Neue Texte 2021

 

 

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Veröffentlichungen brauchen meine Genehmigung.

 

 

Vom Leben

 

01.03. 2021

 

Was wäre der Tod ohne das Leben?... So wie der Tod  (siehe unten! - runterscrollen) seine Würdigung und Aufmerksamkeit erfährt, erfährt es das Leben allemal. Leben in der Natur, Leben im Menschen, wie und wo immer es sich zeigt.

So entstehen hier zwei neue Rubriken - Vom Leben / Vom Tod - in denen ich mich mit den scheinbaren Antagonisten auseinandersetze.

In wechselnder Reihenfolge stelle ich hier lyrische Betrachtungen ein, die später in einem Buchwerk gemeinsam zusammengefasst werden.

 

 

Es rieselt, es raschelt

Und fliegt und fliegt

Braun-Gelb ist das Blatt

Das zart tanzt und sich wiegt

 

Mit Sonne durchschienen

Vom Wind wild umfangen

Will es nicht länger

An der uralten Weide hangen

 

Es fällt zu mir nieder

Und kräuselt sich leicht

Duftet süßlich, schimmert zart

Macht meine Sinne reich

 

Es weiß um sein Ende

Und schimmert ergeben:

Alles wird irgendwie weiterleben!

 

Nach der Winterskälte

Sprießt eine neue Kraft

In die uralte Weide

Und ihrem pulsierenden Saft

***

 

 

 

Vom Tod

 

Seit meiner Geburt ist er mein Begleiter. Blau das kleine Gesicht, von der Nabelschnur stranguliert, nicht wahrnehmbar atmend, begann mein Leben, das schon beendet schien. Eine konkrete Erinnerung daran habe ich nicht. Aber ich habe das Wissen darum. Doch auch ohne dieses Wissen, das erst in späten Erwachsenenjahren zu mir kam, spürte ich es schon als Kind: Der Tod ist mir nah. Mitten am Tag, mitten im Leben. Der Tod wurde mein ständiger Lebensbegleiter.


Doch was machte er mit mir? Er machte mich intensiv, lebensbejahend und tief. Er führte mich ins Denken und ins Feingefühl auf eine Weise, wie es das Leben allein, das ich lebte, nicht vermochte. Er wurde zum Förderer des Lebens und zugleich zum größten Geheimnis meines Seins, das mich bis in den eigenen Tod hinein begleiten wird.

 

Der Tod - Er wurde mein Lebensthema.

 

In meiner Lyrik hat er seinen eigenen  angemessenen Raum. Er steht nicht über dem Leben, sondern er steht mittendrin und ergänzt es in einer besonderen Weise. Denn das Leben ist etwas, was der Tod nicht verdrängen kann; auch nicht dann, wenn man stirbt, weil das Wesentliche weiterlebt.

 

Der Tod "lebt" auf eine geheimnisvolle Weise, die nur wenige begreifen. Der Tod lebt nicht nur, weil er noch nie gestorben ist, sondern er lebt auch, weil das Leben ohne ihn nicht möglich wäre. Der Tod, ein großer, mächtiger Freund allen Lebens, das immer wieder neu Wandlung erfährt.

 

Nach und nach werde ich hier persönliche Texte (vorübergehend, wöchentlich wechselnd) zum Tod einstellen. Texte, die voller Leben sind, weil Leben und Tod aus meinem Blickwinkel heraus eine wechselnde Einheit in der Einbettung der Ewigkeit sind.

 

01.03.2021

 

Dein Haar, so weiss

In langem Zopf geschickt geflochten

Schimmert nächtens wie polierter Reis

 

Dein Aug, grüngrau

Lässt keinen Stern erblitzen

Senkt nur den Blick ins dunkle Blau

 

Dein Mund, so blass

So voller nicht gesprochener Worte

Die Lippen ungeküsst und Tränen nass

 

Die Arme, ach so lang und leer

Und ohne einen Liebsten

Der zu umfangen wär‘

 

Der Leib, so weich

So wässrig und so fließend

An Metastasen reich

 

Der letzte Gang, so mühevoll

So schleppend durch den Tag

Ein jeder Schritt in dunkles Moll

 

 

Das Herz, erzitternd

Nach dem nahen Tod

Um Lebenszeit verkürzend bittend

 

Dein Geist, so lichterloh entbrannt

Entflammt für neue Welten

Steht über Schmerz und Tod

Zerteilt die letzte Wand

 

***

 

 

Das Leben lebt dich
Wie eine brennende Fackel
Doch immer wieder
Springst du ins Meer

Vergebens dein Versuch
Des Verlöschens

 

Der Tod will dich nicht!
Nicht dich!
Nicht jetzt!

 

***

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von unendlich weit komme ich her

Und falle noch immer mir zu

Mit dem Ich noch lang nicht vermählt

Auf dem Weg - nah zum eigenen Du

 

Noch immer bin ich mir weit, so fern

Falle aus der Unendlichkeit in die Tiefe

Meine Heimat ein ferner Stern

Der mich begleitet und es scheint mir, er riefe:

 

Werde eins mit dir selbst und geh deinen Weg

Falle dir zu, werde tief, bleibe stet.

 

 

23.02.2021 – 06.15 Uhr

 

 

 

 

Dieses Lodern, dieses Knistern

All die Ideen, die mir flüstern

Wie geheimnisvoll die Welt

Niedergeht, verwelkt, verweht

Und immer wieder aufersteht

Mit Ozeanen, Kontinenten,

Pflanzen, Tieren, intelligenten

Geschöpfen  die es noch nicht begreifen

Wie selbst sie wirken, wie sie schleifen

Am Gang  der Dinge des Vergehens

Schöpfer und Zeuge sind des neuen Auferstehens

Wie sie noch unbewusst gestalten

Über das, was man nennt himmlisches Walten

Über Schöpfung, Kreation und Werden

Jenseits der Himmel hier auf Erden

 

Wie es lodert, wie es knistert

Wie alles in mir lebt und mir beständig flüstert

Du, Mensch, bist Ursache und Ziel zugleich

Du, Mensch, gestaltest geistesreich

Mit noch unbewusster mächtiger Seelenkraft

Du bist es, der die Wirklichkeit erschafft

 

 

21.02.2021 -  05.47 Uhr

 

 

 

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