Ansichts-Sache

oder

Wie ich die Dinge so sehe ...

 

 

Hier stehen "Verschwindende Texte",

die aus Platzgründen immer nur für kurze Zeit sichtbar sind.

 

Für Interessierte, die meine Beiträge gern nochmals lesen möchten, erscheinen - sobald und falls ich dazu komme! - weitere Taschenbuch-Ausgaben unter dem Tiel "Verschwundene Texte"

 

Der Urheberrechtsschutz / Copyright  (c)  gilt für alle Texte meiner Homepage

20.8.2022

 

 

EinWurf

RCE -  2

 

 

 

 

Ein kleines Ratespiel:

Wer ist der größte "Bauer/Farmer" in USA? … Na…?

 

Richtig, unser cleverer Bill (Gates). Er besitzt mittlerweile ca. 100.000 Hektar Land in USA – überwiegend gutes Agrarland. Das entspricht tausend Quadrat-K I L O M E T E R, die sein eigen sind.

Ein vortrefflicher Grundbesitz! Damit kann man was machen!

 

Ist es richtig, dass Einzelmenschen eine so große Macht-konzentration in Land-Agrar-Fläche in Händen halten dürfen, nur weil sie das Geld zum Einkauf dazu haben, der lange noch nicht abgeschlossen ist?

 

Der Hinweis kam aus  Bergs RCE und ich habe kurz nachrecherchiert. Bei Büchern ist es ja oft zweifelhaft, wo Fantasie und Wirklichkeit ihren merkwürdigen Mix eingehen. Also das mit den gigantischen Landeinkäufen von Bill Gates stimmt.

 

Und wem gehört "unser Wasser" …. ?

 

Na, immerhin 40 Prozent dieses für uns alle so bitter wichtige Überlebens-Mittels, auf das wir auf Gedeih und Verderb angewiesen sind, das teilen sich im Wesentlichen unsere vier Glückskleeblätter:   Nestlé (17 Prozent), Danone (14), Coca-Cola (5) und Pepsi (4)...

 

Wozu brauchen sie so viel Wasser?

Aber jeder weiß es! Das Gold der Zukunft!

19.8.2022

Latente Beunruhigung

 

Kürzlich bekam ich einen besorgten Anruf. Eine Bekannte klagte darüber, dass sie soviel vergesse. Sie ist Anfang 40, geistig überaus rege, eloquent im Gespräch und  gut gebildet.  Übertreibt sie mit ihren Sorgen? Nein, sie schilderte mir etwas, das nicht nur ich auch mittlerweile gut kenne, sondern gleich eine ganze Reihe von Menschen in meiner Umgebung. Nämlich schwindende Gedächtniskräfte. Das Phänomen dabei ist, dass zugleich die geistige Aufnahme hoch effektiv ist, schnelles Lernen kein Problem, geistige Flexibilität gegeben… aber das Erinnern an kürzlich oder auch längerfristig Vergangenes fällt immer schwerer. Kurzum eine Störung im Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis? Aber bei so vielen...?

 

Bis zu einem gewissen Grad kennt das wohl jeder Mensch. Doch das Problem besteht darin, dass man selbst jene entscheidende Schwelle eben nicht genau so kennt, wo man sich tatsächlich Sorgen machen müsste. Soll ich zum Arzt gehen, fragte sie allen Ernstes. Meine erste Beruhigung bestand nun darin, ihr glaubhaft zu versichern, dass ich selbst und viele in meinem Umfeld eebenfalls ein Problembewusstsein dafür entwickelt haben und ähnliches bei sich selbst beobachten.

 

Am Anfang der Demenz steht eine Gedächtnisstörung… Wow! Wir alle etwa schon auf dem Weg zu Alzheimer? Ich glaube es nicht, aber ich habe auch noch keine Antwort auf diese Vorgänge, die ich mehr und mehr beobachte und zu hören bekomme. Gleichzeitig ist beim oben besprochenen Personenkreis die Geisteskraft ja gesund erhalten und die Altersstufen, aus denen ich von dieser Problematik höre, liegt zwischen 30 bis 80 plus. Also von jung bis alt – allesamt gesunde Menschen.

 

Ist es individuelle Reizüberflutung, die sich evtl. in meinem Umfeld kulminiert? Es wäre schon ein typisches Kennzeichen unserer hektischen Zeit, wenn wir dafür den Tribut mangelnder Gedächtniskraft zahlen müssten. Andere denken schon mal an Elektrosmog oder wieder andere, wenige, orakeln Dinge, die man allzu leicht in die Kiste der Verschwörungstheorien stecken könnte.  Soweit, so ungelöst die Sache.

 

Ich bin noch auf der Suche, was es mit der schwindenden Gedächtniskraft alles so auf sich hat. Natürlich ist es auch mangelndes Training, weil wir ständig dank aller Suchmaschinen blitzschnell schnell alles abrufen können. Wozu also noch etwas behalten, wenn es binnen einer Sekunde und schneller sofort in allen denkbaren Variationen ausgespuckt ist? Globaler Gedächtnisverlust durch Computerisierung? Lochfraß in Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis? Ist es evolutionär völlig überflüssig geworden? - Eine ernstgemeinte Frage!

 

Wer vergisst, nimmt nicht so richtig an der Gestaltung des Lebens teil. Es kann individuelle Vorteile haben, vor allem das Unangenehme zu vergessen und sich damit auch weniger zu belasten. Aber es hat auch eine Menge Nachteile, wenn wir Gefahren einfach vergessen, weil sie uns entgleiten. Das spielt vielen in die Hände, die mit Gefahren aller Art Geschäfte machen. Wer sich nicht aufregt, weil er vergisst, worüber er sich erst kürzlich aufgeregt hat, protestiert nicht.

 

In der Evolution hat die Gedächtniskraft des Menschen eine entscheidend große Rolle gespielt. Brauchen wir sie nicht mehr? Rüsten wir um? Rüsten wir auf… oder rüsten wir an der falschen Stelle ab? Was sagt die moderne Hirnforschung dazu? (ich habe es noch nicht recherchieren können…)

 

Das Phänomen bleibt für mich erst einmal sowohl interessant, spannend  wie auch  sorgenbehaftet, weil ich nicht weiß, wie gefährlich es ist und mit welchen Auswirkungen…? Naht die Zeit des Homo Roboticus?

 

Wie geht es Dir selbst damit?

Hast Du Deine egene Gedächtniskraft

einmal objektiv nüchtern beobachtet?

Schwindet sie leicht, mittelschwer

oder ist sie nach wie vor stark?

Ist es Dir egal, weil es ja gar nicht so

unangenehm zu sein scheint, nicht alles

behalten zu müssen und zu wollen?

Oder ist alles nach wie vor paletti im Hirn?...

 

…  Letzteres wünsche ich sehr allen von Herzen.

 

18.08.2022

 

RCE  - I

Remote

Code

Execution

 

Ich jedenfalls hatte mal wieder Null Ahnung, was das bedeuten sollte, als ich das Buch mit diesem Titel kaufte. Ich kaufte es, weil es Sibylle Berg geschrieben hat. Die Prophetin der Dystopie. Aber mittlerweile weiß ich was RCE (gesprochen Aaaaar siiii Iiii - und bitte schön rollen!) heißt. Es bedeutet einen Angriff, bei welchem die angreifende Person oder Organisation aus der Distanz Befehle im Zielzentrum ausführen kann.

Über das Buch, nein, mehr über das dort beschriebene Szenario der Zukunft wird von mir wohl noch etwas öfter zu schreiben sein.

 

Sie berührt einen wunden Punkt in mir: Nämlich jenen, wo sich Hoffnung und Hoffnungslosigkeit ständig gegenseitig ausbremsen. Das ist nicht gut. Aber das ist. Und das sollte eigentlich nicht sein. Und dagegen sollte man etwas tun. Doch dafür muss man dann auch wieder die Zusammenhänge begreifen. Retten am Ende die kaputten Nerds den kläglichen Rest der Welt? Lohnt sich das noch, angesichts der neuen Wirklichkeit? Will da noch jemand gerettet werden?

 

Sollte man das mal wieder so dunkel daherkommende Buch lesen, dass optisch in krassem Babypink gehalten ist? Nein, wenn man eine Abscheu gegen Dystopie hat. Es kann lähmen. Auch nein, wenn man keinen Bezug zu dieser unseligen neuen Internetwelt hat, und sich erst gar nicht auf die vielen irren neuen Begriffe einlassen mag. Noch weniger jedoch um deren Folgen in der Wirklichkeit. Auch darüber werde ich noch schreiben. Wer es dann nicht lesen will, soll stattdessen Bienen füttern... falls er genug Blüten züchtet.

 

Ja, man sollte es vielleicht lesen, wenn man sich auf dem Laufenden halten mag über das, was nirgendwo in der Mainstream-Presse je zu finden wäre. Da ist die Literatur doch ein gutes Stück weiter. Wie seinerzeit auch Hollywood mit vielen SF-Filmen, die später zur Wirklichkeit, dann sogar zur "Normalität" wurden.

 

Ihr lest: Es wird also wieder keine Buchbesprechung. Die gibt es ja zuhauf schon kurz nach Erscheinen des Buches. Es wird eine Zwischenbilanz, die eine Mixtur mit meinen eigenen Themen eingeht. Ich bin erst auf Seite 43 von fast 700 Seiten. Es geht ätzend langsam voran, weil ich ständig im Glossar nachschauen muss, was was denn bedeutet, was ich da lese. Schwierig. Ich habe mal wieder zu lernen. Es hört nicht auf. Hier nun kein freudvolles, entspanntes Lesen voller Spannung. Eventuell am Ende sogar um das Erlernen, doch die eigenen mentalen Finger von der Zukunft zu lassen!? Hmm...

 

Berg beschwört, was sie immer beschwört. Das also ist nicht neu. Interessant jedoch, wie sie es genau begründet und beschreibt und vor allem wohin es führt, dass wir aus den  Fehlern der Gegenwart und der Vergangenheit partout nicht lernen.  Egal wer uns regiert. Es klappt nicht. Es bleibt alles lächerliches Flickwerk, weil es eben nicht die jeweiligen Regierungen sind, die letztlich die Fäden ziehen, sondern ganz andere Kräfte. Wirtschaftliche, versteht sich. Denn Wirtschaft und Macht sind nun einmal eine untrennbare Einheit.

 

Verschwörungstheorienzeugs? Nein, leider nicht. Denn dann würde ich mich dieser Aufgabe des Verstehenwollens und Lernens nicht so intensiv widmen. Alles wird schlimmer, wenn wir nicht...

Ja was denn! Genau das ist der Haken!

 

Mein Problem beim Lesen ist also zunächst verdammt viel begriffliches Nichtwissen. Ein paar erste Happen, die man im Kontext verstehen muss, könnt ihr gerne ja einmal genießen und schauen, ob ihr wenigstens schlauer seid als ich:

 

AI (ich vermutete sofort: Amnesty International : völlig falsch!) - = Artificial Intelligenz – Ein Sammelbegrifft für Algorithmen, Computersysteme, Software, Hardware, die vermeintlich intelligent ist und ganz oder teilweise autonom Entscheidungen oder Handlungen durchführt.

Oder

Amper: Eine Software, welche die synthetische Erstellung von Musik und anderen Inhalten anhand von Stichworten erlaubt (harmlos? Nein, auch damit kann man was machen,immerhin geht es um massive Manipulation, die immer subtiler wird....)

Oder

Arduino. Ein Projekt, welche quelloffene Open-Source-Hardware und -Software entwickelt und herstellt.

 

Wir sind erst bei Buchstabe A! Bis Z im Glossar braucht es noch viele Seiten, die nur Begriffe klären, die ich wieder und wieder im Buch ansteuern muss.  Muss man so etwas wissen? Nein, wenn man in Ruhe in seiner schönen selbstgebastelten Blase weiterleben will. Ja, wenn man das Buch in seinem inhaltlichen Kontext in etwa verstehen will. Das Buch lesen heißt also für mich auch: entnervtes hin und her blättern. Manchmal bis zu 10 mal für eine einzige Seite. Das schlaucht, macht wenig Spaß, ist aber unverzichtbar, wenn man es inhaltlich begreifen will. 

 

Warum ist es so interessant? Weil es für mich – leider, leider – irgendwie halt doch prophetisch-realistisch klingt. Allerdings nicht so zeitlich nah, dass ich es noch erlebe… doch die nächste und übernächste Generation dürfte dort schon massiv hineinrutschen.

Und das ist mir keineswegs gleichgültig! Denn jeder von uns trägt Verantwortung, egal wie ohnmächtig er sich in dieser Welt der Algorithmen fühlt.

Wie nano-winzig-partikelig auch immer.

 

Demnächst mehr darüber. Falls ich es durchstehe.

17.8.2022

 

Politik, Angst

und  zwei Wirklichkeiten

 

 

 

 

Eigentlich nervt mich das Thema Angst, wenn ich ehrlich sein soll. Andererseits ist es wichtig, weil damit Wirklichkeit gestaltet wird. Jedoch nicht nur eine, sondern gleich mehrere: Wirklichkeiten. Plural.

