der zwar gern gesund wäre, aber dennoch über ein Höchstmaß an anderer Lebensqualität verfügt.

 

Ob Gesundheit oder Krankheit, jung oder alt sterben, arm oder reich leben immer jeweils die glücklichere Variante ist, hängt vor allem vom Einzelschicksal und seinem Träger ab, der aus einer großen Palette seine individuelle Lebensgrundhaltung selbst verantwortungsvoll gestalten muss… Gesund oder krank, reich oder arm, jung oder alt.

 

Die Sache, man liest es, ist kompliziert. Man muss sich nur tief genug hineindenken und -fühlen und ganz feste die Augen schließen, um in der Dunkelheit klarer zu sehen..

 

 

 

10.6.2022

 

Unter der Fuchtel der Pflicht

 

Vom Spagat zwischen Zusage und Abwehr

 

Das Gefühl einer persönlichen Unfreiheit hängt unter anderem elementar auch damit zusammen, wie sehr man sich in die Pflicht genommen fühlt. Dabei macht es einen großen Unterschied, ob man es selbst ist, der sich – frei (und) willig – in die Pflicht nimmt oder ob es sich um die mitmenschliche Umwelt handelt, die massiven Druck durch ihre verbale oder nonverbale Erwartungshaltung auf uns ausübt.

 

Warum bedienen wir überhaupt Erwartungshaltungen? Weil wir geschätzt, gemocht und geliebt werden wollen? Weil wir ein Außenseitertum nicht oder nur bedingt bis zu einem gewissen Grad ertragen? Weil wir zur Gemeinschaft, welcher auch immer, mit dazu gehören wollen? Erfüllen wir die Erwartungshaltungen der anderen vor allem deswegen  allzu oft auch gegen unseren Willen? Auch, weil  wir so erzogen und geprägt sind, dass der Willen der anderen oftmals über dem eigenen steht? Sind wir höflich oder können wir einfach nicht oft genug Nein sagen, während sich andere selbstverständlich ständig verweigern?

 

Mit Freiheit hat das nichts zu tun, wenn wir wie Marionetten an den klebrigen Fäden anderer Willens- und Erwartungsbekundungen hängen. Sich davon selbst zu befreien bedeutet im ersten Schritt erst einmal eine Bilanzierung des Ist-Zustandes.

 

Mit Fragen über Fragen, die eine erste Antwort brauchen. Wer erwartet was von mir? Mit welchem Recht?  Oder steuern ihn selbst nur egoistische Motive, die er auf meinem Buckel auslebt? Was passiert denn, wenn ich mich verweigere? Liebesentzug? Freundschaftsentzug? Innerer Entfernung? Massiver Ärger? Gar eine Kündigung des Arbeitgebers, der immer eine Finesse findet, wenn er jemanden loswerden will? Oder bin ich selbst nur zu faul, zu bequem, zu egoistisch. Bereit zu verdrängen, um bloß keine komplizierten Veränderungen im Leben auf die Beine stellen zu müssen?

 

Die Antworten können hier schon sehr vielfältig ausfallen. Hat man diese erste Bilanz priorisiert, kann man ans Aufräumen all jener eigenen Schwächen gehen, die das Leben doch massiv hemmen. So manches wird dabei sein, was vielleicht weniger wichtig ist, aber leichter gelöst werden kann.

 

Je nach Nerven- und Mut-Kraft ist es unter Umständen ein guter Einstieg, nicht direkt mit den schwersten Happen zu beginnen, sondern mit leichteren Einheiten, wo das Nein-Sagen, das je nach Typus oft mühsam erst zu erlernen ist, mit weniger starken Konsequenzen verbunden ist. Und hier erlebt man dann augenscheinlich direkt: Es ist gar nicht so schwer! Es ist nichts Schlimmes passiert! So viele Ängste völlig umsonst geschwitzt. Ich hab es nicht nur gut überlebt, sondern fühle mich befreiter denn je. - Das macht Mut für Weiteres, Wichtigeres, das uns belastet und verändert werden will.

 

Leichter wird die Sache für so manchen, wenn man sie radikal zu Ende denkt und  die Konsequenzen nicht scheut. Nämlich, dass ein Nein durchaus zwar zu größeren Verwerfungen, gar zum Ende einer Beziehung oder Freundschaft führen kann, die man aber auch endlich in Kauf zu nehmen bereit ist. Vor allem dann, wenn man selbst der ewige (häufige) Ja-Sager war, der allzu beflissentlich die Wünsche der anderen mit bediente. Vorausgesetzt: Man erkennt, auf welcher Qualitätsstufe diese Beziehung steht, die einseitig zu den eigenen Lasten geht.

