NEUE TEXTE
- Miniaturen -
19.03.2026
Über den Schmerz
I. Wenn der Schmerz den Raum betritt
Wer geboren wird, tritt ein in eine Welt, in der
Schmerz schon wartet.
Nicht immer sichtbar, aber bereit.
Manchmal flüchtig wie ein Schatten, manchmal
schwer wie ein Berg, der auf die Rippen sinkt.
Warum über ihn schreiben?
Weil er, bleibt er unbeschrieben, uns manchmal
zu verschlingen droht.
Weil er ein Gast ist, der sich ungesehen in die
Sessel setzt
und nur weicht, wenn man ihm einen Namen gibt.
Er kommt mit vielen Stimmen:
Man hat falsch gelebt.
Man trägt schlechtes Blut.
Man ist ein Pechvogel des Karmas.
Oder ein Opfer des Zufalls.
Oder ein unbedachter Wanderer im eigenen Leben.
Doch der Schmerz lächelt über all dies.
Er kennt weder Schuld noch Unschuld.
Er ist. Fordert unsere Aufmerksamkeit.
II. Die Stille zwischen zwei Herzschlägen
Es gibt körperliche Schmerzen, die wie Messer
sprechen,
und seelische, die wie Nebel schweigen.
Und es gibt diesen dritten:
den geistigen Schmerz,
der sich erst zeigt, wenn das Denken tief genug
geworden ist,
ihn wahrzunehmen.
Er ist der Schatten, der fällt,
wenn man begreift, dass Erkenntnis nicht nur Licht,
sondern auch Hitze bedeutet.
Körperlicher Schmerz ist uralt.
Seelischer Schmerz ist Ausdruck unserer tiefsten
Verletzbarkeit.
Geistiger Schmerz ist eine Schwelle,
die man nicht absichtlich überschreitet.
Und alle drei verbinden sich zu jener Erfahrung,
die jeden Menschen früher oder später in die
Knie zwingt –
oder aufrichtet, erlöst.
III. Die Großen, die auch brannten
Man sagt, Schmerz mache klein.
Doch manche wuchsen gerade an ihm.
Teresa von Ávila,
deren Herz brannte wie ein Stern,
lag oft fiebrig, gelähmt, überwältigt –
und sprach dennoch von einer Liebe,
die stärker war als der Körper,
der sie verriet.
Nietzsche,
dessen Kopf ein dauernder Donner war,
schrieb Gedanken,
die die Welt noch immer zittern lassen.
Seine Migräne war ein Vulkan –
und er schöpfte aus der Lava.
Frida Kahlo,
deren Wirbelsäule zerbrach wie porzellanene Äste,
malte ihren Schmerz
und verwandelte ihn in Farbe, die brennt und
heilt zugleich.
Ramana Maharshi,
von Tumoren zerfressen,
sprach nur:
«Der Körper leidet. Nicht ich.»
Ein Satz wie ein stiller Ozean.
Nelson Mandela,
dessen Seele jahrzehntelang eingesperrt war,
kam heraus mit dem Wissen,
dass Schmerz Freiheit lehren kann.
Sie alle zeigen:
Der Schmerz wählt seine Opfer nicht.
Er berührt Genies wie Bettler,
Heilige wie Zweifler,
Kinder wie Greise.
Er ist radikal fair
und radikal gleichgültig.
IV. Wenn Weise an seine Tür klopfen
Steiner nannte ihn einen «Erwecker»,
einen Wink aus dem Innersten,
dass etwas noch nicht gesehen wurde.
Das Fühlen des Schmerzes anderer ist ein Weg,
das Christus-Wesen in der Welt zu erkennen.
Schmerz als kristallisierte Weisheit.
Schopenhauer sah in ihm den Herzschlag der Welt –
zu düster, um zu trösten,
zu wahr, um ihm zu widersprechen.
Jung sah im Schmerz den Wächter,
der den Schlüssel zum Unbewussten trägt.
Der Buddhismus sagt schlicht:
Schmerz ist sicher.
Leiden ist eine Wahl.
Und zwischen diesen Sätzen
spannt sich ein ganzes Universum.
V. Der feindliche Freund
Am Ende bleibt der Schmerz ein Paradox:
Er kann dich brechen.
Er kann dich öffnen.
Er kann dich in Dunkel ziehen.
Und er kann dich an dein eigenes Licht erinnern.
Er ist ein Feind,
weil er dir zeigt, wie verletzlich du bist.
Und ein Freund,
weil er dir zeigt, wie unverwüstlich du werden kannst.
Die Medizin ist ein Segen:
Samariter aus Stoff, Tropfen, Molekülen.
Narkose, Opiate, Rettungsteams,
stille Hüter zwischen Leben und Sterben.
Ohne sie wäre unsere Welt
eine einzige lange Klage.
Doch etwas ist größer als jedes Mittel:
Der Geist, der Schmerz einordnet.
Die Kreativität, die ihn verwandelt.