 

Nehmen wir beispielsweise Trump und seine Angstmacherei als politisches Beispiel für viele. Noch ist er da. Also in der Wirklichkeit der Gazetten, die mit jedem Blödsinn tatsächlich neue Wirklichkeit in unserer Realität gestalten. Einfach, weil viele Menschen glauben, was sie schwarz auf weiß lesen. Trump, abgewählt hin oder her. Das interessiert im Moment nicht. Was er macht, ist aber durchaus interessant. Er kehrt, mal wieder!, die Verhältnisse um. Er schürt Angst. Nicht vor sich selbst, wie es ihm unter Umständen doch gut zu Gesicht stünde, sondern vor allem dort, wo es sie nicht braucht. Dort, wo sie als richtiges Alarmsignal verstanden werden müsste, unterlässt er es. Man höre nur genau genug hin.

 

Angst ist vor allem ein mächtiger und wirksamer Ratgeber. Wer ihn lediglich als schlechten Ratgeber sieht, sieht durch stark getrübte Augenlinsen. Dort, wo Angst ihre reale Berechtigung hat, ist es geradezu dumm, sie zu verdrängen. Das geschieht dennoch laufend. Auch von unserer Regierungsseite, die als Motto ausgegeben hat: Bloß keine Verunsicherung! Bloß keine Panik. – Ok, kann man verstehen. Denn er will schon panische Bürger managen. Geht kaum. Aber dafür die falschen Ängste dennoch zu schüren und die berechtigten richtigen Ängste zu verdrängen, ist kindisch, aber leider auch gefährrlich.

 

Berechtigte (!) Angst will wahrgenommen und überwunden werden.

 

Nimmt man die Gefahren, die Angst auslösen können, nüchtern wahr, dann kann man auch alles in der Macht Stehende tun, um beherzt zu handeln. Das verstehen Menschen, wenn man es nur vernünftig und ehrlich erklärt. Aber nein, man will uns schonen, weil wir ja "alles schaffen"… Klar doch. Verharmlost man jedoch Gefahren, weil man ja keinem "Angst machen will", unterbleiben viele wichtige Maßnahmen zu ihrer Behebung.

 

So einfach ist das mit der Angst. Schau weg, und sie wächst!

 

Es gibt einerseits irrationale, überzüchtete, psychotische, wahnhafte, durch und durch manipulierte Ängste. Es gibt aber auch grundgesunde Ängste, die nichts als nur realitätsgemäß sind und ernstgenommen werden müssen. Dafür muss man sie anschauen, analysieren, anerkennen, angehen.

 

Handeln kostet Geld. Geld genug haben aber Politiker nie. Im Gegenteil. Sie wollen und müssen Geschenke machen, damit man ihnen wohlgesonnen ist. Handeln in und für eine lebenswerte Zukunft, kostet nicht nur Geld, sondern auch dazu noch politische Macht. Denn wer als Partei in die Zukunft investiert, wird in der Gegenwart allein schon deshalb in aller Regel nicht gewählt, weil die Gegenwartsmenschen dann schon für die Zukunft jene Gelder aufwenden müssen, die sie lieber für sich selbst investiert hätten. Insofern kann man mit Angst plus sinnvoller Vorsorge keine Wahlen gewinnen.

 

So haben dann die einen Angst vor z.B. den Folgen des Klimawandels, der nuklearen Aufrüstung oder der Manipulation menschlicher Gehirne usw., während die anderen Angst vor denjenigen haben, die den Klimawandel etc. leugnen oder die chronisches Verharmloser sind.  Und so kann sich jeder seine individuell beliebte Angst-Sorte im Katalog der politischen Möglichkeiten auswählen. Irgendwas wird man schon finden. Setzt man dabei allerdings aufs falsche Pferd, dann wird’s nicht nur ungemütlich.

 

Tatsache ist: Verängstigte Bürger kann man besser manipulieren.

 

Politisch ist das ja nicht uninteressant. Man muss nur wissen, bei welchen Ängsten welcher Denkungsart man ansetzen muss. So warnt jede Partei vor der anderen.  Da fallen plötzlich nach allen Seiten alle Hemmungen, wenn wieder einmal Wahlen anstehen und die Sahnetörtchen der Macht für überschaubare Zeit neu verteilt werden. Nun spätestens wird Angstschürerei zum Wahlkampfmittel Nr. 1, die natürlich immer auf der Verantwortung des Gegners lastet, der alles schuld ist, wenn es immer schneller bergab geht. Und da es derzeit tatsächlich bergab geht, ist es dann umso leichter.

 

Es ist also doppelt verlogen, wenn Politiker "aus Rücksicht" auf die Verfassung ihrer Bürger uns vor "schlechten Nachrichten" schützen wollen, weil sie genau diese direkt als Trumpfkarte ziehen, wenn es um den eigenen Vorteil geht. Dann steht die schlechte Nachricht selbstverständlich als Titelzeile obenan, solange sie nur die politischen Gegner schädigt. Plötzlich ist alle Sensibilität vor der ach so armen Bürgerseele, die doch die Zusammenhänge einfach nicht versteht, futsch.

 

Angst, ihr lieben Politiker, macht allerdings ihr mir selbst mit eurer oft verlogenen Angstmacherei mit der Angst, die immer nur den eigenen Zielen dient. 

 

Ich kann mit klarer Information besser umgehen, als mit diesem geschönten Wischiwaschi in Bezug auf Klimafolgen, Energiekrisen, Flüchtlingswellen, Wasserkrisen, Arbeitslosigkeit usw. oder umgekehrt mit der permanenten Apokalypse-Show eures jeweiligen politischen Gegners.

 

Also Finger weg von der "falschen" Angst zum Ziele und Zwecke der Manipulation – und Mund auf zur "berechtigten" Angst, damit wir handlungsfähig bleiben.

 

Angstfreie Grüße aus der Provinz

 

 

16.8.22

 

Energiehunger, Kamele

und Gott

 

Nein, ich werde jetzt mal nicht politisch, also real-politisch. Das bin ich hier oft genug. Ich mosere jetzt einfach mal etwas rum. Realpolitik ist zudem ein mystisch gewordenes Etwas, das nicht einmal mehr Diktatoren sicher zu greifen wissen. Sie spielen sich um Kopf und Kragen. Aber das Spiel ist so reizvoll, dass sie ihre Birne und ihre Kragenweite darauf verwetten, dass ihnen das Spiel mit der Macht eben gelingt. Sie müssen sich nur mit dem Hunger auskennen.

 

Nicht nur mit dem physischen Hunger, den die Darbenden unterhalb der Schwellenländer haben. Das interessiert doch kein Schwein. Sorry, doch, diese lästigen NGO's, die immer maulen und keine Ruhe geben und wie ein giftiger Bienenstachel im Fleisch der Machtmacher sitzen. Aber sonst… Nein, wir sprechen vom Energiehunger. Den haben zwar auch diese Armen, da unten auf dem Planeten, aber das lassen wir mal beiseite. Dass der andere Hunger, also der im Bauch, damit zusammenhängt, klar, gegessen!

 

Es geht um den Hunger der Reichen, besser der etwas Reichen, der noch Habenden, der gesunde wohlproportionierte Mittelstand, der schön blöd ist und zahlt, was man ihm diktiert. Es geht um die, die längst süchtig an der Nadel des Wohlstands hängen und diesen auch selbst noch höchst persönlich erarbeiten (müssen)… Es geht um uns, die wir uns noch das Internet leisten können, noch in Urlaub fahren, aber bald… bald…

 

Da ist noch etwas zu holen! Da muss der Hunger geschürt werden! Da macht man noch Kasse!

 

Und wenn man dabei satt Kasse macht, spielt es sich noch viel vortrefflicher. Dann kann man das Monopoly der Machtblöcke verschieben, kauft die besten Straßen und geht natürlich nicht ins Gefängnis. Man bekommt noch etwas hinterhergeschmissen. So geht das Spiel.

 

Um Energiehunger zu züchten muss man lediglich Energieknappheit schaffen. Ein Krieg hier, eine massive Drohung dort, oder ein Vertrag ohne Wirkung und eine Wirkung mit heftigen Folgen. Folgt noch jemand? Wenn ja, dann kann hier die Verfolgungsjagd aber auch schon wieder aufhören, weil nun klar ist, was Sache ist.

 

Diesmal ist der Schuldige leicht auszumachen, die Geschichte dahinter ist schon wieder komplizierter. Nun ja, so ist es ja immer, wenn man nicht treudoof beim Augenschein alleine stehen bleiben will.

 

Wer "etwas reich" ist, der zahlt sich blöd und dusselig – von der eigenen Hände Arbeit. Wer so richtig schön reich ist, zahlt nichts, aber bekommt noch mehr und immer mehr. Da freut man sich doch! Das ist doch mal eine gute Meldung, zumindest für jene Klientel.

 

Und wer arm ist, wird es bleiben, muss aber auch nichts bezahlen, weil er ja arm ist und nichts hat. Über die schicksalhaften Hintergründe all dieser diversen Gruppierungen lasse ich mich jetzt nicht besser aus. Denn sonst droht karmisches Ungemach von großer Tragweite in Vergangenheit und Zukunft zugleich, mittenmang heraus vom Gegenwartspunkt.  Wehe, wehe… seid froh, dass ich es euch nicht orakele!

 

Am Ende muss ich noch die gute alte Bibel zitieren: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Markus 10,25

 

Aber wer will heute noch ins Reich Gottes!

 

Und wann tatsächlich versuchte je ein Kamel dieses Kunststück?

15.8.2022

 

Trafen sich zwei...

 

 

 

Trafen sich zwei. Die Eingangsfrage hätte nun korrekt zu lauten: Wann?

Also sagen wir, Ende des letzten Jahrtausends, so um die 20 Jahre her. Trafen sich zwei, dann sprachen sie miteinander, bestenfalls. Manchmal sprach auch nur einer. Oder sie redeten sich gegenseitig ins Wort. Temperamentvoll und voller Ungeduld. Oder es waren zwei Langweiler zusammen. Oder zwei Könner, die schweigen konnten, obschon sie sich viel zu sagen haben. Kern der Botschaft hierbei ist: Trafen sich zwei, dann waren es auch zwei. Also zwei Personen.

 

Treffen sich heute zwei, dann sind es drei. Oder vier. Im Regelfall. Das Kunststückchen dabei ist, dass zwei immer physisch anwesend sind, der Rest nicht. Trotzdem ist der Geist der nichtphysisch Zentrierten oftmals dominant im Gespräch. Sie quatschen dazwischen oder ziehen die volle Aufmerksamkeit mit anderem Gedöns auf sich. Jedenfalls sind die zwei, die sich trafen nur noch bedingt in der Lage, miteinander zu kommunizieren, weil sie sich zeitgleich um die zwei anderen kümmern müssen, also die nichtphysisch Zentrierten.

 

Obschon sie nur zu zweit  vor Ort und sichtbar sind – sind sie es dennoch nicht. Denn die Nichtsichtbaren können sich sichtbar machen. O Wunder! Hätten die Menschen im 18. Jahrhundert verzückt geschrieen. Wie geht das nur!

 

Die anderen beiden stecken in einem kleinen Apparat und  zeigen ihr Gesicht oder etwas, das sie gerade günstig eingekauft haben. Oder sie zeigen gar nichts, quatschen aber trotzdem drauf los. So entstehen mindestens parallel drei Gesprächsverläufe, die auch zu einem vierten und fünften werden können. Jeder spricht mit jedem, so wie er gerade Aufmerksamkeit bekommt. Aber man kann ja auch ohne jegliche Aufmerksamkeit einfach schon mal drauf los sprechen. Machen die anderen ja auch. Die physische Anwesenheit ist sekundär geworden. Der Geist läuft auf Schmalspur. Macht ja auch nichts. Er wird ja gerade mal wieder nicht benötigt.

 

Aber wann wird er dann mal benötigt? Also dieser Geist, der früher während Gespräche wohltuend konzentriert zugegen war. Wann bekommt er sein Quäntchen Training, damit er nicht zwischen all dem Multi-Telezeugs verkümmert? Tja… das wissen der und die GeistträgerInnen leider nicht. Denn darüber machen sie sich keine Gedanken. Wozu auch. Es hat sie doch niemand damit beauftragt. Hauptsache: Viel los in der Bude. In diesen Oberstübchen oft voller Müll, wo sich alle  zeitnah mitteilen müssen.

 

Zu welchem Zweck, zu wem und welchem Inhalt sich die beiden trafen, die plötzlich zu dritt oder viert sind, ist nebensächlich. Hauptsache Publikum. Hauptsache man ist gefragt, auch wenn man nicht gefragt ist. Auch wenn man nicht zugegen ist und dennoch voll dabei ist. Es reicht vielen schon, in einem kleinen Kästchen zu stecken und Hi zu sagen…

 

Na, denn…

 

Ich bevorzuge, altmodisch wie ich bin und zu bleiben gedenke, lieber Gesprächspartner ohne Handy-nonstop-benutzer-syndrom. Sollte ich dabei vereinsamen, weil diese Spezies nach und nach ausstirbt, sterbe ich bald friedlich mit. Ich melde mich dann mental aus einem Wurmloch im Jenseits… stromlos, weil, ... der wird eh zu teuer.