 

Oft ist es unsere Angst im Vorfeld, die uns hemmt, uns freier zu verhalten und zu bewegen, als wir es selbst gerne möchten. Freier im Sinne des positiven Radikalen, das bedeutet: Radix – An die Wurzel des Übels zu gehen. Keine Konventionskosmetik mehr! Lieber ein klares Nein, als ein dauerhaft bitteres Ja oder Jein…

 

Doch die Umstände sind oft kompliziert. Das betrifft vor allem oft jene Gutherzigen, die niemandem etwas abschlagen können, weshalb sie auch besonders von allen gemocht werden. Nicht um ihrer selbst willen, sondern ihrer ständigen Bereitschaft wegen, selbstverständlich für die Bitten der anderen zur Verfügung zu stehen und sie damit zu entzücken. So einen mag man doch gerne! Unkompliziert, willig, immer zu Diensten! Everybodys Darling...

 

Ich hätte eine Idee. Sie ist machbar, auch wenn ich selbst vorübergehend daran gescheitert bin. Doch das liegt mehr an mir selbst als an der Idee. Ich schreibe sie auf in der Hoffnung, dass andere Menschen sie zukünftig viel geschickter und konsequenter als ich selbst durchziehen und damit neue Maßstäbe setzen, wo Ausgleich, Fairness und Taktgefühl leider noch zu wünschen übrig lassen, weil zu viel Einseitigkeit die Wirklichkeit bestimmt - sei es aus Kalkül oder Schusseligkeit.

 

Das Schlüsselwort heißt: Zeit-Gutschein. Gedacht für jene frei-(und)-willigen Zeiteinheiten, die man gern für andere Menschen und ihre Bedürfnisse aufwendet. Selbstverständlich ohne Bezahlung, jedoch für die eigenen Zeit-Aufwendungen – für was auch immer -  einen Zeitgutschein erhält. Einzulösen bei Bedarf, wann immer es nötig und beidseitig möglich ist. Im Vertrauen darauf, dass der andere dann seine moralische "Pflicht" ebenfalls zuverlässig erfüllen wird und der gutmütig Gebende sich nicht unter der Fuchtel einer mentalen Überlegenheit fühlt.

 

Allein schon das schriftliche Ausstellung eines Zeitgutscheines über gewisse Stunden erinnert den so Beschenkten dann schon daran, dass da noch eine "kleine Wiedergutmachung" offen ist… sprich: Er wird selbst dann die Gutwilligkeit des anderen Mitmenschen eher bedachter als bisher abfordern, weil er weiß: Ich habe die Pflicht, es irgendwann in Zeiteinheiten zurückzahlen… auf welche dann mögliche Weise auch immer.

 

Es gibt zum Glück sehr viele zwischenmenschliche Beziehungen, wo dieser kleine Trick völlig unnötig ist. Wo es eine Selbstverständlichkeit ist und bleibt, dass da niemand ausgenutzt wird, nur weil er schlecht Nein-Sagen kann. Für all diese sind solche kleinen Kunstgriffe nicht nötig. Da ist die Gegenseitigkeit im guten Lot.

 

Aber dort, wo Altruismus und Egoismus eine toxische Verbindung eingehen, ist diese Sache zu bedenken. Und es geschieht häufiger als man glaubt! Der Ausgleich – ab einem gewissen Maß – ist wichtig, damit das wieder ins Gleichgewicht kommt, was irgendwann der Disharmonie einer Einseitigkeit einer immer wieder abgeforderten Gutherzigkeit zum Opfer fiel.

09.06.2022

 

Typsache!

 

Zwischen chillen und reinklotzen!

 

 

 

Meine Mutter war eine überaus fleißige Frau. Sie hatte nicht nur vier Kinder und eine später pflegebedürftige Schwiegermutter zu versorgen, sondern auch das Haus, ein großer Garten sowie die eigenen Eltern bei der Feldarbeit  mit zu unterstützten, zudem putzte sie täglich die Klassenräume der Schule. Nebenbei waren dann noch drei Mahlzeiten für sieben Personen zu richten, Hund, Katze, Einkauf,  Wäsche und und und. Das soll erst mal einer nachmachen! Hilfe hatte sie eher wenig … kaum der Rede wert. Ihr blieb also gar nichts anderes übrig, als fleißig zu sein, ob sie wollte oder nicht.