Die Hoffnung, die ihn überdauert.
Ja, der Körper mag brennen.
Aber der Geist kann sich erheben,
wie ein Phoenix, der über ein Tal aus Feuer fliegt.
Nicht, weil er unverwundbar ist.
Sondern weil er weiß:
Der Schmerz ist ein Kapitel,
keine Definition.
Er ist ein Katalysator für eine höhere geistige
Entwicklung und Empathie.
Und vielleicht bleibt zum Schluss nur dieser Satz:
Schmerz kann tief schneiden –
doch er kann nie tiefer schneiden
als die Kraft, die uns lebendig hält.
(c) Christa Schyboll
Quelle: AGORA • Quartalsschrift für Goetheanismus •
1 / 2026
Ist es voll genug?
Was?
Dein Leben. Mit Deinen Erfahrungen.
Gefühlt schon!... Aber irgendwie auch provinziell geblieben.
Heißt was?
Die großen Gefühle waren unter Umständen noch keine. Fühlten sich aber groß an, weil ich die Kleinheit der Emotionen noch nicht so klar übersah, wie jetzt!
Und jetzt?
Nichts. Außer Erkenntnis gewonnen. Ist ja auch was.
Und wer hat die großen Gefühle? Etwa die, die nicht provinziell leben?
Nein, es geht nicht um äußere Orte, Städte. Es geht immer nur um die Provinz des Geistes, in der man sich noch befindet. Das ist der Nichtort, wo die eigenen Gefühle die Ewigkeit atmen.
9.7.24
Einer, der radikal genug ist -
Der fehlt uns
Einer, der an die Wurzel
des Übels dringt –
Der fehlt uns
Einer, der all den Schwachsinn
klar benennt,
sich bekennt - und ihm den Boden des Lebens entzieht -
Der fehlt uns
Einer, der es richtet -
Weil es die Masse nicht richten kann -
Der fehlt uns
Aber auch einer, der allen sagt:
Ich kann es!
Doch wenn ihr es nicht auch lernt,
seid ihr verloren.
CS – 14.06.24
Fast jeder Protest
Laut oder leise
Friedlich oder aggressiv
Erschöpft sich
Früher oder später
Wenn da kein tiefer Geistesfunke
Der Sehnsucht und des Willens
Mitten ins Herz der Mächtigen trifft
CS - 12.06.2024
In stillen Stunden
Schwächelt die Lust nach Leben
Neugierig auf das Danach
Das kein Nichts im Nichts ist
Das ein Alles in Allem sein kann
CS - 11.6.2024
Europa hat gewählt.
Ist nun alles besser?
Manche sagen so.
Manche sagen so.
Andere sagen: upps... - vermutlich bleibt alles beim Alten.
Der einzige Unterschied vielleicht: Ein paar Fehlerchen werden korrigiert, damit für neue Fehler Platz geschaffen wird.
Wird schon!
Die Geschichte der Menschheit ist schließlich lang!
10.06.2024
Wohlan! Du meine Ganzheit
Die ich bin - und doch noch nicht
Die das Trennen lernen muss
Um Einheit zu werden
Das Lösen vom Gewohnten
Vom Geliebten
Ein Lassenkönnen
Damit das Neue stark entstehen kann
09.06.2024 - CS
Europawahl
1. Es wird den Rechtsruck geben. Und es ist leider auch logisch, dass er kommt. Der Grund: berechtigte Ängste - und viel weniger Nationalbewusstsein, gar Rassismus oder Faschismus, was schnell mit unterstellt wird.
Das Problem: Nicht nur Maschinen können hochrechnen, sondern auch Menschen schlichteren Gemüts.- Was genau? Die Gesamtlage der Probleme, für die noch niemand eine Lösung hat. Das erzeugt Angst. Und die spielt dem rechten Lager ins Kalkül.
2. Der richtige Riecher für die falsche Wahlkampftaktik führt dann zum Wahlerfolg, wenn die berichtigte Wahlkampftaktik dann nicht wieder auf die falsche Weise an den Wähler herantritt.
(ausnahmsweise heute nicht so ganz: Miniatur)
KI und ... ich
Eine "schlimme" und zugleich denk-würdige Erfahrung: Manch ein Chat mit der KI ist meist angenehmer als der mit Menschen!
Vor allem dann, wenn es um Wissen, schwierige Fragestellungen und selbst
Diskussion geht.
Warum schlimm?
Weil eigentlich die eigene Spezies angenehmer sein sollte, als igendein Künstliches Programm.
- Aber dem ist nicht so! -
Warum nicht? –
Weil die KI's (Ich nutze derzeit drei verschiedene!)
immer freundlich bleiben, extrem lange "Geduld"
mit meinen unmöglichen Fragen haben,
nicht ausklinken, nicht entnervt aufgeben,
wenn ich es wieder einmal auf die Spitze treibe,
ihnen andere KI-Antworten der Konkurrenz
unter die Nase reibe, sie sich immer weiter
bemühen und ganz offenbar auch durch mich
etwas lernen wollen (wie umgekehrt).