14.8.2022

 

Verweile doch, o Sommer! (?)

 

Auf der Suche nach positiv gestimmten Schlagzeilen las ich mich durch ein paar Seiten und entdeckte in DIE ZEIT den Titel: "Bleib doch noch, Sommer!"

 

Huch. da begrüßt jemand den Ist-Zustand. Ein Autor, der keinen Garten mehr bewässern muss, weil er bitteschön die Finger vom kühlen Nass zu lassen hat? Ist er nun froh, dass er sich diese Mühe sparen kann?  - Dann hätte er Grund zu frohlocken.

 

Oder ganz anders. Die Sonnenanbeter, die Körperbräune über alles schätzen und dem Hautkrebs den Stinkefinger zeigen? Sie kommen voll auf ihre Kosten und können ebenfalls frohlocken.

 

Oder die Eisverkäufer, die nicht hinterherkommen, süße Schleckereien immer teurer anzubieten und  damit die wirtschaftlichen Corona-Folgen etwas abmildern können? Willkommen im Club der Frohlocker...

 

Oder die Solareinspeiser, die Sonne satt bei bekommen. Über die niedrige Einspeisevergütung werde ich jetzt nicht abjammern. Immerhin verwöhnt die Sonne all die glücklichen Dächer.

 

Oder... oder.... Also im besagten Artikel ging es um anderes. Aber ich war ja auch nur auf Ausschau nach etwas, das endlich mal wieder schön klingt.

 

Verweile doch, o Sommer - würde Goethe vermutlich nicht rufen. Vielleicht eher: Bringt mir Kühlung, damit ich weiter denken kann.... !?

 

Was der Rest der Republik über Hitze, Dürre, Wassermangel und all ihre Folgen denkt, bleibt hier und heute unausgesprochen. Tun wir mal für ein paar Stunden so, als sei dieser Sommer ein "schöner" Sommer... Einer, der sich endlich mal sommerlich benimmt, sagt nun eine, die sich selbst viel lieber im Schatten aufhält....

 

 

13.08.2022

 

Befriedung mit dem Bösen

 

Absurd oder möglich?

 

Frieden mit dem Bösen schließen? Geht das? Schließt sich  dies nicht unbedingt aus? Hieße es nicht, das Böse am Ende bejahen? Jein.

 

Je nach Denkungsart und Sichtweise kann man durchaus mit dem Bösen der Welt seinen Frieden machen. Bejaht wird dabei nur die Existenz des Bösen als solche. Sie ist eine Tatsache. Und sie bleibt. Es geht (derzeit) gar nicht anders, weil wir unter den Bedingungen einer Polarität leben. Gut-Böse, reich-arm, krank-gesund, lebendig-tot… usw. Die Evolution des Geistes (Bewusstsein, Verantwortung usw.) steckt eben noch in den Kinderschuhen, ob es uns passt oder nicht. Global, kollektiv ...  individuell jedoch auf unterschiedlichem Niveau. Das Böse ist sozusagen sogar die Voraussetzung und Herausforderung an uns, das Gute frei-willig zu entwickeln und zu tun. Das Böse ist in seiner Existenz zu bejahen, um es zu überwinden und sich davon frei zu machen.

 

Wer das Böse nur bekämpft, weil er es hasst und aus der Welt schaffen will, wird vermutlich deshalb scheitern, weil er gegen eine (derzeitige) Unmöglichkeit  kämpft. Denn das Böse ist als solches nicht aus der Welt zu schaffen – jedenfalls nicht aus der Welt, wie wir sie derzeit kennen. Es aus der Welt zu schaffen, ist in die volle Verantwortung eines jeden Menschen gelegt... dort, wo und wie er lebt.

 

Die Welt, die wir kennen, erleben und selbst auch erleiden konfrontiert uns immer wieder wechselweise mit dem Guten und dem Bösen. Auch mit dem Sinnvollen und dem Unsinnigen, dem Weisen und der Dummheit. Und immer müssen wir die Folgen tragen, die sich aus den Umständen ergeben, an denen wir bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt drab beteiligt sind. Dabei ist nichts zufällig, sondern es fällt zu, weil es zu uns und unserer ureigenen Entwicklungsgeschichte gehört, an der jeder zu arbeiten hat.

 

Doch werden wir konkret: Soll ich mich etwa mit Mord "befrieden"…? Mord aus Heimtücke, Raserei, politisch-ideologisch motiviert oder aus Habgier trägt alle Kennzeichen des Bösen. Damit seinen Frieden zu finden, das er nun einmal immer wieder geschieht, dürfte den wenigsten auf Anhieb gelingen. Doch was ist das für ein Frieden? Nicht einer der Bejahung, die das Böse etwa rechtfertigt, sondern ein Frieden, der versteht, warum es (noch) als Tatsache in den Menschen lebt.  Denn die Findung des Friedens mit dem Vorhandensein Bösen ist an Erkenntnis-Bedingungen geknüpft, die man nicht so einfach übernehmen kann.Man muss sie sich erarbeiten, muss sie tief in sich begreifen. Damit ist dasBöse nicht gerechtfertigt, sondern verstanden. Was man versteht, kann man anders beurteilen und auch handhaben. Erkenntnisse wirken nur dann, wenn sie auch authentisch sind. Ehrlich, echt, gewachsen, geprüft – bejaht.

 

Zu diesen Erkenntnissen gehört meines Erachtens die Tatsache, dass sich zwar der Einzelne durchaus so weise (gut) entwickeln kann, dass er das Böse nach und nach auch deshalb unterlässt, weil er es durchschaut hat... und weil er es ab einem bestimmten Stadium von Erkenntnis auch nicht mehr "braucht". Weil er weiß, dass es ein Bumerang ist, der auf ihn selbst – früher oder später – zurückfällt und ihn selbst immer wieder neu trifft.

 

Das Böse ist die Steigleiter zum Guten. Doch die Tritte auf dieser Leiter sind oft sehr brüchig. Und immer wieder werden wir versucht, ja verführt, das (kleine) Böse in unserem eigenen Alltag und Leben zu kaschieren, es in gute Argumente zu kleiden, Ausreden heranzuziehen, die das eigene Tun dann schon weniger böse erscheinen lassen, im Zweifelsfall gar rechtfertigen, weil man ja gute Gründe für dieses und jenes hatte. Ein immer wiederkehrender Selbstbetrug.

 

So funktioniert es nicht. Da muss man schon tiefer in die Kiste greifen und Herz und Hirn zugleich massiv herausfordern. Das Gute zu tun, nur weil die Konvention, die Tradition oder die Religion das befiehlt, gar Herr Kant mit dem kategorischen Imperativ ermutigt, zählt wenig. Doch, es mag in den ersten Schritten helfen, sich ans Gute auch zu gewöhnen, wenn man vorher die Alternative präferierte. Doch letztlich hat anderes Gewicht und wird sich nur als tragend erweisen: Die eigene Erkenntnis, jenseits jeder Ideologie, Philosophie oder Religion, dass das Gute (Wahre, Schöne, Sinnvolle, Richtige, Wahrhaftige usw.) dasjenige ist, wonach unser eigenes Inneres aus tiefstem Herzen strebt.

 

Das Problem: Dahin strebt allerdings allzu oft das Herz (Gemüt, Wille) überhaupt nicht. Im Gegenteil. Gerade im "Bösen" (im weitesten Sinne des Begriffes) liegt oft enorm viel Reiz, viel Attraktivität. Zeigt es sich doch immer wieder neu im Gewand des Guten. Des guten Argumentes, wo der Zweck die Mittel heiligt und damit zum falschen Tun verführt.

 

Es dauert also, bis man selbst soweit ist, dass man das Böse tatsächlich nicht mehr braucht und nicht mehr will. Es begleitet und lockt uns bis zum Tod. Und jedes Mal haben wir eine neue Entscheidung zu fällen. Das geschieht oft unbewusst, unbedacht – oft aus dem reinen Bauchgefühl heraus. Und neigt es sich eher zum Bösen hin, haben wir in aller Regel intelligente Strategien entwickelt, die uns sanktionieren und ganz schnell beschwichtigen.

 

Irgendwann jedoch greifen diese Beschwichtigungen nicht mehr. Dann ist das Gute in uns zumindest auf dem Vormarsch und wird nach und nach attraktiver – obschon es so oft auch mit Frust, Ärger, Kraft- und Nervenaufwand verbunden ist. Doch das ist oft im Leben der Fall, wenn man irgendwas erreichen will. Denken wir an Sportler: Ohne diszipliniertes Training sind da keine Erfolge zu erzielen. Oder denken wir an Ausbildungen aller Art: Ohne Lernen, in welcher Form auch immer, wird es meist nicht klappen. Mit anderen Worten: Die Tatsache, dass ein Vorgang lastend und nicht besonders attraktiv wirkt, sagt nichts darüber aus, ob er am Ende nicht doch Erfolge bringt und glücklich macht, befriedigt - gar in diesem Fall befriedet.

 

So geschieht es in kleinen Schritten auch mit dem Guten in uns allen. Wir haben alle jede Menge davon. Doch wieviel davon setzen wir auch ein? Was verschenken wir davon an wen? Wem zeigen wir es? Wenigstens uns selbst? Bei welchen Gelegenheiten?... Fragen über Fragen, die sich jeder selbst stellen wird, wenn er sich auf den Weg macht, diese zentrale Frage von Gut  und Böse in sich zu klären.

 

Als Tatsache des menschlichen Seins wird beides lange noch Bestand haben, weil die Seelen der Menschen, ja der Menschheit, extrem unterschiedlich ausgerichtet und schon entwickelt sind. Trotz friedlicher Absichten, Friedensverhandlungen, Friedensbe-schwörungen in welchen Zusammenhängen auch immer wird das Böse nicht einfach verschwinden, weil die Bedingungen der Erkenntnis und die Kraft des Willens derzeit dafür noch fehlen, noch nicht ausreichend stark genug sind.

 

Doch individuell sieht das in manchen Fällen schon anders aus. Hier kann jeder seine Schritte tun, die ihn schon dazu befähigen, diese alten Muster durch Erkenntnis und konkretes Handeln im Alltag zu überwinden. Individuen sind es dann auch immer wieder, die uns Vorbild werden und uns zeigen: Es geht…! Macht euch einfach auf den Weg! Aber macht es mit klarem Blick für die Gegebenheiten. Denn Irrtümer, die wir uns aus der falschen Blickrichtung heraus leisten, lassen uns wieder zurückfallen. –

 

Doch auch das ist nur vorübergehend. Irgendwann, in langen Phasen gedacht, wird jeder Mensch einmal begreifen, dass sein eigener Weg letztlich ein guter sein soll und sein wird. Und das bedingungslos…

12.8.2022

 

Blackout?!

 

Schaffen wir uns eine hausgemachte Anarchie?

 

 

 

 

 

 

 

Man bereitet uns vor. Aber nicht jeder hört hin. Vor wenigen Tagen sprach einer der Energiebosse über einen möglichen Blackout im Stromnetz. Blackout über mehrere Tage bedeutet: Gefahr der Anarchie, weil: Keine Tankstelle, keine Ladentür, keine Kasse, kein Kühlschrank funktioniert. Auch kein Anruf bei Polizei oder Feuerwehr. Krankenhäuser arbeiten vielleicht noch eine kurze Zeit mit Notstrom, der nur noch die dringendsten Fälle behandeln kann. Kurz zum: Nicht nur das Licht ist aus, sondern das Leben, das wir gewohnt sind. Die einen igeln sich dann friedlich ein… die anderen nicht. Dazu Panik bei allen, die auf irgendeine Weise hilflos oder bedürftig sind.

 

"Blackout" ist auch ein dystopischer Roman von Marc Elsberg, der Furore machte und der mich seinerzeit vor einigen Jahren schon stark ins Nachdenken brachte. Aber selbst, wenn es nicht so anarchistisch kommt, wie dort geschildert, kann sich doch jeder leicht vorstellen, wie es ist, wenn nichts mehr geht. Computer, Handy, Infrastruktur – niente, nichts, gar nichts mehr. Wer dann keine Vorräte hat, muss in Kürze betteln gehen. Aber das dürfte auch problematisch werden, weil nicht einmal die Haustürklingeln funktionieren (und vermutlich auch nicht geöffnet würde, falls man die Bittsteller sieht). Und bis von Regierungsseite mal eben alles angelaufen ist und in kleinen Einheiten hier und dort mal funktioniert: Das dauert!

 

Bleiben wir aktuell und konkret:  Vor wenigen Tagen sprach einer der Energiebosse im Fernsehen über die nun sehr mögliche Gefahr eines Blackouts in unserem Stromnetz. Dabei ging er noch nicht einmal von eventuell erfolgreichen Hackern aus (was allerdings durchaus recht nahe liegen würde), sondern von dem ganz natürlichen Umstand, dass bei Kälte im Winter und einem evtl. Gas-Stopp plötzlich alle Heizlüfter in Deutschland eingeschaltet werden.  Denn die werden gerade Hundertausendfach gekauft (vielleicht auch millionenfach!?). Sicherheitshalber, damit man im Notfall ein klein wenig Wärme hat, auch wenn es bekanntermaßen ein wahnsinniger Energiefresser und extrem teuer ist. Doch sehen wir auch davon mal ab; weil in der Not zahlt man halt auch noch mehr.