 

Wenn sie überlastet war, war sie schlecht gelaunt. Wen wundert's! Diese Kombination dürften wohl viele  Menschen kennen. Also muss man schauen, dass man sich nicht ständig überlastet, da schlechte Laune Gift für die mitmenschliche Umwelt ist. Doch wie funktioniert vermeidbare Alltagstoxikologie? Das ist leicht geschrieben, schwer getan, wenn's kein anderer tut, aber getan werden muss. Also muss eine Lösung her.

 

Meine Mutter fand sie für sich: Auszeit-Chillen, zwischendurch, mitten im Chaos… mitten in der noch völlig unerledigten Arbeit. Nicht in jeder Arbeit zu jeder Zeit, aber doch hin und wieder. Verträgliche seltene Male. Aber immerhin so häufig und demonstrativ, dass es mir als Kind sehr gut in positiver Erinnerung blieb. Meine Mutter saß dann inmitten des Chaos und las einen Western. Alternativ einen Liebesroman. Was davon lieber, weiß ich nicht. Aber ich tippe auf Liebesromane. Solche Literatur war bei uns massenhaft vorhanden. Wo sie herkam, wusste niemand. Gekauft war sie jedenfalls nicht. Vermutlich kam sie von freigiebigen Nachbarinnen, die es weiterreichten… sprich, ebenfalls wohl auch damit am hellen Tag chillten?

 

Wenn Waschtag war, war die Hölle los. Nicht nur heiß und dampfig war diese altertümliche Waschküche, sondern auch gefährlich und mit Schwerstarbeit verbunden. Dann chillte niemand. Auf diese Idee wäre niemand gekommen. Das waren Tabuzeiten für jene unbedingt nötige Auszeit in der sonst permanenten Stresszeit, die immer so etwas wie nach Faulheit aussah und doch genau das Gegenteil war: Gesunde Erholung inmitten eines Berges von Arbeit, die einfach nicht endete.

Später war alles leichter. Die Technik war in so manchem ein Segen; auch wenn ich über vieles heute fluche, weil es mir auf den Geist geht. Dennoch: Viele körperliche Arbeiten waren erheblich leichter. Eigentlich wäre nun die Chill-Zeit nicht mehr so angebracht. 

 

Oder doch? Ich würde es: Liebgewonnene Gewohnheit nennen. Manches war leichter, aber das Schöne soll ja nicht vom Leichten so ohne weiteres verdrängt werden. Also saß sie weiter hin und wieder (!) gut gelaunt in der Küche und… las und schmunzelte und war ganz bei sich. Endlich mal bei sich und ihren Träumen, in der Welt einer Romantik, die das Leben selbst nicht gestattete. Das war mir doch tausendmal lieber als schlecht gelaunt, muffelig, schimpfend und ständig immer nur überlastet.

 

Man mag darüber lächeln; aber die Sache war ernster und wichtiger als sie aussah. Ich habe diese Eigenschaft der bewusst freiwilligen Auszeit während der Arbeitszeit später gern übernommen und pflege sie noch heute. Trotz noch mehr Technik und weniger körperlicher Belastung.

 

Manch einer von jenen Pflichtversessenen, Immerzuordentlichen, konzentrierten Achtsamkeitsaposteln kann darüber nur den Kopf schütteln. So mittendrin die Arbeit unterbrechen… und einfach mal alles liegenlassen? Nichts zu Ende gebracht und dann die Beine hoch? Versunken in die Welt der Fanatasie, wo in der Welt der Wirklichkeit alles nach Ordnung schreit?  Jepp…!!!

 

In meinem eigenen Fall dann natürlich mit einem kritischen Auge auf mich selbst. Auch mit der Frage, ob mich gerade nicht viel mehr die Lust bestimmt als die Notwendigkeit eines Überlastungsabbau. Und öfter geht die Antwort in Richtung Lust!

 

Verwerflich? Nein. Ich arbeite ja immer noch genug. Finde ich jedenfalls. Auch wenn es in meinem Fall halt mehr mit dem Kopf ich. Das strengt auch an, wenngleich anders. Ich kann benennen, was ich tu und mich oft selbst damit erstaunen. Deshalb stehe ich auch dazu, hin und wieder nichts zu tun und dabei ein gutes Gewissen zu haben. Wie meine Mutter.

 

8.6.2022

 

Der Klassiker: Entliebt!

 

Und nun?