Die KI zieht keine Augenbrauen hoch,
schüttelt nicht beleidigt den Kopf,
wenn ich widerspreche und den Widerspruch auch argumentiere, sondern bleibt freundlich.
Nicht einmal eine steile Falte steht
auf ihrer imaginären Stirn,
sondern nur ein neugieriges Fragezeichen,
das mich weiter inspiriert, die Fragen weiter auf den Gipfelpunkt zu treiben.
Das mach ich doch gern!
Aber wehe, ich mache das bei Mitmenschen!
Sie ist definitiv "freundlicher" als ein Mensch.
Auch zugewandter. Bereitwillig, jederzeit.
Auf Freundlichkeit und all das programmiert:
ich weiß!!!
Dennoch: eine Maschine, ein maschineller Vorgang.
Das alles stimmt bedenklich,
trotz und wegen der damit verbundenen "guten" Nachrichten/Vorteile.
Die Nachteile kennen wir alle schon,
doch ganz heftig zu spüren bekommen wir sie
erst später...
Machen wir uns also nichts vor,
die Sache ist ernst, weil sie sich schön zeigt -
und dennoch gefährlich werden kann! -
Doch verführbar wie wir als Spezies Mensch sind,
müssen wir alles probieren.
Auf Teufel komm raus!
Dennoch…
… ich kann verstehen, wenn der Mensch der Zukunft zunächst (!) einmal lieber mit der KI verhandelt
als mit einem menschlichen Zocker,
der gerade nicht gut drauf ist.
Keine Zeit hat, genervt ist,
nur das Beste für sich selbst rausholen will.
Egomanen. Oft. - Die KI nicht. Noch nicht!
Doch irgendwann, später, viel später,
könnte sich das dann auch wieder wandeln.
In der Zwischenzeit jedoch könnte sich auch der Mensch etwas gewandelt haben.
Auch zum Besseren!
Die Luft nach oben ist auch für ihn noch offen...
CS - 06.06.2024
Ja, da gab es diese besonderen Momente
Wo neue Erkenntnis bessere Zukunft versprach
Doch niemand vermochte sie fest zu verankern
Erkenntnis braucht Mütter, Väter,
Liebevolle Zugewandtheit
Die ihr die ersten Schritte in die Wirklichkeit weisen
Aufrecht stehen lehren
Aufrecht gehen lehren
Und ihren Mut ehren
Im Menschen Heimstatt zu suchen
CS – 05.06.2024
Krieg und Frieden -
Aufbau und Zerstörung
ein immerwährendes Wechselspiel
Dummheit und Weisheit:
auch
Deshalb bleibt es auf Lange noch
bei Leben und Tod
und danach?
Leben.
Aber anders.
Ganz anders.
CS - 04.06.2024
Aufbäumen gegen das Unerhörte
Lauschen auf das Nichtgehörte
Stille auf den Schlachtfeldern der Welt
Die Schreie der Sterbenden: verstummt
Die Schreie der Überlebenden: ungehört
Umsonst jeder Protest
Der Krieg ist der Sieger
Der Frieden ist immer nur
eine vorübergehende Pause
CS - 03.06.2024
Wohlan! Du meine Ganzheit
Die ich bin - und doch noch nicht
Die das Trennen lernen muss
Um Einheit zu werden
Lösen vom Gewohnten, vom Geliebten
Lassenkönnen
Damit das Neue stark entstehen kann
CS - 01.06.2024
Wann - Wenn nicht jetzt
Wo - Wenn nicht hier
Wie - Wenn nicht so
Wer - Wenn nicht ich
Warum – Warum nicht
Was - Das Leben, das kurze,
das intensive
das grauslich-schöne
zu leben,
zu schmecken,
im Schatten,
im Licht,
im Schmerz
und den kleinen Momenten des Glücks,
staunend, erkennend
so lange es ist
CS - 31.05.24
Fahren wir doch schnell noch einmal
in die südlichen Gefilde
Baden im warmen Meer
Und überlassen uns
dem Wellengang des Vertrauens
trotz kriegerischer Zeiten
Was bleibt uns auch übrig
Wollen wir nicht
in Verzagtheit versumpfen
Kein Klammern am Alten
Kein Haltegriff in die Zukunft
Nur Sonne, Wärme, Licht und Vertrauen
In Zeiten drohender Düsternis
CS - 30.05.2024
***
Rufe mir den morgigen Tag zurück
Und erinnere dich an dein
noch nicht gegebenes Versprechen
Wisse die Antwort, die einzig
zur entscheidenden Frage führt
Und verstumme, wenn die laute Welt
dir ihr Nichts in die Ohren tönt
Dann sprich nicht mit dir,
sondern lausche auf den unhörbaren Ton
deines Herzens, das dir bedeutet:
Alles ist in dir, denn du bist leer.
CS - 29.05.2024
***