 

Das Problem, so schilderte er, ist ein anderes: Wenn quasi bei entsprechender Kälte all die Hundertausende von Heizlüftern auf einmal eingeschaltet werden, droht die Überlastung des Netzes, die zum Blackout führt oder führen kann. Dann läuft nichts mehr. Sie oben – oder man lese doch einmal den Roman in Bezug auf die Infrastruktur und deren Folgen. Natürlich werden in einem solchen Fall sofort alle Energietechniker rausgeschickt, um die Sache zu beheben. Nach einigen Tagen könnte das auch geklappt haben. Aber es ist immer noch kalt. Und viele haben die Stecker ihres Heizlüfters auch noch gar nicht gezogen, weil sie einfach nicht wussten, woran das nun lag, was da passierte: Nämlich auch an ihnen ganz persönlich – in aller Unschuld ihrer Unwissenheit. Ist also das Stromnetz nach einigen Tagen wieder repariert, dann droht sofort der nächste Blackout, wenn nicht genug Geräte vom Netz genommen wurden – bzw. sofort wieder eingeschaltet werden, weil nun schon längst alles in der Wohnung unterkühlt ist.

 

Tja. Die Sache hört sich ziemlich verfahren an, wenn sie so eintrifft. Dass sie so eintrifft, hat zumindest eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit.

 

Was ist zu tun? Ich schrieb es gestern schon: Kauft Wärmflaschen für den Notfall. Bastelt euch ein Feuerchen, dass das Wasser auch heiß machen kann, denn auf dem Herd läuft ebenso nichts mehr wie auch im Wasserkocher, der sich mangels Strom weiter stur stellt.

 

Vor allem aber hat meines Erachtens die Regierung die unbedingte Pflicht, viel genauer die Menschen zu informieren und auch zu instruieren, was im Falle eines Blackouts zu tun oder zu unterlassen ist. Aber man traut sich nicht. Man hat große Angst, dieses ganz wichtige Thema überhaupt zu thematisieren. Schlimmer noch: Man warnt vor Spekulationen.  Unterlässt man jedoch alle notwendige Aufklärung  – aus Angst vor Unruhen – dann sind vermeidbare Fehlhandlungen ja prima vorprogrammiert: Keiner weiß Bescheid, die meisten machen alles falsch.

 

Wann wurde der letzte Stresstest gemacht unter den Bedingungen von Gasstop und Ukraine-Krieg? Meines Wissens nicht in den letzten Monaten, die aber alles verändert haben. Sollte ein Katastrophenfall eintreten, gelten die Vorgaben des Katastrophenschutzes… Und wie schnell das funktioniert, hat meine Heimat, das Ahrtal erst im letzten Jahr erlebt. (Nebenbei: Bis heute haben ganz viele Menschen immer noch nicht das ihnen zustehende Geld, um ihre Häuser wieder neu aufzubauen. Aber das nur am Rande bemerkt!)

 

Dann gute Nacht… hoffentlich in Zeiten von Vollmond!

 

(Wer denkt, ich sei schon wieder einmal im Negativ-Modus, der irrt. Weil ich positiv denke und immer noch voller Hoffnung auf vorausdenkende Vernunft bin,  denke ich auch, dass man alles gut abfedern kann, wenn dann nur ausreichend viele Menschen Bescheid wissen, was jetzt als Nächstes ansteht… und was zu unterlassen ist. Doch man muss es ihnen rechtzeitig und wiederholt sagen. Einmal reicht nicht! Es muss ins Handlungsmuster eingehen. Unterlässt man aus rein politischem Kalkül jede prophylaktische Maßnahme, dann sollte man sich anschließend nicht beschweren, wenn gefährliche Zustände im Falle eines Blackouts schnell die Städte erobern.)

 

 

11.8.2022

 

Die neue Bescheidenheit -

oder

Die gute Seite der bösen Krise:

Schwein gehabt!

 

Ich hatte Glück. Ich bin ein Kind der frühen Fünfziger. Und das bedeutete in einem deutschen Normalhaushalt: Es wurde gespart. Besser: Es musste gespart werden, weil sonst niemand so richtig  über die Runden kam. Mutter-Mantram: "Kinder, wir müssen sparen. Wenn wieder Krieg kommt...."  Der nächste Krieg war im Kopf längst programmiert. Also sparten wir nicht nur, sondern legten auch schwach haltbare Vorräte an. Damit kamen wir uns fast schon gesichert vor. Der Keller war ständig voller Einmachobst, Marmeladen mit und ohne Schimmel, alten Äpfeln und Kartoffeln, manchmal auch Speck und noch so allerlei. Hauptsache gut gemästet in den nächsten Krieg…

 

Dieser genetische Impuls proaktiver Vorsorgerei ist bis heute stark in mir lebendig. Die Konditionierung war eben entscheidend nachhaltig.

 

Nun brechen neue "Notzeiten" an. Wie notwendig, nötig und notbehaftet sie für den Einzelnen werden, werden wir bald sehen. Erstmal geht es um den geliebten Luxusverzicht, den wir alle als völlig normal empfinden... Und spätestens dann, wenn das wegbricht, ist für viele Mitmenschen  eine neue Intelligenz gefragt, die früher die pure Normalität war: Ressourcen sparen, intelligenter Umgang mit allen Formen von Wasser, Energie, Lebensmitteln – überhaupt allen Dingen, die hergestellt und gekauft werden müssen. Wegwerfmentalität? Kannten wir früher nicht. Und sie ist mir zum Glück auch niemals in Fleisch und Blut übergegangen – auch wenn mein persönlicher Umgang selbstverständlich im Laufe von sieben Jahrzehnten auch etwas lockerer wurde, weil Mamas baldiger Krieg auf sich warten lies.

 

Schwein gehabt! Gut gelebt. Dennoch nicht der vollständigen Verführung eines Konsumjunkies unterlegen, die mich nun direkt ins Desaster führen würde.

 

Niemals jedoch wäre ich auch in all den prosperierenden Jahrzehnten je auf die Idee gekommen, beim Zähneputzen Wasser laufen zu lassen. Solch einen Irrsinn brauche ich mir heute also erst gar nicht abzugewöhnen und stehe nur kopfschüttelnd vor Mitmenschen, die das tatsächlich erwähnenswert finden. Wenn Obst und Gemüse an einigen Stellen etwas faulig sind, wird die Stelle rausgeschnitten und keinesfalls werden diese Lebensmittel im Vorstadium schon verkompostiert.  Das ist doch wohl selbstverständlich. Als Kleingärtner weiß man das – weil man die Mühe der Aufzucht kennt… und den Ärger mit den Schnecken oder den Wespen, die das schönste Obst anstechen und bereits am Baum faulen lassen.

 

Ich könnte nun Hunderte Beispiele aus dem Alltag finden, wo der Umgang mit quasi allem Hantier und Gebrauch von Energie, Gegenständen, unsinnigen Ausgaben usw. nun endlich auch einmal auf den Prüfstand kommt – weil es sein muss, ja längst überfällig ist! Und das ist sogar eine gute Seite der bösen Krise, die mir ansonsten wirklich gestohlen bleiben kann.

 

"Unsere" Dekadenz, Verschwendungssucht, Unbedarftheit im Umgang mit fast allem, was Natur, Rohstoffe, Energie, Materie in jeder Form angeht, hat ein so krankhaftes Maß erreicht, dass mich diese "schicksalhafte" Korrektur geradezu anrührt. Durch wen und was es im Außen mit allen historischen Histörchen im Hintergrundsich wandelnder Systeme, Blöcke, Kulturen und Philosophien auch immer dann ausgelöst wurde: Endlich beginnen Menschen, mehr und mehr die Schätze der Erde zu achten und achtungsvoller zu handhaben, weil sie teuer und wertvoll sind.  

 

Es können noch Zeiten kommen, wo wir uns nach  einen Schrumpelapfel sehnen. Und Zeiten, wo wir es gemütlich fanden, sich eben auch mit einem Pullover vors Fernseher zu setzen und zwischendurch ein Warming up zu machen. Es scheint dennoch für so viele Menschen derzeit so weit weg zu liegen, in einer dystopischen Zukunft, die nicht die ihre ist. Leute, täuscht euch mal nicht!

 

Schafft euch rechtzeitig Wärmflaschen an. Die bringen viel und kosten wenig. Pflanzt Dattelpalmen oder ähnlich nahrhaftes, wenn ihr noch ein Stückchen Land besitzt... Und sei es für die nächste Generation.

 

Die neue Bescheidenheit ist zu lernen. Wer sie schon früh von Kindheit her kannte, dem wird es leichter fallen.

 

Schwein gehabt!

 

 

 

10.8.2022

 

 

 

R Ä U M E

 

 

 

 

 

 

 

 

Menschen im Außenraum

Beengen meinen Innenraum

Bedrängen mein Beisichsein

Wollen in mich hinein

 

Ich muss nach Außen gehen

Um frei durch das Innere zu sehen

Um frei mir den Raum zu erhalten

Wo ich nur selbst kann walten

 

Freiheit im Außenraum

Schützt meinen Innenraum

Lässt mich in die Ferne schauen

Mich an der Nähe bau’n

 

Die ich erreichen will

Mit Menschen, die leis’ und still

Vorsichtig sich nähern mir

Und mir künden hier:

 

Lass uns den Innenraum

Gemeinsam im Außen bau’n

Lass sanftmütig und klar uns sein

Lass dich auf uns neu ein

 

Komm aus dem Innen raus

Schenk uns ein Außenhaus

Damit dann gemeinsam wir

Das Innen gestalten hier

 

Das selbst dann nach Außen strebt

Und Platz schafft für alles, das lebt

Das Liebe und Nähe ersehnt

Sich unter Menschen wähnt

 

Die Liebe ihm geben werden

In der Lernzeit auf Erden

 

 

9.8.2022

 

Vermächtnis

 

Begegnung mit dem Geheimnisvollen

 

Nicht jedem Menschen ist es vergönnt, es zu erleben: Das, was wir das Geheimnisvolle nennen. Manche nennen es auch das Numinose, einen hyperrealen Traum, etwas Wundersames oder Göttliches. Andere mögen es auch mit "psychotisch" diskreditieren, weil es einfach nicht in ihr Weltbild passt und ihnen jeder Zugang dazu noch verwehrt ist. Auch das ist verständlich in unserer technisch-rationalen Welt, die auch in den Menschen ihre Spuren im Denken und Fühlen hinterlässt.

 

In mein Weltbild passt vieles hinein. Das Rationale, das Irrationale, das Wundersame auch deshalb, weil ich alles davon schon in ganz verschiedener Form erlebte, ja, mehr noch: Es verlebendigte sich in der Alltagsrealität. Doch all davon will ich gar nicht berichten, sondern diesmal von einer ganz anderen Geschichte, die mir gestern ganz rational und wundersam zugleich begegnete.

 

Eine meiner älteren Freundinnen ahnt um ihre Endlichkeit schon seit einiger Zeit. Sie weiß sehr genau, dass ihr nicht mehr so besonders viel Zeit zum Leben bleibt. Es gibt dafür handfeste medizinische Gründe, aber vielmehr, so sagt sie, fühlt sie es auf allen Ebenen.

 

Den eigenen Tod vorher zu "fühlen" ist eine natürliche Wahrnehmung, die Millionen von Menschen aus allen Kulturen kennen – wenngleich dies nicht auch jedem Menschen als wahrnehmbare Eigenschaft geschenkt ist. Vielleicht braucht es ein gewisses Maß an Sensibilität, die Leben und Tod als eine natürliche Einheit sehen kann. Vielleicht braucht es auch Mut, seinem eigenen Ende innerlich befriedet ins Auge zu sehen. Oder ist es Glaube, verbunden mit Hoffnung, die diese Sensibilität eher zulässt als bei jenen, die halt von ihrer definitiven "Vernichtung" überzeugt sind!?

 

Sie hat diesen Mut und gehört zu eben jenen, die es vermögen, ihre differenzierten Wahrnehmungen auch weise zu betrachten. Sie ist geistig auf der Höhe, gedankenklar, hellwach, trotz ihres Alters von Mitte achtzig. Aber das ist in der heutigen Zeit nicht einmal so besonders bemerkenswert, wo doch viele Senioren die Grenzen nach allen Richtungen sprengen. Jedoch im Hinblick auf das Geheimnisvolle ist ihre geistige Gesundheit und Wachheit durchaus von Bedeutung.