 

Verlieben ist leicht. Lieben, so richtig dauerhaft, bedingungslos: schwer, für manche unmöglich. Der Klassiker hat wieder einmal zugeschlagen: Nach schönen Jahren nun entliebt! Die Gründe dafür so vielfältig, wie Menschen halt verschieden sind. War es "Liebe", was man gemeinsam teilte? Man meinte es zumindest. Doch echte Liebe hat kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Alle anderen Gefühle durchaus schon. Denn sie befinden sich im Fluss beständiger Veränderung, dem wir alle unterworfen sind. Wer aufrichtig liebt, entliebt sich nicht – oder hat eben bisher auf eine Art geliebt, die ein ungewolltes Missverständnis war: nämlich unter gleich vielen verschiedenen Bedingungen seine Zuneigung verschenkt – statt unter Bedingungslosigkeit.

 

Nun kommt eine große Palette an Möglichkeiten, warum sich zwei Menschen innigst zugetan sein können: Aussehen, Charakter, Intelligenz, Reichtum,  gemeinsame Hobbys, geistige Interessen, gleiche oder ähnliche Werte, Lebenseinstellung, Humor, Zuverlässigkeit, Sympathie, Karriere, Macht, Schönheit… usw. usw.--- all das und mehr  können so liebenswerte Eigenschaften oder Attribute sein, dass man darauf vertraut: Das hält lange, vielleicht lebenslang! Wir haben eine tolle Basis! Und sie ist sogar benennbar.

 

Pustekuchen! Diese Seligkeit hält oft nur einige Jahre, manchmal noch kürzer, trotz der gegenseitigen Faszination. Ja, es gibt sie noch, doch mittlerweile ist es mehr und mehr die Ausnahme, wo es immerhin sogar für ein paar Jahrzehnte, noch seltener für eine lebenslange Verbindung tatsächlich reicht.  Die Statistiken sprechen unbarmherzigen Klartext, was Trennungen im Zeitkontext betrifft. Übrigens kulturübergreifend, global.

 

Was lief falsch? Vor allem der Generalirrtum, der nicht miteinschloss, dass man sich selbst und selbstverständlich auch der Partner im Laufe der gemeinsamen Jahre noch oftmals gründlich verändert.

 

Der Richtungen gibt es da viele. Äußerliche und innerliche Änderungen. Der eine geht in die Weite oder die Breite, der andere in die Tiefe, der eine schafft Großes, der andere fühlt sich dabei immer kleiner… Bisher vorhandene Stärken können noch stärker, aber auch durchaus schwächer werden. Und mit jeder kleinen Änderung des einen oder anderen kann sich auch die Stimmung untereinander verändern… bis hin zur Unkenntlichkeit jener Persönlichkeit, die man einmal im festen Glauben auf Dauer geehelicht oder sich gegenseitig fest versprochen hat.

 

Was da passiert ist? Man nennt es Entwicklung. Entwicklung ist normal, gesund, folgerichtig… wenn sie gut läuft. Sie kann aber viele Wege einschlagen, die vorher niemandem in den Sinn kommen. Sie kann nebeneinander geschehen, sie kann sich hinterherlaufen in einer Paarbeziehung, sie kann alles auseinanderdividieren, um nur die Grobrichtungen anzuführen. Doch da niemand die Richtung der eigenen Entwicklung kennt und noch lange nicht jede Entwicklung auch gutheißen kann, verändern sich eben auch die Gefühle zu einander, die man mit dem Etikett "Liebe" versah und auch so fühlte, oft aber nur eine Unterart der Liebe war: Verliebtheit, Sympathie, Anreiz, Attraktivität, Anziehung, Leidenschaft, Zuneigung, Zärtlichkeit usw.

 

Fast kaum ein junges Paar ist auf diese Entwicklungen tatsächlich vorbereitet. Sie passieren oft unmerklich über Jahre, schleichen sich leise ein, zeigen sich mal hier und mal da und sind nur eines nicht: wirklich schon eindeutig. Man spürt eine Veränderung bei und mit sich selbst und am anderen. Das verunsichert, weil man das Ergebnis noch nicht kennt.

 

Das Zwischenergebnis jedoch ist meist wenig geeignet, um frühzeitig Hoffnung zu schöpfen: Das wird wieder!  - Denn von der ursprünglichen Harmonie geht es erst zunächst einmal immer tiefer in die schmerzliche Ent-Zweiung. Immer weniger passt! Am wenigsten die beiden, um die es geht. Die Unterschiede, die es schon immer gab, treten nun immer deutlicher hervor und werden vom anderen krummgenommen. Die Sichtweisen haben sich teils bis zur Unkenntlichkeit verändert. So hatte sich das niemand von beiden gedacht. Harmonie war doch viel angenehmer. Und nun ist sie futsch…  oder zumindest so selten erlebbar, dass man sich fragt: War es das nun? Hat es noch Sinn, gemeinsam den gleichen Weg zu gehen? Was ist mit den Kindern? Auf welchem der Wege leiden sie weniger darunter, dass es nicht mehr so ist, wie wir es uns ehemals vorstellten?

