AUSZÜGE aus meinen Lyriks und

 aus diversen aphoristischen Werken 

Nachdenkliches und Humor, Spitzfindiges und Hintergründiges,

Überdenkenswertes und Provokantes, Banales, Fatales und Paradoxes,

Besserwisserisches und Dahingeworfenes, Ermutigendes, Großherziges und Infames, Verruchtes und Zerdachtes, Naseweises und Politisches, Unglaubliches und Spontanes Gutgemeintes und Kleinliches, Lapidares und Respektvolle... und natürlich so einiges Zum-hinter-die-Ohren-Schreibendes, das Sie hoffentlich hin und wieder  

nachdenklich schmunzeln lässt.

 

Ich wünsche viel Vergnügen...

 

 

 

 

Geist trifft sich

 

Geist trifft sich dort …

 

…Wo sich Gedanken zu Visionen verdichten

oder

Sich Gedanken in neue Dimensionen lichten

 

…Wo sich Gefühle in Liebe oder Hass verlieren

oder

Sich die Gefühle als Ausdruck von Vielheit zelebrieren

 

…Wo Menschen klagend im Lebensalltag versagen

oder

Menschen immer wieder Ungeheures mutig wagen

 

…Wo Kreaturen gequält in Unfreiheit leben

oder

Sich freudig ihr So-Sein ergeben

 

…Wo Göttersein in Ewigkeit fließt

oder

Ein Gott auf Erden den Duft einer zarten Rose genießt

 

 

r die Kinder

 

Wolfsspiel  

 

 

Komm, kleiner Wolf

Lass uns über Tau nasse Wiesen jagen

Wir werden uns ins Dickicht schlagen

Wir werden wilde Beeren essen

Und alle Zeit dabei vergessen

Wir werden nachts alleine sein

Und lassen fahles Mondlicht ein

 

Wir werden die Fährte des Wildes wittern

Und lassen vor uns das Kleintier erzittern

Wir werden uns animalisch  erspüren

Und uns selbst immer tiefer ins Dunkle führen

In der Düsternis werden wir besonders scharf sehen

Wir werden sicher die schwierigsten Pfade begehen

 

Wir werden auf leisen Sohlen schleichen

Werden uns balgend die Pfoten reichen

Werden des Nachts durch die Flüsse schwimmen

Und es wird uns geschickt gelingen

Lachse zu fangen und köstlich zu schmausen

Wir lassen den Wind durch das Nassfell brausen

 

Wir werden uns schütteln und weiter gehen

Und werden von Ferne die Menschen sehen

Doch wir werden sie meiden, wir laufen zurück

Verbleiben im Wald, in der Freiheit, im Glück

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Räume

 

Menschen im Außenraum

Beengen meinen Innenraum

Bedrängen mein Beisichsein

Wollen in mich hinein

 

Ich muss nach Außen gehen

Um frei durch das Innere zu sehen

Um frei mir den Raum zu erhalten

Wo ich nur selbst kann walten

 

Freiheit im Außenraum

Schützt meinen Innenraum

Lässt mich in die Ferne schauen

Mich an der Nähe bau’n

 

Die ich erreichen will

Mit Menschen, die leis’ und still

Vorsichtig sich nähern mir

Und mir künden hier:

 

Lass uns den Innenraum

Gemeinsam im Außen bau’n

Lass sanftmütig und klar uns sein

Lass dich auf uns neu ein

 

Komm aus dem Innen raus

Schenk uns ein Außenhaus

Damit dann gemeinsam wir

Das Innen gestalten hier

 

Das selbst dann nach Außen strebt

Und Platz schafft für alles, das lebt

Das Liebe und Nähe ersehnt

Sich unter Menschen wähnt

 

Die Liebe ihm geben werden

In der Lernzeit auf Erden

 

 

 

 

Lass uns zwei Bäume sein

 

Lass uns zwei Bäume sein

Die sich mit ihren Ästen sanft berühren

Und Blütenküsse sich im Frühling senden

 

Lass uns zwei Bäume sein

Die über Wurzelwerk und Krone sich vereinigen

Und immer fest zusammen stehen

 

Lass uns zwei Bäume sein

Die ihre überreifen Früchte

Zur  Herbstzeit von den Ästen purzeln lassen

 

Lass uns zwei Bäume sein

Die sich in Winternacktheit ohne Laub

Mit ihrem warmen Blick erwärmen

 

 

 

 

 

Abendbegegnung

 

Zieh deinen Glasmantel aus
Und wärm dich bei mir
Schließe die Tür
Denn die Kälte der Welt will hinein
Nimm einen Schluck
Heißer Gefühle
Und spüre die Glut
Die den Körper durchströmt

Nimm einen Bissen
Vom Brot der Erde
Der Gärteig der Spannung
Bringt Würze hinein
Setz dich zum Ofen
Zum Weisheiten würfeln
Orakel mir doch
Mein Zukunftsgesicht

Komm, trinken wir Wein
Und fluten Gedanken
Durch Seelen und Körper
In der Tiefe der Nacht
Ein Spiel muss nun sein
Wir mischen die Karten
Im Sturmglas des Lebens
Wird die Sehnsucht umwogt

Die Nerven vibrieren
Musik will voll tönen
Gewaltig stimmen
Die Lieder wir ein
Es dröhnt durch den Raum
Es dröhnt durch die Zellen
Die Schwingung, die Kälte
Die Glut und das Glück

Es berauscht sich benebelt
Der Rest des Verstandes
An der Wollust des Lebens
Im schwankendem Takt
Wir singen, wir weinen
Wir werden nun leiser
Durch den Glasmantel
Brach die Wärme hinein

 

 


Dein Haar, so weiss

 

Dein Haar, so weiss

In langem Zopf geschickt geflochten

Schimmert nächstens wie polierter Reis

 

Dein Aug, grüngrau

Lässt keinen Stern erblitzen

Senkt nur den Blick ins dunkle Blau

 

Dein Mund, so blass

So voller nicht gesprochener Worte

Die Lippen ungeküsst und Tränen nass

 

Die Arme,

ach so lang und leer

Und ohne einen Liebsten, der zu umfangen wär‘

 

Der Leib, so weich

So wässrig und so fließend

An Metastasen reich

 

Der letzte Gang, so mühevoll

So schleppend durch den Tag

Ein jeder Schritt in dunkles Moll

 

Das Herz, erzitternd

Nach dem nahen Tod

Um Lebenszeit verkürzend bittend

 

Dein Geist:So lichterloh entbrannt

Entflammt für neue Welten

Steht über Schmerz und Tod – zerteilt die letzte Wand

 

 

 

 

 

 

 

 

Lockern wir doch unser Bewusstsein auf!

Fächern wir ihm doch Freude zwischen kleine Seins-Anteile.

Entkrampfen wir doch endlich die lastenden Fragen ohne Antwort in seinen geheimen Winkeln und fühlen uns eins auch mit dem, das wir fälschlicher Weise als getrennt von uns selbst vermuten

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(c) Christa Schyboll, 2017