 

Gestern erzählte sie mir (sinngemäß): Ich hatte einen Traum. Einen sehr bemerkenswerten, der sich von meinen anderen Träumen unterschied. Mir träumte, ich läge im Sterben. Plötzlich erschien jemand. Ich habe keine Ahnung, wer das war. Es sprach zu mir: "Du hast die Möglichkeit, ein letztes  Geschenk zu machen. Du darfst einem Menschen all das Gute schenken, dass in dir bis zu deinem Tod angewachsen ist, das von dir zu Lebzeiten errungen wurde. Aber es darf nur EIN Mensch sein. Du kannst  und darfst es nicht auf mehrere Menschen verteilen. Überlege dir gut, wer das sein soll." Aber ich musste nicht überlegen. Ich wusste sofort wer das sein soll. Es war "K". – Das überraschte mich selbst, weil ich  ihn mir keinesfalls bewusst ausgesucht hatte. Da war kein Nachdenken, sondern nur ein stilles Wissen, das keine weitere Überlegung brauchte. Ich fühlte sofort ein tiefes Ja zu meiner Entscheidung. Doch diese Entscheidung wurde noch weiter abgeprüft. Dann starb ich im Traum. Nach meinem Tode wurde ich wiederum befragt, wer das Gute, das ich in mir selbst schon entwickelt habe, geschenkt bekommen soll. Und wieder war es "K"… Und wieder war es so sonnenklar, wie es nur sein kann – obschon mir doch so viele Menschen viel näher stehen als "K", als dieses kleine Kind  von sechs Monaten, ein Baby noch… Und dann wurde ich ein drittes Mal gefragt, ob es dabei bleibt, dass es "K" ist, der die Erbschaft des Guten übernehmen wird. Und ich bejahte es wieder freudig. --- (Ende)

 

Mich rührte dieser Traum nicht nur sehr an, sondern ich nahm ihn ernst. "K" als neuer Träger und Erbe des Guten eines Menschen, der bald die Erde verlassen wird. Natürlich kam mir gleich in den Sinn: Sie wird oder ist bereits die Seelenführerin dieses noch kleinen Geschöpfes, das derzeit noch nicht laufen und sprechen kann. Und vermutlich haben die beiden – nicht miteinander verwandt und nur ein einziges Mal sind sie sich bisher erst begegnet! – eine uralte reinkarnatorische Beziehung.

 

Ich weiß: Damit können viele Menschen nichts anfangen. Aber das ficht nicht die Wirklichkeit an, diese feinere, höhere Wirklichkeit, die über dem Wissen der meisten Menschen steht und vor allem auch wirksam ist und wird.

 

Möge "K" diesem großen und bedeutendem Erbe gewachsen sein, möge er es hüten und mehren in einer Zukunft, die vermutlich keine leichte für die gesamte Menschheit wird. Möge er sich dankbar dafür erweisen, dass seine "Seelenführerin" ihn mit so etwas Schönem beschenkte… das er wirksam in die Heilung der Erde einbringen kann.

 

---

 

Ein kleiner Nachruf an die Rationalisten:

 

Man kann dieses Ansinnen natürlich psychologisch auf ganz vielen Ebenen auch ganz verschieden deuten. Mit dieser kleinen Geschichte ist nichts bewiesen und mir selbst fielen nun auch viele Einwände ein, wie man es sonst noch betrachten könnte. All das ist meinem rationalen Verstand überaus bewusst.  - Aber darum geht es gar nicht. Das wäre ein völliges Missverstehen.

Es geht darum, dass sich hier zwischen zwei Menschen  etwas Wunderbares ereignet, dessen Ausgang zwar noch offen ist, aber der das Schönste und Wertvollste Geschenk in sich trägt, dass ein Mensch zu geben hat:

Sein Gutes! ... an dem er bis zum Schluss lebenslang wirkte

 

 

 

 

8.8.2022

 

 

 

Leben – Ein Grund zur Dankbarkeit?

 

 

Fragt man "allgemein" nach, ob jemand dankbar dafür ist, dass er lebt, wird er angesichts der Alternative vermutlich eher ja sagen. Wer will schon – außer der Kaste der Selbstmörder – hier und heute direkt sterben? Das dürften verschwindend wenige Menschen sein.  Und wenn man sieht, welcher Aufwand betrieben wird, um einzelnes Leben zu retten, ist die Antwort wohl noch viel eindeutiger. Gleichzeitig scheut man sich nicht, Millionen in die Kriege auf allen Kontinenten zu schicken. Dennoch: Ärzte könnten ihren Beruf allesamt an den Nagel hängen, würden die Menschen verständlicher Weise nicht so am Leben hängen.

 

Doch ist das wirklich so?

 

Die meisten Menschen, die in Lebensgefahr sind – sei es durch Krankheit oder Unfall – kämpfen um dieses ihr einzigartiges Leben. Ein Leben, dass auf diese Weise niemals mehr gelebt werden wird und werden kann, weil es dem Gesetz des Individuellen unterliegt. Und es wird weder Geld, Angst, Mühe, Aufwand gescheut, um das eigene Leben – trotz des Wissens um die eigene Endlichkeit – doch noch ein stückweit zu verlängern. Mehr ist eh nicht drin, weil sterben unser Los als Lebewesen ist. Zumindest das Sterben auf der Ebene der physischen Vergänglichkeit.

 

Trotzdem ist es auch kein Widerspruch, wenn man das Leben in vielen Momenten und Phasen im Laufe der eigenen Biografie immer mal wieder  so richtig satt haben kann. Keinen Bock auf weiterleben, weil die persönlichen Umstände einfach zum ko…. sind. Dabei kann es sich um Schmerzpatienten handeln, die keine Lust und Kraft mehr auf dauerhaften Schmerz haben – oder um Menschen, die von dieser Welt nur noch angeödet werden, weil zu vieles im Argen liegt, um noch Hoffnung auf Besserung zu bekommen.

 

Man denke an die vielen Pechvögel, die trotz Fleiss von einem Fettnäpfchen des Lebens ins andere treten, sich immer wieder neu aus dem Sumpf ziehen müssen, erschöpft sind vom kämpfen…. Oder Hunger, Armut, Perspektivlosigkeit haben ein Maß erreicht, dass es nun doch langsam doch bald zum sterben reicht. Die Unzufriedenen sind es, die es mit der Dankbarkeit für ihr eigenes Leben nicht so nehmen können, wie es uns doch immer wieder eingetrichtert wird. Seid dankbar, dass ihr lebt! Ich kann da so manchen verstehen; denn alltäglich beständiger Kampf in und um die eigene Existenz macht lebens-müde, ganz ohne die Gefahr, deshalb auch gleich ein Selbstmordkandidat zu werden.

 

Gemach, gemach,

gurrt leise

der innere Guru –

der Weise!

 

Dein Problem schaffst du selbst: Kampf! Lass es sein. Hör auf damit…

 

Recht hat er.

Hat er? Die Sache stellt sich in der Wirklichkeit ein wenig komplexer dar. Denn viele Menschen müssen nicht nur für sich selbst sorgen, sondern auch für Kinder oder Familienangehörigen, die es selbst nicht vermögen. Da ist die Absage an den "Lebens-Kampf" im Alltag schon etwas schwieriger, als wenn es nur um einen ganz persönlich geht.

 

Sollten also alle dankbar für ihr Leben sein?

 

- Nein, wird so mancher rufen, ich bin sauer. Ich bin nicht gefragt worden. Ich wurde in eine Welt hinein geboren, die mir unlieb ist. Sie ist zu verlogen, zu dekadent, zu oberflächlich. Sie ist verseucht, lieblos und unendlich träge in Bezug auf ein symbiotisch-gesundes Miteinander. Das ist nicht meine Welt. Und deshalb ist es auch nicht jene Art von Leben, dass ich mir gewünscht und woran ich gern fleißig mit gewirkt hätte.

 

- Ja, sagt der nächste, der es anders begriffen hat, worum es geht: Um eine einzigartige Konstellation in einer einzigartigen Chance. Klar, alles voller Risiko. Alles driftet ab der eigenen Geburt einzig wieder zum eigenen Tod hin. Aber dieser Zwischenraum! Dieser zauberhafte, abenteuerliche, noch völlig offene und unbekannte zeitliche Zwischenraum schafft Tausendundeins Möglichkeiten, Leben zu gestalten: Erfolgreich oder erfolglos. Glückerfüllt oder mit Pech umhüllt… in jedem Fall spannend ohne Ende, wenn man nur in der Lage ist, sich die Mannigfaltigkeiten der eigenen Chancen vor Augen zu führen.

 

Doch, dabei kann man dann doch wieder dankbar werden.

Weil man die Blickrichtung vom Lebens-Frust zur Lebens-Lust gewechselt hat.

.

 

 

 

07.08.2022

 

Post!

 

Derzeit flattert uns alles Mögliche in den Briefkasten. Sei er digital oder sichtbar in Hausnähe angebracht. Die Meldungen haben in aller Regel etwas gemeinsam: Es geht ums Geld. Um viel Geld, das wir demnächst alle mehr bezahlen sollen. Sollen? Nein, müssen. Wir werden nicht gefragt. Es wird von uns verlangt. Und sind wir nicht willig… dann, na ja, jeder weiß es… dann wird’s um uns herum bald duster oder kalt oder das Wasser wird abgestellt. Oder man fliegt irgendwo raus weil man es nicht mehr bezahlen kann.

 

Die Regierungsverantwortlichen wissen schon, dass das ganz heftig werden kann… und wird. Sie bereiten sich deshalb ja intern auch schon auf ein gewisses Maß an "Unruhe" vor. Man muss nur genau hinhören, wie sie es zwischen den Zeilen bereits kommunizieren. Womit, wie und in welchem Ausmaß, das liegt noch in der Zukunft.

 

Derzeit wird noch geurlaubt im noch reichen Deutschland. Man geht in Cafés und kann sich noch eine Pizza beim Italiener leisten, auch wenn schon alles deutlich teurer wurde. Aber noch sprengt es bei den meisten nicht die letzte Grenze der Ausgaben. Das allerdings könnte im Spätherbst und Winter anders aussehen.

 

Dann geht es vermutlich hops, hops, hops und die Dominosteinchen unseres sensiblen Wirtschaftssystems fallen schnell nacheinander um. Der Einzelhandel klagt bereits, Gastro und Reisebranche, noch schwerst gebeutelt von Corona, dürfte das nächste Debakel bevorstehen. Denn wer hat dann noch Geld für jenen kleinen "Luxus", der doch schon lange zur Gewohnheit wurde. Ja, hat man darauf nicht schon eine Art Abonnement - sozusagen ein Recht darauf. Mehr gefühlt als juristisch... Essengehen, Urlauben, shoppen…

 

Doch, ein paar bleiben schon übrig, die es sich auch weiter leisten können. Die Krisengewinnler. Sie sind so zäh und unkaputtbar wie Urtierchen, was ihre Überlebensstrategie in angenehmster Wohlbehütetheit angeht. Aber diese Klientel geht eh in die wenigen Luxusgeschäfte, die nur wenig Arbeitsplätze bieten können.

 

Es wird ein Test für uns alle werden. Dabei wird sich zeigen, ob unsere Regierungsverantwortlichen – gleich welcher Partei-Coleur – auch wirtschaftlich und rechtlich so kreativ sind, dass sie eine ausreichende soziale Abfederung hinbekommen.

 

Nur: Wer zahlt sie? Die Reichen, das wissen wir längst, zahlen sie niemals. Die Armen können sie nicht zahlen. Der Mittelstand ist seit Jahren im Sinkflug zur latenten Verarmung. Die Konzerne, Energieriesen usw. zahlen auch niemals wirklich, weil sie alle Ausgaben, incl. der oft irrwitzigen Boni für oft auch irrwitzig schlechte Manager, immer und ausschließlich letztlich auf die Preise wieder umlegen. Insofern ist das Politikergeschwätz, dass  man diese oder jene Branche mal "zur Kasse" bitten müssen, immer wieder neu ein Ammenmärchen für Naive. Es ist es eine Farce zu glauben, man könne die Waffenkonzere, die Pharmaindustrie, Autoindustrie (die gerade auch selbst kämpft) oder wen auch immer  tatsächlich einmal "zur Kasse bitten".

 

Die "Letzten", die etwas haben, von denen man es tatsäclich nehmen kann, ist der Mittelstand, der nicht die Panama-Schlupflöcher nutzen und von anderen halbseidenen fiskalischen Süßigkeiten naschen kann…. Für Steueroasen und deren geschickte Handhabung braucht man schon heftig hohe Konten.

 

Aber was, wenn der Mittelstand, der normale kleine Hausbesitzer, auch nicht mehr zahlen kann? Was, wenn den vielen verschuldeten Häuslebauern aus dem Mittelstand ebenfalls die Luft ausgeht. Danach sieht es gerade ziemlich massiv aus. Was dann?

 

Liebe Leute, die ihr vertrauensvoll immerhin von der Mehrheit gewählt wurdet, habt ihr dafür einen Plan? Also einen wirklich funktionierenden? Wenn ja, zeigt ihn her, damit wir ruhig schlafen können…

 

 

06.08.2022

 

Manchmal tut sich ein Riss in der Zeit auf

 

 

 

Dann ist es mir so, als schwimme ich in der Blase einer Wirklichkeit - ja,  in einem unauslotbaren See vieler Wirklichkeiten. Schmerz nehme ich in solchen Momenten selektiv war. Manchmal vergesse ich ihn, obschon er doch quält. Eine Art Hintergrundquälen, das sich mal nach vorne ins Bewusstsein beamt, manchmal in rücksichtsvoller Verschollenheit verharrt. Es ist merkwürdig, dass so etwas Beständiges über Stunden, Tage sich dennoch so unbeständig benimmt. Woran liegt es? An meiner flattrigen Wahrnehmung, die sich mal so oder mal anders entscheidet, was nun prioritär ist?