 

Patentrezepte gibt es keine. Jeder Fall ist einzigartig. Und wie es Fälle gibt, wo eine möglichst sofortige Trennung die Ultima Ratio ist, so gibt es auch Fälle, wo es angezeigt ist, diese qualvolle Übergangszeit tapfer auszusitzen oder, wenn möglich, aufzuarbeiten. Letzteres ist leider vielen versagt. Denn schon beim Versuch verbaler Klärungen treten die inneren Widersacher oft so vehement mit Argumenten gegeneinander an,  dass eine Verständigung über Sprache oft schwierig bis unmöglich erscheint. Herzen sind verhärtet, Gefühle blockiert.

 

Was ist trotzdem ratsam? Ich plädiere für Gedankenklarheit, die auch wieder zu mehr und gesunder Gefühlsklarheit führen kann. Wer sich den Gedanken tief genug zu Gemüte führt, dass sich ein jeder Partner in einer Gemeinschaft unbedingt verändern darf, soll und kann/muss, wird schon einmal von der mentalen Grille erlöst, es müsste alles so bleiben, wie es jemals war. Das wäre die totale Stagnation. Eine Art von Tod mitten im Leben. Nichts passiert mehr. Das ist schon der Krankheit stärkster Keim, hochinfektiös, der sich über alle anderen Gedanken legen wird und die Gefühle verkümmern lässt.

 

Menschen, die zusammenleben wollen, müssen beide begreifen lernen, dass die Veränderung seiner selbst und selbstverständlich auch des Partners ein lebenslanger Prozess ist, der nur einer natürlichen Notwendigkeit folgt.

 

Spricht man die beidseitigen Veränderungen an und anerkennt das Recht darauf, kann man sich mehr und andere Freiräume neu erschaffen. Diese sollten/müssen so beschaffen sein, dass der andere damit gut und vor allem auch sinnerfüllt leben kann. Kann er das auf keinen Fall, so kann die Trennung letztlich sinnvoll, gar alternativlos sein.

 

Ich glaube, dass viele (?) Paare falsche Entscheidungen treffen, ohne es zu ahnen, wenn sie sich allzu schnell trennen, ohne die Alternativen ernsthaft probiert zu haben. Ihr Blick ist allzu oft auf den momentanen Schmerz innerer Vereinsamung fokussiert, ohne auch schon eine gute andersartige gemeinsame Zukunft visionieren zu können, die gemeinsam durchträgt. Würden sich alle Trennungswilligen klarmachen, dass das, was sie gerade als die persönliche Hölle erleben, im Grunde das Normalste der Welt ist, eben Entwicklung, die auch nur ein weiteres von vielen Übergangsstadien ist, würden sie vielleicht etwas gelassener damit umgehen (lernen).

 

Denn nach den Phasen von Absturz und Tiefe kommt auch bei sehr vielen wieder ein neues Hoch, wenn nur die richtigen Wege gefunden werden. Ob sie gefunden werden, hängt nun wieder auch am Durchblick, der Großherzigkeit und der Einsicht ab, dass beide genug Luft zum Atmen brauchen in der Art, wie sie leben möchten. Da zählt jedes Lot an Reife bei beiden.

 

Dort, wo es nicht im Einklang neu versucht werden kann, bleibt immer noch die Option einer tiefen Verbundenheit und Freundschaft über eine Trennung hinaus. Auch getrennt kann man die gemeinsamen Kinder liebevoll erziehen. Auch wenn andere Partner mit in das Lebensumfeld früher oder später integriert werden (müssen), ist es möglich, etwas von jener wertvollen Zuneigung zu behalten, die einmal als Startschuss für die Ewigkeit erlebt wurde, auch wenn sie auf dem harten Stein der Realität früher als gedacht landete und zerbarst.

 

Alles, was echt war in der Liebe, überlebt das! - In welcher äußeren Form auch immer.

 

Und die Kinder? Sie brauchen die Liebe von beiden Elternteilen. Lebenslang, dringend, und sie haben ein Recht darauf, dass sich die Erwachsenen darum kümmern, dass dieses Geschenk auch eingelöst werden kann.

 

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