 

Beim Schreiben passiert es am häufigsten. Dann bin ich so auf andere Gedanken konzentriert, dass Zähne, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen oder anderes Lalala der körperlichen Unbefindlichkeit mir Streiche spielen. Unbefindlichkeit? Ein merkwürdiges Wort. Befindlichkeit kenne ich. Aber Unbefindlichkeit  lässt mich gerade stocken. Gibt es das? Wenn nicht, so gibt es das eben jetzt. Möge man es interpretieren, wie man es fühlt. Und fühlen sollte man immer, wenn man liest.

 

Was fühlst du im Moment? Ich erfahre es nicht. Aber erfahre du es unbedingt selbst! Unterbrich die Leserei an dieser Stelle. Fühl dich.

 

Alles scheint unzuverlässig zu sein, in dieser Blase, in der ich ebenso lebe wie in anderen Blasen. Doch ergeht es nicht jedem so? Hat nicht jeder viele Wirklichkeiten? Liegt der Unterschied nur darin, dass viele Menschen die Nuancen dieser Feinheiten nicht erkennen, übergehen oder als sekundär erleben... und damit nicht erleben, obschon sie es erleben? Eigentlich wollte ich heute morgen über etwas ganz anderes schreiben. Worüber  habe ich gerade wieder vergessen. Vielleicht sollte ich gleich mal in eine andere Wirklichkeitsblase hüpfen...

 

Nachtrag:

Es ließ mir keine Ruhe: diese Unbefindlichkeit. Also im deutschen Duden kennt man den Begriff tatsächlich nicht. Insofern ist es eine "Neu-Erfindung". ABer es gab sie schon einmal in Grimms Wörterbuch, 1919...

Quelle: Staub-Tobler 1, 849: also das er auch befyndtliche fynsternus unserer aigner unbefundlikait uber unns gesendet hat Eberlin v. Günzburg 3, 251 neudr. Fundstelle

 

Wenn das mal kein Kennzeichen einer meiner Zeitblasen ist! Altes-Unbekanntes "neu" (er-)finden!

 

5.8.2022

 

Mich hat's böse erwischt!

 

 

 

Mein quälender Zahnschmerz muss behandelt werden. Darum heute und hier nur ein uraltes Reimchen von mir zum Thema Körper-Schmerz, der mich derzeit stark beeinträchtigt, während ein Teil von mir "die Alte" bleibt....  und nach dem Leiden sich wieder dem Leben widmet

 

Denken, schlafen, fühlen, leiden
zwischendurch Gedichte schreiben

Schlafen, denken, leiden, fühlen
in alten Emotionen wühlen

Schlafen, fühlen, leiden, denken
Mich selbst mit Vision beschenken

Fühlen, denken, leiden, schlafen
Mit heftigem Schmerz mich selbst bestrafen?

Träumen, schimpfen, hungern, ruh’n
Jetzt einmal für mich selbst viel tun

Schimpfen, hungern, ruhen, träumen
Den Krankheitsgrund nur nicht versäumen

Ruhen, hungern, träumen, schimpfen
Mich gegen zu viele Wünsche impfen

Träumen, ruhen, schimpfen, hungern
Hochaktiv im Bett rum lungern

Fiebern, schwitzen, dösen, weinen
Ein neuer Weg will mir erscheinen

Dösen, weinen, schwitzen, fiebern
Ich muss ihn strukturell noch gliedern

Weinen, fiebern, dösen, schwitzen
Ihn glutvoll mit Gefühl erhitzen

Schwitzen, weinen, fiebern, dösen
Um Erkenntnisknoten aufzulösen

Lachen, reimen, frieren, schreiben
Gedankentiefe will nicht bleiben

Reimen, lachen, schreiben, frieren
Werd den Humor doch nicht verlieren!

Frieren, schreiben, lachen, reimen
Lass ich mich von der Psyche leimen?

Schreiben, frieren, reimen, lachen
Nein, was schreib ich nur für dumme Sachen!

Der Schmerz hat mich zum Narr’n gemacht
gleich ist’s drei Uhr spät, dann gute Nacht

 

 

04.08.2022

 

 

Mein Haus, mein Pferd, mein Banksy ... Selbstlob stinkt! - Ja?

 

Natürlich stinkt es gewaltig, wenn man es mit Angebern zu tun hat. Mein Haus, mein Auto, mein Pferd,  - meine attraktive Frau, mein Golfclub, mein Banksy an der Garage so in dem Tenor. Blabla… selbst wenn es stimmt: Es langweilt die meisten Menschen. Der eine oder andere mag auch kleine Anflüge von Neid dabei empfinden, doch ich vermute diese Gruppe wesentlich kleiner als jene, die einfach nur genervt von dieser Angeberei ist. Insofern ist dieser Aspekt von Selbstlob und ziemlicher Stink-Stunk-Angeberei hiermit thematisch auch schon erledigt.

 

Doch Hand aufs Herz! Werden Sie, wirst du, DU ganz persönlich, eigentlich ausreichend für das gelobt, was dir nicht nur Mühe bereitet, sondern was du auch noch wirklich vortrefflich er/schaffst?

 

Bekommst du die Zuwendung, die Aufmerksamkeit und den Zuspruch, der all deine Bemühungen tatsächlich auch würdigt?

 

Wenn ja, wie oft – wie selten? Von wem – von wie vielen.? Vor allem aber: Auch von den "Richtigen", also jenen, die die meisten Vorteile aus deiner Mühe und dem Gelingen ziehen? Von denen, die dir wichtig wären, weil du es ein stückweit auch für sie tust?

 

Ich kenne niemanden in meinem Umfeld, der ausreichend häufig gelobt wird für das, was er leistet.

 

Gewiss, es gibt sie sicher, die Hochgelobten. – Darunter vor allem auch jene Großverdiener, wo allein das Supergehalt zeigt, wie sehr man mit seinen Talenten geschätzt wird. Man denke an Fußballmillionäre, Rennfahrer, Wirtschaftsbosse, geschickte Börsenzocker… all sie bekommen ihren Zuspruch unter anderem durch eine ganze Menge Geld (es sei ihnen gegönnt) sowie dazu noch die mediale Öffentlichkeit als VIP, damit die eigene Bedeutung nochmals unterstrichen wird. Allerdings auch nur  solange sie die Mainstream- und Regenbogenpresse nicht verärgern. Dann allerdings beginnt oft schnell die öffentlich zelebrierte Kreuzigung, danach das Schlachtfest. Besonders geeignet sind dafür Künstler, Politiker, Sportler und natürlich der Nieder- und Hochadel.

 

Doch auch um diese Gruppen geht es nicht. Es geht um dich und deine Gruppe. Die Durchschnittsmenschen. Die staunend zusehen, was möglich ist und ihnen ganz selbstverständlich vorenthalten wird: Anerkennung.

 

Manche, vielleicht sogar viele, leisten als solche oft Überdurchschnittliches – und bekommen dafür: nichts! … oft sogar nicht einmal ein Festgehalt, oder das halt bestenfalls. Sie haben halt gut zu sein. Tag für Tag, ein Leben lang. Und sind sie es mal nicht, ist Ärger oder Abmahnung vorprogrammiert.

 

Und sonst? Tote Hose – was die Anerkennung von Talent, Mühe, Arbeitseinsatz und Herzblut angeht. Jeder ist stoisch auf sich selbst konzentriert – oder auch manchmal frustriert, aber funktioniert. Was bleibt einem auch anders übrig! Immerhin muss man seine Existenz sichern mit dem was man kann. Und da jibbert schon so manch einer nach einem freundlichen Wort, eine winzige Anerkennung, die selten genug kommt. Bei manchen kommt sie: nie!

 

Das ist ein Skandal. Tag für Tag neu. Immer und immer wieder. Niemand da, der sagt: Mensch, du bist wirklich phänomenal. Du schaffst so Tolles. Was du machst, gelingt dir beeindruckend gut… usw. usw…

 

Ein verdientes, grundehrliches Lob fürs tatsächlich Geleistete. Eines, das meist ausbleibt, weil niemand da ist, der deinen Mühen und Begabungen jene so wichtige Würdigung zukommen lässt, die dich doch so stärken, erfreuen und motivieren würde.

 

Ich lobe oft. Nicht aus pädagogischen Gründen. Das fällt mir gar nicht ein. Sondern allein aus Gründen der Wahrheit, die auf meiner konkreten Wahrnehmung und Erfahrung beruht. Manchmal ist es auch tiefe Dankbarkeit, die ich empfinde, wenn andere mal wieder und immer wieder etwas Tolles leisten - was so leise und selbstverständlich daherzukommen scheint. Ich lobe, weil es schlicht und einfach verdient ist. Wenn ich Gutes sehe, erlebe, erfahre, würdige ich es, weil es eben würdigenswert ist.

 

Und schaffe ich selbst einmal wieder viel, gehe über meine Grenzen hinaus, erschöpfe mich freiwillig, gern und dennoch auch unter einer oft großen Bürde,  dann lobe ich mich selbst, wenn es sonst niemand tut. Still, leise, unhörbar für andere, erlebbar nur für mich selbst, weil ich weiß, wie schwer es doch war…

 

Da ist dann nichts, was übel riecht.

Eher duftet es nach Zukunft, die noch mehr davon will und braucht. Von vielen, von uns allen.

 

x x x

 

PS :

Die Vernetzungs-Serie geht später noch weiter. Es fehlen noch ein paar Recherchen. Deshalb zwischendurch, wie gewohnt, ein bunter Themenmix zu vielem, was das Leben sonst noch so bietet.

03.08.2022

 

Vernetzung 5

 

Zentrum für experimentelle Gesellschafts-gestaltung

 

 

Wer nicht gleich bis nach Portugal reisen kann oder möchte, für den gibt es auch im Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung in Bad Belzig/Brandenburg eine Möglichkeit, neue Formen des Miteinanders zu leben und zu erleben. Auch hier handelt es sich um ein sozio-kulturelles Projekt, das sich mit Ökologie und der freien Sexualität besonders tief befasst.

 

Erklärtes Ziel des Zentrums ist es, einen langfristig tragfähigen gemeinschaftlichen Lebensstil zu etablieren und eine kooperative und nachhaltige Lebensweise zu vermitteln. Themenschwerpunkte sind Ökologie und Permakultur, Liebe und Sexualität sowie künstlerische Angebote wie Mal- und Singkurse, Tanzabende, Vorträge und kulturelle Veranstaltungen.

 

Die GründerInnen dieser Gemeinschaft haben auch Tamera gegründet, wovon gestern die Rede war (siehe unten). Diese beiden Gemeinschaften sind untereinander nach wie vor stark verbunden. Die Kritik, die in den Anfängen an der Ausrichtung der Gruppe geübt wurde, ist längst einer wirtschaftlichen und politischen Anerkennung gewischen, die die erfolgreiche Arbeit würdigen.

 

Im Wesentlichen lebt dort unter den über 100 festen Mitgliedern der Gemeinschaft der gleiche Geist in Bezug auf Ökologie und Ökonomie, auf Werte und Friedensforschung, die sowohl in der Politik wie in den Beziehungen der Menschen mit- und untereinander eine breite Aufmerksamkeit in der Forschungsarbeit erhält. Lebendig erlebbar wird dies in vielen Veranstaltungen und auch der Möglichkeit, eine Zeitlang in dieser Gesellschaft direkt zu leben und sich einzubringen.

 

Auch hier lohnt sich ein Besuch, wenn man sich nicht nur in den herkömmlichen Konventionen und Kategorien denkt, fühlt und leben möchte und man an neuen gesellschaftlichen Ansätzen aktiv mitwirken will. Dort wo die alten Strukturen mehr und mehr zerbrechen, weil sie der Wirklichkeit der Menschen nicht mehr standhalten können, wird hier experimentell und erfolgreich ein neues Lebensmodell erprobt. Es ist sicher keines, dem jeder gewachsen sein wird oder will, aber eines, wo sich neue Ideen mutig am und im Alltag selbst bewähren müssen und wollen. Aussteiger aus dem Herkömmlichen werden zu Einsteigern in neue Qualitäten.

 

Vieles über die Hintergründe und die Philosophie/Psychologie dieser Ausrichtung kann man den Links hier unten entnehmen.

 

 

02.08.2022

 

 

Vernetzung 4

Tamera:

Heilung, Liebe, Bewusstseinsschulung

 

Wenden wir uns dem Positiven zu. Ich schreibe noch ein wenig weiter aus meiner kleinen Serie der positiven globalen  Vernetzungen. Vernetzungen jener Menschen, die an die Chance der Erneuerung glauben und alles dafür tun, um sie auch zu verwirklichen. Tatmenschen, die das alte Leben hinter sich lassen, um das Neue in kleinen und größeren Gruppen bereits jetzt zu leben… und zu lieben. Hierzu gehören auch spirituelle Gruppen, die von dem Gedanken beseelt sind, dass der Mensch auch das Gute im Zusammenwirken mit Natur, Umwelt, gesellschaftlich und in der Liebe vermag. Dabei dann auch notwendige Veränderungen erträgt und keineswegs chancenlos ist in dem von ihm selbst fabrizierten Chaos, das uns mehr und mehr die Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

 

Lichtsucher, die aus dem Schatten des Konsums und der Dekadenz treten. Die neue Werte im Alltag ganz praktisch auch erfahren wollen. Ökologisch, klimatologisch, gesellschaftlich, wissenschaftlich. Was bedeutet Licht in diesem Zusammenhang? – Es geht um das Licht des Bewusstseins, unserer inneren Sonne, die jeder selbst für sich entzünden lernen muss.

 

Intellektualität, Bildung, Wissen, Information, Emotionen, Gedanken, Gefühle – all das sind Teilbereiche des Bewusstseins, mit dem wir im Leben agieren, reagieren und uns verwirklichen – oder eben auch nicht. Erst die Kombination von Güte und Qualität all dieser Persönlichkeitsmerkmale zeigen dann, wie wir mit diesen Ressourcen umgehen, ob wir sie weiterentwickeln, wie wir sie einsetzen – oder eben auch nicht.

 

Es gibt nun viele beachtenswerte, ja merk-würdige (! würdig, zu merken) neue Ansätze, die das individuelle Bewusstsein als Dreh- und Angelpunkt für eine neue Ausrichtung auf das Leben und die Lebensqualität sehen und dies nutzen. Eine dieser Gruppen ist das Zentrum für Friedensforschung und -Ausbildung in TAMERA Portugal (Link siehe unten). Diese Gruppe gründete sich als kleine Gemeinschaft 1978. Heute leben dort um die 200 Menschen, die daran arbeiten, Modelle für eine postkapitalistische Gesellschaft aufzubauen. Geleitet werden sie von dem Grundgedanken, dass es auch eine Zukunft ohne Krieg und Liebe ohne Eifersucht und Angst geben könnte. Die geschundene Erde soll nach und nach zu einem Heilungsbiotop aufgebaut werden, der allen Lebewesen den ihnen gemäßen Raum gibt. Und der Umgang der Menschen mit- und untereinander soll von den alten Verlust-Ängsten, Eifersüchten und Besitzansprüchen ent-sorgt und stattdessen von einer freien und verantwortungsvollen Liebe in neuer Weise getragen werden.

 

Zu allen wesentlichen Bereichen des menschlichen Lebens werden neue Grundlagen erarbeitet, die die Bereiche von Ethik, Soziales, Sexualität, Ökologie, Technologie und Ökonomie sinnvoll neu zusammenfügt.

 

Fachleute und Experten aus allen möglichen Bereichen, Kulturen und Erdteilen begegnen sich in der gemeinsamen Forschung, die ein gewaltfreies Leben auf der Erde aufbauen wollen. Kooperation und Vertrauen sind Schlüsselwerkzeuge für einen neuen, gesunden Acker der Erde. Ein Feld für ein neues Bewusstsein, das andere Qualitätsstandards möglich macht, als dies heute in zerstörerischer Weise zwischen bitterer Armut und dekadentem Überfluss noch Realität ist.

 

Das zu erforschende Objekt eines Themas und das forschende Subjekt sind nicht getrennt, sondern bilden eine natürliche Einheit. Da der Mensch die Probleme geschaffen hat, die heute den Planeten an den Rand des Überlebens drängen, haben sie auch die Macht und die Pflicht, es wieder zu heilen. Diesen Auftrag haben die Menschen in Tamera angenommen.

 

Dreh- und Angelpunkt in Tamera, wie aber auch in allen anderen ernstzunehmenden spirituellen Gruppen ist immer die Transformation des Bewusstseins. Und hier, im Gegensatz zu vielen Sekten, ohne Manipulation, sondern mit jener Geistesschärfe, die es braucht, um Klarheit im Denken und Handeln zu erzeugen, das eine neue gesunde Dynamik generiert.

 

Wird hier anders geforscht als unter den klassischen Wissenschaften? Ja… und nein. Die Labore hier sind "lebendiger". Es ist das konkrete Leben selbst, das viele kluge Antworten gibt, wenn man nur die richtigen Fragen dazu stellt. Natürlich arbeiten auch "klassisch" ausgebildete Wissenschaftler (Solar, Elektronik, Wasser u.v.a.m) dort und bringen ihr Expertenwissen ein.

 

Ein Hauptaugenmerk liegt auch auf dem Eros, der als heilige Kraft verstanden wird. Im Gegensatz zur sexuellen Beliebigkeit, die in vielen alternativen Gruppen anzutreffen ist, wird die freie Sexualität hier vor allem auch eine heilige Lebenskraft und Zeugungskraft verstanden, der erlaubt wird frei zu fließen. Keine Schändung, keine Unterdrückung, kein Missbrauch, sondern Respekt und Verantwortung sind Schlüsselbegriffe, die mit dieser Weltmacht einhergehen. Unter anderem bietet Tamera auch eine Liebesschule, wo das komplexe Erfahrungsfeld des Eros erlebbar wird … und ebenso geheilt werden kann (durch Erkenntnis!), wenn man sich diesen schwierigen zwischenmenschlichen Themen offen stellt.

 

Die Liebe zwischen und unter den Menschen ist und bleibt noch lange eine Geschichte von Glück und Wut, von Trauer, Schmerz und Sehnsucht, von Hoffen und von Versagen, Lüge, Betrug und großem Vertrauen. Enttäuschung, Missverständnis und immer wieder neu Zuversicht, es miteinander zu schaffen.

 

Ein Blick auf die Seiten der Homepage lohnen sich allemal. Und für die, die ihren inneren Aufbruch auch im äußeren Tun verlebendigen, lohnt sich sicher auch eine Reise dorthin, um das alles selbst einmal zu erleben.

 

Wenn Sie Interesse am spirituellen Themen der Heilung der Erde und der Heilung der Menschen untereinander haben, lohnt sich ein Blick auf die Homepage

 

1.8.2022

 

Vom Sonnenbrutzeln und  kühlem Nass 

 

 

Unser Urlaub fiel ins Wasser. Allein schon das war exotisch.

Denn während der europäische Kontinent in tropischer Hitze fast schon hyperventilierte, versanken wir im Regen. Norwegen, Fjorde, Nassland. Nicht einmal Rasen mähen war möglich… Dafür labten sich Rehe Tag für Tag, und keinesfalls nur verschämt in der Nacht, an den wunderschönen Blüten im Garten. Gourmets mit samtbraunen Augen. Die brutal abgeknabberten Stängel ließen sie stehen.

 

Ein Urlaub im Wasser: Kein Problem! Man kann es sich trotzdem schön machen, in diesem grandiosen Naturparkwunderland, dem man tatsächlich Trolle zutraut. Jeder der Bergriesen scheint einen zu beherbergen. Was eher ein Problem ist, ist das Klima – statt des Wetters. Den Unterschied zwischen beidem kennt mittlerweile der letzte Tölpel. Es wird ja ständig erklärt, als hätten wir es mit den Ohren.

 

Was uns nicht erklärt wird, ist, warum die Ausreden um das allzulange und mutlose Nichthandeln gemäß der sich anbahnenden Katastrophen nicht besonders intelligent herüberkommen. Alle sind sich doch einig. Einig vor allem aber darin, dass das richtige Handeln gerade im Moment leider wieder einmal nicht angesagt ist. Weil… und dann kommen die Gründe. Die versteht ja jeder. Nur das dumme Klima nicht. Das knallt durch. Und etwas später dann wir!

 

Am Nordkap war es kürzlich 28 Grad im Schatten. Im Fjordland gleichzeitig dann so um die 12 zur gleichen Zeit. Während Paris kochte. Dieser "Moment" des nicht ausreichenden Handelns dauert bereits seit Jahrzehnten und nächste Jahrzehnte bleiben uns  nun einmal nicht. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist gnadenlos schnell.

 

Unser Nachbar und Hüter des Hauses hatte unseren Garten gut versorgt. Als wir zurückkamen staunte ich über die Explosion des Wuchses. In gut zwei Wochen war so viel verändert, dass es nun weitere zwei Wochen braucht, um es wieder zu zähmen.

 

Natur zähmen? Ja, wenn man Blüten für Bienen, Nahrung für Insekten, Gemüse für die Küche und die stillen Mitteilhaber von Schnecken, Vögel und viel anderem Getier ziehen will, braucht es ordnende und fleißige Hände. Ernten und nicht sähen können Vögel und Diebe… Aber der einfache Durchschnittsmensch muss dafür ordentlich was tun.

 

Was wollte ich sagen? Ah ja…. Meine Dauerwiederholung, mein Altersmantram: Ernsthaft große Sorgen um die Folgen des Klimawandels. Die Erde hält das aus. Auch Urtierchen und Bakterien und co.  Die menschliche Gesellschaft eher nicht. Ob der hohe Norden am Ende der Klima-Gewinner wird mit seinem derzeitigen Regenübermaß? Wenn sich das jedoch auch verstärkt, kann man vermutlich dort bald essbare Algen in größeren Pfützen anbauen, während die giftigen Algen durch das Mittelmeer ziehen und sich von der Sonne verwöhnen lassen. Welternährungskrise! Algen sollen helfen. Aber die Forschung ist zu langsam angesichts der Dürre und der idiotischen Kriege, die wir uns zusätzlich leisten.  Als wären die Probleme noch nicht groß genug! Welternährungskrise! Wir alle beziehen dieses Schlagwort im Moment noch auf Afrika. Da wurde ja schon eh immer gehungert. Aber bei uns noch nicht. Da wird eher abgespeckt. Schneller als wir denken, kann es uns auch erreichen…

 

Leute, pflanzt hitzeverträgliche und wassersparsame Beeren, Früchte, Bäume an. Wer weiß, ob wir bald von Datteln und Kokosnüssen leben müssen… Nur: Auch die brauchen Zeit, bevor sie uns mit ihren Früchten beschenken.

 

 

31.7.2022

 

Der Tag beginnt mit Zoff

 

Sechs Uhr in der Früh. Ich bin wach. Lust auf Sudoku. Mittelschwer. Das reicht für noch bleischwere Augen aus. Und weil es beim Sudoku so wunderbar nichts zu Fühlen gibt, sondern nur einen äußerst begrenzten Horizont zwischen den Zahlen 1 bis 9 beansprucht, bin ich selbst der Türöffner für den Streithammel in mir.

 

Der freundliche Herr Kritiker ist heute morgen nämlich nicht gut drauf. Er raunzt mich an mit den Worten: "Mensch, kannst du nicht mal eine anständige Buchrezension schreiben?"

 

Im ersten Augenblick weiß ich gar nicht, was er will. Dann fällt mir ein. Ah, ja! Gestern. Die dunkle Seite des Mondes. Von Suter. "He, ruf ich zurück, das war keine Buchbesprechung und sollte auch nie eine sein."

 

"Damit kann doch kein Mensch was anfangen", mault er weiter in mir herum. "Blödsinn", antworte ich ihm. "Die Leser verstehen das doch. Sind doch nicht doof. Merkt doch jeder, dass es hier nicht um eine Rezension geht, sondern nur um eine momentane Befindlichkeitsäußerung meines derzeit lustvollen Lesens. Rezensionen darüber gibt es doch in Hülle und Fülle. Zudem ein alter Schinken von 2000. Selbst einen Film gibt es schon. Also uralt! Aber saugut. Also was soll diese blöde Anmache morgens gegen sechs?"

 

Ich bin nun selbst sauer. Dieser Streithammel in mir hat immer und immer und immer was zu meckern. Nie mache ich ihm was recht. Alles mögliche deutet er um. Obschon er mich doch kennen müsste. Aber nein, er hat immer dann noch "die Leser" mit ihm Blick. Welche eigentlich, frage ich mich! Sind "die" Leser nicht ebenfalls alles Individualitäten, die nur deshalb hier hin und wieder erscheinen, weil sie doch offenbar irgendeinen Zugang zu meiner Schreiberei haben müssen? Oder? Wo liegt da mein Irrtum?

 

Aber ich weiß schon, was jetzt als nächstes kommt: "Du genderst nicht!". Leser-innen. 

 

Blödmann. Nein, ich gendere wann ich will. Und ich will diesen Blödsinn nicht immer mitmachen. Ganz unabhängig davon, ob mich Leser besser oder schlechter verstehen als Leserinnen.

 

Also: Ordentliche Buchbesprechungen nach den Kriterien der geheimnisvollen ungeschriebenen Gesetze einer oft erbarmungslosen Buchbranche gibt es auch in Zukunft nur selten einmal von mir. Und ja, werter Herr Kritiker, ich weiß, wie das geht und wie das aussehen muss. Aber ich habe nicht immer Lust dazu. Das ist meine Seite hier und nicht deine! Punkt. Schluss!

30.7.2022

 

"Die dunkle Seite des Mondes" - II

 

Diesmal das Buch. Wieder einmal ein alter Schinken aus meiner Bibliothek. Und wieder einmal eine neue Begeisterung, weil ich das Alte unter neuen Gesichtspunkten lese. Schon interessant, wie man sich selbst als Lesende über die Jahrzehnte verändert - und damit auch die eigene Wirklichkeit.

 

Martin Suters beeindruckender Roman wurde auch verfilmt. Das erfuhr ich erst eben bei der Recherche. Darauf freue ich mich und hoffe, von einer Enttäuschung verschont zu bleiben. Man kennt es ja: Die so oft vorkommende Diskrepanz zwischen Autor und Film.

 

Was berührt mich nun mehr als früher? Es ist diese Instinktgefeuertheit des skurrilen Romanhelden, dieses Mörders wider Willen, die Lebendigkeit des Waldes, der fast schon Angst macht in seiner archaischen Harmlosigkeit, aus der wir uns fast alle abgenabelt haben. Eine fremde Welt, ähnlich der Tiefsee. Gnadenlosigkeit im Tun steht mit im Vordergrund und wird zu einem Objekt einer neugierigen Betrachtung, die merkwürdiger Weise  kaum Gefühle hinterlässt. Aber Spannung. Stockdunkel geht es zu, auch dann, wenn der Mond scheint. Die Dunkelheit ist nicht nur eine Frage der Lichtspektren, sondern vor allem auch eine Frage des Leuchtens der Seele und des Geistes.

 

Der gezähmte Mensch in seiner ursprünglichen Welt - nicht nur ein Widerspruch, sondern fast immer auch eine Unmöglichkeit. Sich hineinzuversetzen, löst eine ganz eigene Spannung aus. Flucht aus der kapitalistischen Dekadenz unserer Leistungsgesellschaft - dank Pilze und Psilocybin... Die Paranoia des Ganzen unterstreicht die Dramatik.

Bin gespannt, wie mir der Film mundet.

 

P.S. Natürlich hinterfragte ich mich auch selbst zu meinem Verhältnis zum Wald. Ich bin gerne dort. Auch oft. Ich habe aber auch Angst. Die Angst hält mich davor zurück, ihn in seiner Tiefe, in seinem Herzstück aufzusuchen. Mir reicht der Waldrand und ein paar Kilometer ins Innere, dort wo die Zivilisation noch ahnbar, erreichbar ist.

 

Woher kommen meine Ängste? Aus der Kindheit. Sie sind tief in mir veranlagt. Waren es am Ende doch die Märchen, diese vielen ungeheuer spannenden Märchen, die ich schon früh in mich aufnahm? Oder ist es noch viel älter als das? Eine Urerfahrung, deren Einzelheiten mir nicht mehr zugänglich sind - aber noch immer in mir wirken?

 

 

 

 

29.7.2022 

 

Verzerrungen

 

Wer kann sich schon davon freisprechen, hin und wieder gewissen Verzerrungen zu unterliegen. Auch wenn wir noch so wachsam die Wirklichkeit beobachten, müssen wir uns ernsthaft fragen lassen, ob wir nicht dennoch schon latent manipuliert sind, unbewusst in Scheinwelten abdriften oder bereits Marionetten eines merkwürdigen Spiels sind.

 

Nein, ich kenne persönlich keine Verschwörer. Bei mir hat noch niemand angeklingelt und ich weiß auch nicht, ob und wie viele es davon gibt, wie und wo und warum und weshalb. Dennoch ist so manches merkwürdig, wenn man nicht die Augen vor allem verschließt. Vieles davon lebt mehr im Gefühl als in den tatsächlichen Beweisen, die oft nur schwer zu erbringen sind.

 

Der Krieg in der Ukraine ist natürlich noch auf der Tagesordnung. Wir hören jeden Tag davon. Jeden Tag ein wenig weniger. Auch das ist normal. Denn die Gewöhnung an den ständigen Schrecken stumpft jeden früher oder später ab. Das liegt in der natürlichen Schutzschicht unserer Gene, die sich immer wieder neu an neue Situationen anpassen müssen. Jetzt also wesentlich weniger, aber immer noch zuviel Ukraine. Warum? Weil die Folgen nun immer näher an uns heranrücken, orakele ich mal, ohne dabei Weisheit anstrengen zu müssen. Gaspreise, Inflation, Riesengewinne der Konzerne, usw. Einige Länder deckeln bereits diese Raffgier... Deutschland zögert damit. Warum eigentlich? Warum macht Deutschland diese Deckelung der inflationären Preiserhöhungen nicht mit, die uns andere Länder in der EU vormachen? Warum darf bei uns alles preislich explodieren? Wieder weil wir "reich" sind. Die haben es ja! Da kann man beruhigt zulangen?

 

Die Grünen schwören uns in gewisser Weise - man muss nur genau zuhören - bereits auf "Unruhen" ein. Sie umschreiben es noch, meinen aber das Gleiche. So als würde mit dieser ziemlich realistischen Vorausahnung schon die Sanktion für sich selbst erteilt. Seht ihr, wir haben doch früh gewarnt! Wovor? Vor sozialen Unruhen, vor dem explodierenden Kessel, der derzeit noch nicht  ganz gefüllt ist. Aber wartet mal, bis es Winter wird. Gar Weihnachten vor der Tür steht.... Vor der Wut, der Enttäuschung und der Verzweiflung all jener, die trotz Arbeit (und erst recht ohne) nicht einmal ihr Existenzminimum bestreiten können. Das ist beschämend. Wer ist schuld? Immer nur Putin.

 

Natürlich ist Putin schuld. Aber wie viel an Chancen wird auch versäumt? Warum gibt es denn die vielen un-erhörten, un-gehörten Warner, die mehr auf Diplomatie setzen. Stattdessen erleben Aufrüstung ohne Ende. Die Toten, die Toten.... Ja, die gibt es leider mit und ohne Aufrüstung. Mit aber vermutlich noch mehr!  Eine Verlängerung des Krieges um jeden Preis. Den Preis zahlen die Ukrainer... und auch wir alle.

 

Ich frage mich:

Geht es derzeit überhaupt noch um die Ukraine als Hauptziel?

 

Offiziell sicher. Denn selbst die Russen müssen irgendwie vor irgendwem noch ihr Gesicht wahren. Make up hin oder her... und wer sich lächerlich macht, regt auch schon niemanden mehr auf. Und darauf setzen sie eben ihre Ansprüche. Historisch zementiert. Doch da könnten dann auch noch die Völker aus den Steppen kommen, wenn wir historische Landansprüche weltweit stellen.

 

Dennoch beschleicht mich schon länger das Gefühl, dass es eher um die endgültige Entmachtung von Europa geht. Um den wirtschaftlichen Todesstoß, zunächst in Kerneuropa, das am meisten zahlt, weil es derzeit noch am finanzkräftigsten ist. Der Rest fällt dann wie Dominosteine, wenn Deutschland erst einmal pleite ist. All ihr Flüchtlinge, die ihr auf dem Weg seid, überlegt euch gut, ob es sich noch lohnt!

 

Europa am Ende? Halt, halt! Soweit sind wir noch nicht. NOCH sind wir augenscheinlich reich. Bilanztechnisch jedoch schon lange nicht mehr. Die Staatsverschuldung wächst mittlerweile auch bei uns gigantisch.  Und es kommt immer weniger nach. Gibt es erst einmal Massenarbeitslosigkeit, dann gute Nacht... mit ungezählten Albträumen, die uns in der Realität des Alltags erwarten. Der Tag wird zur Nacht.

 

Ich denke, es gibt genug globale Interessen, denen eine solche Entwicklung ganz wunderbar in ihre zukünftige Wirtschaftsphilosophie passen würde. Vielleicht denken sie: Lasst Putin machen... Europa ist nicht nur ein Auslaufmodell, sondern freigegeben zum Abschuss.

 

Und das alles ganz ohne jede Verschwörungstheorie.

Einfach nur aus der Wahrnehmung der Wirklichkeit.

 

Aber Wahrnehmung ist halt auch eine individuelle Angelegenheit des Geistes.

 

 

28.7.2022

 

Die dunkle Seite des Mondes

 

Drei Eingangsfragen:

 

Bin ich blind für die Wirklichkeit?

Bin ich doch ein heimlicher Pessimist?

Bin ich zu fantasielos, was eine positive Zukunft betrifft?

 

16 Tage bin ich aus der Wirklichkeit unserer globalen Realität abgetaucht. Keine Nachrichten... Kein Böses, kein Gutes, nur einfach der Tag, wie er kam. Und die Nacht, die hell blieb. Mit viel Regen in traumwandlerischer Atmosphäre zwischen Himmel und satt getränkter Erde, die sich in der Natur nur schwer begehen ließ.

Was Europa und dem heißen Rest der Welt fehlte, war hier im hohen Norden übersatt vorhanden. Wie gesagt: Keine Nachrichten, obschon es so einfach wäre, sie in digitaler Globalisierung zu besorgen.

 

Nichts hat sich verändert. Wie auch. Veränderungen brauchen entweder Katastrophen von ungemein großem Ausmaß oder eben einen Bewusstseinssprung. Eine Veränderung des Geistes, die den Sprung von der Theorie in die Praxis schafft. Beides blieb aus. Die Katastrophen sind und waren die alten: nämlich solcherart, mit denen man langsam leben lernt. Waldbrände, Gaspreiserhöhungen, immer mehr Waffenlieferungen, auch und besonders befürtwortet von einer ehemaligen Friedenspartei... Keine machtvolle Potenz, die sich zu ernsthaften Friedensbemühungen bereit zeigt, die auch die Gegenseite zähneknirschend akzeptieren könnte. Stattdessen wird weiter gebombt und gestorben.

 

Ja, ja, ich weiß, man kann all diese Argumente tausendfach hin und her bewegen, bedenken, relativieren, minimieren, aufbauschen, dramatisieren - oder: ignorieren. Ich ignorierte sie einmal für ein paar Tage. Jetzt robben sie wieder nach und nach ins Bewusstsein meines Alltags. Und was das zweite betrifft, diesen notwendigen Bewusstseinssprung, da klappen meine doch immerzu fröhlich ausgebreiteten Flügel fast schon klaglos zusammen. Das wird nichts mehr!

 

Und an dieser Stelle empöre ich mich über mich selbst. Bist halt doch eine Pessimistin, schimpfe ich mich aus. Du weißt genau, dass es überall tolle Ansätze gibt. Hast vor dem Urlaub selbst noch darüber geschrieben. Hattest eine kleine Serie begonnen, die dann auch noch - ja typisch, Pech des Schicksals - prompt einer versehentlichen Lösung zum Opfer fiel. Freud lacht im Himmel!... Haha... Du kleiner Naivling, der doch darum weiß, wie langsam sich die Evolution des Geistes zeigt... Schnecken sind Raser dagegen.

 

Nein, das mit dem erhofften Bewusstseinssprung im erforderlichen Ausmaß einer nachhaltigen Veränderung bleibt derzeit noch aus. Vielleicht kommt es irgendwann. Ich zweifle daran, ob ich es noch erleben werde.

 

Ach ja, eine alte Freundin ist im Urlaub verstorben. Kein Nebensatz, auch wenn er hier so erscheint. Es hat mich sehr berührt. Sie war so alt wie ich, also jung genug, um noch eine Weile weiterzuleben, wenn es denn hätte sein sollen. Natürlich bin ich sofort wieder gedanklich bei meinem eigenen Tod. Wie auch anders bei solchen Zäsuren. Es kann noch viele Jahre dauern, er kann schneller passieren, als ich es ahne. Die Freundin, die nächste von schon so einigen, machte es gerade vor. Traurig.

 

Traurig? Oder ist es immer genau zum "richtigen" schicksalhaften Zeitpunkt, den wir nur nicht richtig deuten. Nicht richtig deuten wollen oder können, weil unser Ego etwas anderes im Sinn hat und an jedem Strohhalm des Überlebens klebt? Natürlich ist es so. Unsere unzureichende Deutung ist das Problem...

 

Ich hab noch einiges zu tun und ende für heute hier an dieser Stelle. Und außerdem macht mir seit einigen Tagen mein Ischias ziemliche Probleme. Mein ausufernder Garten nimmt darauf keine Rücksicht und blüht sich selbst zu Tode...

 

Ach, gäbe es doch nur Probleme dieser Art auf der Welt!

 

P.S:  Fast vergessen: Die Überschrift! Die dunkle Seite des Mondes. Die, die man nicht sieht. Ich versuche mich mal darin, demnächst öfter einmal meinen Blick darauf zu richten. Einfach mal wegzuschauen, ins Nichts... Damit das Hinschauen auf das Helle mehr Freude macht.

 

 

Alle Texte auf dieser Seite unterliegen dem Urheberrecht!  (c) -

Vor Verwendung der Texte oder Textauszüge ist bei der Autorin die Genehmigung einzuholen

Druckversion Druckversion | Sitemap
(c) Christa Schyboll, 2017